Odenwälder Echo, 14.09.2011, S. 9
Wo Oma Agathe rasierte und Puppen reparierte
Häuser erzählen Geschichten: Tag des offenen Denkmals
wartet mit besonderem Ortsrundgang auf
REICHELSHEIM. Etwas Besonderes hatte sich der Arbeitskreis Regionalmuseum
Reichelsheim zum Tag des offenen Denkmals ausgedacht: Acht Wohn- und
Geschäftsgebäude in der Kerngemeinde sollten vorgestellt werden, und zwar von
den derzeitigen Besitzern selbst.
Bei allen Objekten
handelte es sich um Bauten mit viel Vergangenheit und wenigen
Besitzerwechseln, und fast alle sind unter einem von Alters her überlieferten
Hausnamen bekannt. Rund 40 Interessierte nahmen an der zweistündigen Führung
durch Reichelsheims Gassen teil. Koordinator war Andreas Uhrig, der von
weiteren Mitgliedern des Arbeitskreises unterstützt wurde. Darunter
Alt-Bürgermeister Gerd Lode, der zu diesen Ausführungen selbst erlebte
Anekdoten beisteuerte.
Beim Johannes
wurde gern gebabbelt
Als erste Adresse steuerte
die Runde das Haus Bismarckstraße 56 an. Dort wartete Roswitha Seitz, Tochter
des Taubenzüchters und Friseurs Johannes Daum, genannt „Daubehannes“. Auf
einem großen Foto war ihr Haus zu sehen, wie es sich in den vierziger Jahren
präsentiert hatte: Eine gewaltige, doppelläufige Treppe führte zur
Frisierstube hinauf, in der Oma Agathe auch rasierte, Puppen reparierte und
kleinere Wunden versorgte. In den fünfziger Jahren übernahm Sohn Johannes das
Geschäft. Jung und Alt trafen sich gern bei ihm – vor allem, „um dort ein
wenig zu babbele“.
An der Bismarckstraße 42 berichteten Rechtsanwalt
Franz-Wilhelm Rohde und seine Eltern über die Geschichte ihres Hauses. Ein
Kaufvertrag von 1861 belegt, dass sein Urgroßvater das Haus von einem Heinrich
Göttmann erworben hat, dass es als Gasthaus diente und später oft als
Bäckerei. Deshalb heißt das heutige Kanzleigebäude auch noch immer „Naibäcker“.
Wenn er für jedes Foto, das von seinem Zuhause gemacht wird,
einen Euro bekäme, wäre er ein reicher Mann. Dies sagte Gerhard Schäfer, der
2006 das „Glöcknerhaus“ an der Reichenberger Straße 12 gekauft hat. Das
Fachwerkhäuschen mit den auffallenden Kratzputzmotiven schaut auch schmuck
aus. Gebaut wurde es, wie Heimatforscherin Erika Hörr auf ECHO-Nachfrage
herausfand, 1840 von dem Schreiner Philipp Volk II. 1880 kam es an Barbara und
Adam Röder. Dieser war Kirchenrechner und Schuster, wirkte ferner bis ins hohe
Alter als Glöckner. Seine Tochter Sophie heiratete den Goldschmied Friedrich
Kübler. Deren Sohn Walter lernte Schlosser und Kunstschmied, übernahm das Haus
in den Fünfzigern und fertigte die Sandsteintreppe samt Geländer, Lampe,
Eingangstür.
Beim „Saafel-Schmied“ (Eisen-Treusch)
an der Bismarckstraße 16 hatte sich Irene Treusch auf die Besucher
vorbereitet. „Der Name kommt vermutlich von Säbelschmied“, erklärt sie, und in
der Tat hatte Ur-Ur-Großvater Jakob Treusch II im Jahr 1848 eine dort bereits
bestehende Schmiede übernommen. Die Berufsbezeichnung lautete „Grob- und
Hufschmied und Eisenhandel“. 1893 wurden Wohnhaus, Werkstatt und Laden zu
einem „Oeconomiegebäude“ umgebaut. Großvater Jakob Treusch IV stockte 1939 die
Werkstatt auf; seine Söhne Otto und Siegfried übernahmen den Betrieb Anfang
der Sechziger. Seit 1991 führt Siegfrieds Tochter Irene den Betrieb.
Viel Mühe mit ihrem
Vortrag gab sich auch Hildegard Lang, Besitzerin des Textilgeschäfts Hofmann,
das „beim Briggeschlosser“ genannt wird. Das Geschäft liegt an der Brücke über
den Mergbach, schon vor 1900 hat dort ein Philipp Hofmann eine Schlosserei
betrieben. Er heiratete das „Mühl-Lieschen“, eine Weißbinderin aus Gumpen, die
1902 in dem Haus einen Kramladen mit Kurzwaren eröffnete. 1914 wurde die
Schmiede aufgegeben, weil sich Sohn Peter ebenfalls mehr fürs Textile
interessierte. Er übernahm das mütterliche Geschäft 1920; sein Sohn Peter
Hofmann II stieg 1937 ein. Da er keine Kinder hatte, führten seine
Reichelsheimer Freunde Heinz und Meta Lang den Laden nach 1967 fort. Seit 2001
führen deren Töchter Hildegard und Bärbel Regie.
Ortsgeschichte macht Spaß: Beim Tag des offenen Denkmals führte ein
Rundgang zu acht
geschichtsträchtigen Häusern in Reichelsheim.
Dabei
ging es auch um die Apotheke (links) und das „Ärztehaus“ (rechts).
Andreas Uhrig (Bildmitte) erläuterte ein Foto, das Werner Götzinger (ebenfalls
vom Arbeitskreis Regionalmuseum)
mitgebracht hatte. Darauf ist zu erkennen, wie die Apotheke früher aussah.
Dass die Apotheke an der
Darmstädter Straße 11 im Ort „die Burg“ genannt wird, erzählte Andreas Uhrig
in Vertretung des heutigen Besitzers Christoph Eberts. Ursprünglich stand dort
das Gasthaus „Zur Burg Rodenstein“, um 1870 von Balthasar Dingeldein erbaut,
zusammen mit mehreren Nebengebäuden. Über Jahrzehnte wurde es von
verschiedenen Familienmitgliedern und Pächtern betrieben. 1961 richtete Eduard
Reinshagen dort eine Apotheke ein. Ebenfalls als Apotheker folgte ihm Joachim
Eberts acht Jahre später. Er ließ das Hauptgebäude um 1975 abreißen und auf
dem Grundstück ein modernes Geschäftshaus bauen.
Ärzte beleben
das "Fischer-Haus"
Über das gegenüber
liegende „Fischer-Haus“ berichtete Hannelore Bauer. Errichtet wurde der
Sandsteinbau 1890 von einem Metzger aus Frankfurt, der ihn aber nach rund zehn
Jahren wieder aufgeben musste. 1901 kaufte Bauers Großvater, der Arzt August
Fischer, das Haus und richtete eine Praxis ein, die 1945 von seinem Sohn
Rudolf übernommen wurde. Wenige Jahre später eröffnete dieser jedoch eine
eigene Praxis an der Scheffelstraße, sein Bruder Ernst zog mit seiner Familie
in die Wohnung. Die frei gewordenen Praxisräume wurden bis 1980 von der
Sparkasse belegt. Als Tochter Hannelore Fischer den Internisten Ulrich Bauer
(Groß-Umstadt) heiratete, entstand dort erneut eine Arztpraxis.
Der geschichtsträchtige
Rundgang endete in der alten Hofreite an der Heidelberger Straße, wo Ingrid
Kaffenberger ein Friseurgeschäft in dritter Generation betreibt. Wie deren
Ehemann Harald erläuterte, gehörte das Anwesen früher Selma und Isaak Selig,
die dort ein „Manufakturengeschäft“ betrieben. Sie verkauften das Gebäude 1939
an Heinrich Weimar, um nach England auszureisen.
Reichelsheimer Nachrichten, Juli 2011, S. 19
"Auf den Spuren des Odenwälder Lieschens"
bewegten sich am 29. Juni 2011 die
Teilnehmer der Reichelsheimer Ferienspiele unter der Beteiligung einiger
Mitglieder des Arbeitskreises Regionalmuseum Reichelsheim Odenwald (AKRRO).
Simone und Frank Steckenreuter, Günter Götz, René Winterstein, Andreas Uhrig
und Gerd Lode begleiteten die Kinder per Bus und Fahrrad von Reichelsheim nach
Reinheim.
Unterwegs wurden die ehemaligen
Bahnhöfe vorgestellt und der Verlauf der ehemaligen rund 19 Kilometer langen
Bahnstrecke erläutert.. Die Bahnlinie im Gersprenztal, im Volksmund
"Reinheim-Reichelsheimer Eisenbahn" oder "Odenwälder Lieschen" genannt, war
von 1887 bis 1964 in Betrieb. Nach dem Rückbau besteht heute nur noch eine
kurze Strecke von Groß-Bieberau bis Reinheim.
Von Reinheim nach Reichelsheim gab
es vier Straßenquerungen, zwei Brücken über die Gersprenz und den Fischbach
sowie einen Tunnel.
Günter Götz und Gerd Lode, die noch
mit dem Lieschen gefahren sind, berichteten über Erlebnisse mit der Bahn in
ihrer Jugendzeit. Simone und Frank Steckenreuter, René Winterstein und Andreas
Uhrig veranschaulichten anhand von Bildern und Plänen den Betrieb der Bahn und
deren Besonderheiten.
Die in Groß-Bieberau noch
vorhandenen Gleise, Weichen und andere technische Einrichtungen im Bereich der
Verladestation und des Bahnhofs fanden großes Interesse. Auch der 40 Meter
lange Tunnel bei Reinheim konnte besichtigt werden.
Höhepunkt der Fahrradtour auf den
Spuren der ehemaligen Gersprenztalbahn war ein Besuch des alten Stellwerks am
Bahnhof Reinheim.
Um Christa und Gerd Schneider hat
sich ein Verein gegründet, der das Stellwerk zu einem Museum ausbaute (www.mseumstellwerk-reinheim.de).
Die Kinder und deren Begleiter aus
Reichelsheim hatten die Möglichkeit, die alte Technik zu besichtigen und sogar
zu bedienen.
Erläuterungen im Stellwerk
Reinheim
Nach dem Mittagessen auf der
Terrasse des ehemaligen Stellwerks ging es mit dem Linienbus zurück nach
Reichelsheim. Lars Postawa sorgte im Auftrag der Gemeinde Reichelsheim für den
Rücktransport der Fahrräder von Teilnehmern und Betreuern.
Zum Abschluss des erlebnisreichen
Tages sahen die Teilnehmer im Regionalmuseum Reichelsheim Odenwald alte
Schwarz-Weiß-Filme aus den Fünfziger und Sechziger-Jahren des letzten
Jahrhunderts. Somit wurde der Betrieb der Bahn mit Dampfloks noch einmal
lebendig.
In der Bahnabteilung des
Regionalmuseums Reichelsheim Odenwald ist die Geschichte des "Odenwälder
Lieschens" dargestellt. Das Museum mit den Bereichen altes Handwerk,
Schulmuseum, Bergbau und Reinheim-Reichelsheimer Eisenbahn kann sonntags von
15:00 bis 17:00 Uhr und von Gruppen nach Vereinbarung unter Telefon 06164
50826 oder 06164 2369 besichtigt werden.
Odenwald Extra, 08.06.2011, S. 9
Das Reichelsheimer Regionalmuseum ist ein echtes Kleinod
im Odenwald
REICHELSHEIM. Beim monatlichen Treffen des Arbeitskreises Reichelsheimer
Regionalmuseum berichtete Horst Wendel von den Vorbereitungen für die
diesjährige Bilderausstellung beim Michelsmarkt. In der Sporthalle im
Untergeschoss der Reichenberghalle wird vom 27. bis 29. August die Ausstellung
„Reichelsheimer Firmen/ Reichelsheimer Unternehmer” zu sehen sein.
Mehr als 150 Unternehmen wurden in das Verzeichnis aufgenommen. Im
Mitteilungsblatt des Hessischen Museumsverbandes, so Mitglied Wolfgang
Kalberlah, wird über die neue Bahnpostabteilung im Reichelsheimer
Regionalmuseum berichtet. Ferner wird in der Broschüre die Arbeit von Wolfgang
Schwinn gewürdigt, der 30 Jahre Vorsitzender des Arbeitskreises war.
Beim Tag des offenen Denkmals
2011 am 11. September ist
ein Rundgang zu Reichelsheimer Gebäuden des 19. Jahrhunderts geplant. Die
Eigentümer und Mitglieder des Arbeitskreises Regionalmuseum Reichelsheim
werden über einige besonders interessante Gebäude erzählen, teilte Wolfgang
Kalberlah ferner mit.
Er sowie Wolfgang Schwinn und Gerd Lode bereiten eine weitere Ortsführung zum
Thema Handwerk in Reichelsheim vor. Die Bestandsaufnahme aus dem
Reichelsheimer Gewerbetagebuch von Wolfgang Schwinn ist
fast fertig. Simone und Frank Steckenreuter bereiten eine Fahrradtour im
Rahmen der Ferienspiele 2011 vor. Sie wird am
Mittwoch, 29. Juni, auf den Spuren
des Reichelsheimer Lieschens von Reichelsheim nach Reinheim stattfinden. Dabei
soll auch das Reinheimer Stellwerk besichtigt werden. Die Organisatoren suchen
noch Begleitpersonen und Helfer.
Gerd Lode gab einen Bericht über den ehemaligen Holzturm auf dem Stotz, der
dort bis 1948 stand. Alfred und Heinz Müller (Gumpen) werden alte Fotos des
Turmes bereitstellen und ein Treffen von Interessenten organisieren, bei dem
ein 90-jähriger ehemaliger Vermessungsbeamter aus Krumbach bei Fürth über den
Stotzturm berichten wird. Der Turm wurde um 1900 für die Landesvermessung
errichtet und war auch als Aussichtsplattform beliebt. Das Modellprojekt
„Reichelsheim
um
1850” des Arbeitskreises soll
weiter verfolgt werden.
Werner Götzinger, Verantwortlicher der Abteilung Bergbau, berichtete über das
Völklinger Museum und die Keltenausstellung dort. Jochen Rietdorf bedankte
sich bei allen Helferinnen und Helfern einer Oldtimerrundfahrt im April, bei
der der Arbeitskreis Organisation und Bewirtung in Reichelsheim übernommen
hatte.
Wie
Schriftführer Andreas Uhrig mitteilte, ist Dr. Ulrich Bauer neues aktives
Mitglied des Arbeitskreises. Für eine Fahrt zur Bundesgartenschau
nach Koblenz am 10. Juli, können sich Mitglieder und
Interessenten bei Peter Lohbrunner (Telefon 06164/2796) oder Dr. Ulrich Bauer
(Telefon 06164/ 913691) anmelden.
Odenwälder Echo, 17.05.2011, S. 13
Geschichten vom Ufer der Gersprenz
Lokalhistorie - Im
Reichelsheimer Regionalmuseum gehen Interessierte auf eine visuelle Reise am
Fluss entlang
REICHELSHEIM. Eine visuelle
Reise entlang der Gersprenz erlebten die Besucher des Reichelsheimer
Regionalmuseums am Donnerstag unter Leitung von Erich Jäger aus Schlüchtern.
Sein Bildervortrag „Die Gersprenz“ im gut besuchten historischen Rathaussaal
des Museums war Teil der Vortragsreihe „Leben und Arbeiten in der Region
Reichelsheim – einst und jetzt“.
Erich Jäger, pensionierter
Rektor und passionierter Fotograf, ist aufgewachsen in Babenhausen. Er hat
bereits mehrere Bildbände zu Flüssen wie Rhein, Main und Werra veröffentlicht
und begründet seine Faszination für die Gersprenz ganz einfach: „In ihr habe
ich damals schwimmen gelernt.“ Seine Tour entlang des Flüsschens begann Jäger
auf der Neunkircher Höhe, auf der die Gersprenz in 180 Meter Höhe entspringt.
Bis zu dem Punkt zwischen Bockenrod und Reichelsheim heißt der Fluss noch
Mergbach, ehe dort der Osterbach zufließt und sich der Name in Gersprenz
wandelt.
Der Fluss ist 50 Kilometer lang
Das Gewässer, das dem
Gersprenztal seinen Namen verleiht und bei Stockstadt in den Main mündet, ist
insgesamt 50 Kilometer lang, wie Jäger erklärte. Von Neunkirchen fließt der
Mergbach beziehungsweise die Gersprenz weiter durch Winterkasten – ein
ehemaliges Hubendorf, in dem die Häuser vorwiegend auf der rechten Seite der
Straße standen –, Gumpen und Reichelsheim, durch Fränkisch-Crumbach,
Brensbach, Groß-Bieberau und Dieburg bis nach Münster, Babenhausen,
Harreshausen und schließlich in den Main bei Stockstadt. Auch die Entstehung
des Namens Gersprenz weiß Jäger zu erklären: Laut Wilhelm Mohrhardt aus
Babenhausen hieß der Fluss einst „Gaspense“. Das keltische „ense“ bedeutet
hierbei „fließendes Wasser“, während „gas“ vom altirischen Wort „cas“ für
„Bach“ abstammt.
Zahlreiche Kirchen zeigte
Jäger während seines Dia-Vortrags, die schönste darunter ist die Pfarrkirche
in Groß-Umstadt. Die Burgruine Rodenstein (die kurz nach dem Dreißigjährigen
Krieg zur Ruine verkam) wurde ebenso visuell besucht wie das Schloss
Lichtenberg, einst erbaut im Auftrag von Landgraf Georg von Hessen-Darmstadt
und vor 400 Jahren noch als „Pestschloss“ bezeichnet, da sich die Landgrafen
während der in Darmstadt herrschenden Pest mit ihren Familien in das Schloss
zurückzogen.
In Groß-Bieberau steht eine
Eisenbahnbrücke
Über Groß-Bieberau lernten
die Zuhörer, dass dort die einzige Eisenbahnbrücke steht, auf der das
„Odenwälder Lieschen“ die Gersprenz überquerte. Zwischen Groß-Bieberau und
Ueberau kam es auch zur Umleitung des Flusses, indem der alte Lauf
zugeschüttet und ein neuer gegraben wurde. Warum das so ist, konnten jedoch
weder Jäger noch die Zuhörer erklären, die den Referenten ansonsten mit
zahlreichen Ergänzungen zum Vortrag unterstützten. Vorbei an der Veste
Otzberg, die in 380 Meter Höhe auf einem Vulkankegel steht und deren Turm im
Volksmund „weiße Rübe“ genannt wird, ging die Reise weiter nach Groß-Umstadt,
das während der Römerzeit noch „Autmundisstat“ hieß. Zu Dieburg erklärte Jäger
seinem Publikum schließlich, dass die Rathausuhr von zwei Geißböcken geziert
wird, die zu jeder vollen Stunde die Köpfe zusammenstoßen. Auch das „Dieburger
Dreiecksrennen“, ein 33 Kilometer langes Motorradrennen, das von 1948 bis 1955
ausgetragen wurde, war zahlreichen Zuschauern noch ein Begriff.
Nach dem Wahrzeichen von
Babenhausen, dem „Hexenturm“, endete die visuelle Reise in Stockstadt, wo die
Gersprenz in den Main mündet, dessen Name keltischen Ursprungs „groß, mächtig“
bedeutet.
Odenwälder Echo, 23.02.2011, S. 13
Mit modernen Mitteln zu Altertümern
Odenwaldlimes - Ausstellung in Reichelsheim zeigt auch auf, wie die
Technik der Forschung zu neuem Schub verhilft
Augenmerk auf den
Odenwaldlimes
richtet eine Sonderausstellung im historischen Rathaussaal von Reichelsheim.
Für öffentliche Aufmerksamkeit sorgen dabei nicht nur die Exponate und
Erläuterungstafeln, sondern auch die hochwertigen Elemente der Eröffnung wie
hier der Vortrag von Denkmalschützer Holger Göldner.
Foto: Franz Hoffmann
REICHELSHEIM. Alle Plätze
waren besetzt im historischen Rathaussaal. Bestätigung erfuhren so das Thema,
dem die Zusammenkunft galt, und seine Aufbereiter: Reichelsheim kann in diesen
Tagen mit der Wanderausstellung „Unesco-Welterbe Limes - Römisches Erbe in
Hessen“ aufwarten, der Jochen Rietdorf und Andreas Uhrig zudem einen
Odenwälder Stempel aufgedrückt haben. In wochenlanger akribischer Arbeit
trugen sie Material von und über die Limes-Relikte im Kreisgebiet zusammen.
Bürgermeister Stefan Lopinsky
sparte denn auch nicht mit Lob für die Organisatoren. Die hatten mit Holger
Göldner vom Landesamt für Denkmalschutz Hessen und Bezirksarchäologe Südhessen
gleich den kompetenten Vortragenden für die Eröffnungsveranstaltung gewonnen.
Der Fachmann reflektierte kurz die Geschichte der Ausgrabungen am Limes im
Odenwald, die Graf Franz I. zu Erbach-Erbach um die Wende zwischen 18. und 19.
Jahrhundert eingeleitet hatte und die rund 90 Jahre später mit Untersuchungen
der damaligen Reichs-Limeskommission einen ersten Höhepunkt erreichten.
Heute stellt der
Odenwald-Limes - er entstand ungefähr 110 nach Christi und verläuft über eine
Länge von annähernd 80 Kilometer - mit seinen erhaltenen Denkmälern einen
herausragenden Teil des römischen Kulturerbes in Deutschland dar. Mit Hilfe
neuester technischer Möglichkeiten wie beispielsweise der Geomagnetik konnten
vor allem in der Odenwaldkreis-Gemeinde Lützelbach zuvor nur vermutete
Bauwerke sichtbar gemacht werden. Sogar Graben verläufe, Zaunfundamente oder
Palisadenwände blieben der neuen Messtechnik nicht verborgen.
Über das gesamte östliche
Kreisgebiet hinweg nachgewiesen sind große Numeruskastelle, die im zweiten
Jahrhundert die Landschaft im hessischen Odenwald bestimmten. Diese Anlagen,
etwa 70 auf 70 Meter groß, beherbergten jeweils zirka 150 römische Legionäre
und waren häufig von Zivilgebäuden wie Badeanlagen umsäumt.
Mit weiter verfeinerten
Messmethoden wurden inzwischen Details der Bauten sichtbar gemacht. Genaue
Rekonstruktionen der Räume waren möglich, sogar die Bäder konnten exakt
dargestellt werden. So ist um das „Lützelbacher Schlösschen“ deutlich der
Schutthügel des Bades außerhalb der Umwehrung zu erkennen, genauso wie das
dazugehörige Kastell, das auf einer Wiese liegt. Auch im „Lützelbacher
Bannholz“ präsentieren sich deutlich die beiden Turmstellen mit ihren
Kreisgräben und einem Steinturm. Eingefasst von einem Holzzaun, sind auch noch
die Postenwege und die Palisadenführung auszumachen.
Weitere eindrucksvolle
Relikte aus der damaligen Hochzeit der römischen Besatzung konnten per Laser
dokumentiert werden, wie die Turmstelle „Im Sack“, wo neben den beiden
Hauptbauten die unmittelbar davor liegende Landwehr mit zwei Gräben und
dazwischen liegendem Wall deutlich zu erkennen sind.
Der Referent hielt zum
Schluss seines unterhaltsamen und fachlich fundierten Vortrags fest, „dass mit
dem Laserscanning der Archäologie neue Möglichkeiten gegeben wurden“, bislang
verborgenen Denkmäler zu entdecken und so auch zu schützen. In Anbetracht
dessen erwartet der Archäologe nun „wieder einen großen Zuwachs an Denkmälern“
nach dem Beispiel der Messungen der vergangenen Jahre. Mit ihnen erzielten die
Wissenschaftler an fünf Turmstellen und zwei Kastellen im Odenwald
hervorragende Erfolge, die sie nun bestärken, „diesen Weg auch in den nächsten
Jahren weiterzugehen“.
Besuchszeiten:
Die Limes-Ausstellung im historischen Rathaussaal von
Reichelsheim mit ihren vielen erklärenden Schautafeln und sehenswerten
Exponaten ist bis einschließlich 1. Mai immer sonntags von 15 bis 17 Uhr sowie
nach Vereinbarung geöffnet. Anfragen hierfür nimmt die Gemeindeverwaltung
entgegen, Telefon 06164 5080.
Franz Hoffmann
Odenwälder Echo, 23.02.2011, S. 13
Alte Gehöfte verbergen spannende Geschichten
Familien- und Heimatforschung - Erika Hörr referiert über
Reichelsheimer Ortsteil Eberbach
REICHELSHEIM. In seiner
Vortragsreihe „Leben und Arbeiten in der Region Reichelsheim einst und jetzt“
hatte das Reichelsheimer Regionalmuseum die passionierte Familien- und
Heimatforscherin Erika Hörr aus Hassenroth eingeladen. Das Thema „Gehöfte im
Reichelsheimer Ortsteil Eberbach“ fand so viel Interesse, dass im Saal des
alten Rathauses zusätzliche Stühle aufgestellt werden mussten. Rund hundert
Besucher folgten dem Vortrag, zu dessen Erläuterung Fotos gezeigt wurden, die
bis zu 130 Jahre alt waren.
Erika Hörr erklärte, wie es
von den ehemals vier Gütern im 14. und 15. Jahrhundert zu den heutigen elf
Bauernhöfen gekommen ist: Gründe dafür sind die Güterteilung sowie
Erbschaften. Auch wurde deutlich, wie die Höfe ihre Hausnamen erhielten, die
heute nur noch die Älteren in Reichelsheim und Umgebung kennen: Reedersch,
Peiferschs, Vollraths, Reimunds, Dingeldeins, Krichbaums, Nick lasse,
Kaffebejersch, Schneirrersch, Kreisrats und Kobs. Dabei wurde deutlich, dass
in fünf Jahrhunderten und teils darüber hinaus mehr als zwanzig Generationen
auf den jeweiligen Bauernhöfen gelebt haben. Auch die heutigen Besitzer wurden
genannt.
Erika Hörr stellte bei ihrem
Vortrag im alten Rathaus auf Einladung des Arbeitskreises Regionalmuseum auch
das Ergebnis ihrer jahrelangen Forschung vor. Horst Wendel begrüßte für die
Mitglieder des Arbeitskreises die zahlreichen Zuhörer und sprach die
Schlussworte, in denen er Erika Hörr für die überaus interessanten
Ausführungen dankte. Reicher Beifall honorierte den Vortrag.
Die Referentin machte
deutlich, dass ihre Ausarbeitungen nur einen Teil des vorliegenden
Forschungsmaterials umfassen. Sie plant, ein Buch zum Thema herauszugeben.
Darin könnten auch die Hausnamen der Kerngemeinde Reichelsheim und die des
Reichelsheimer Ortsteils Frohnhofen einfließen.
Regionalgeschichte: In Reichelsheim geht es um
Lebkuchenbäcker und Gäulchesmacher
REICHELSHEIM. Der
Arbeitskreis Reichelsheimer Regionalmuseum lädt seine Mitglieder zur nächsten
Zusammenkunft am Dienstag (1.) um 19 Uhr ins Museum ein. Interessenten sind
willkommen. Helmut Gräber und Harald Boos (beide Beerfurth) informieren über
die Lebkuchenbäcker und über die Odenwälder Gäulchesmacher, sowie über
Exponate zu diesen alten Berufen. Anschließend wird das Treffen in der
Gaststätte Johannsstuben im „Schwanen“ fortgesetzt. Dort gibt Gerhard Schäfer
einen Bericht aus alten Zeiten, und es werden der Museumsaufsichtsplan für
2011 besprochen sowie der Tag des offenen Denkmals am 10. September
vorbereitet.
Frank Steckenreuter wird über die Vorbereitungen für die
Ferienspiele berichten, und Wolfgang Kalberlah erläutert den aktualisierten
Museumsleitfaden. Wilfried Biedenkapp stellt vier Vorschläge für den
diesjährigen Ausflug des Arbeitskreises vor.
In der Februarsitzung hatten Rene Winterstein und Domenic
Kunze Bilder von der Fahrradexkursion anlässlich des Tages des offenen
Denkmals 2010 entlang der Strecke der ehemaligen Reinheim-Reichelsheimer
Eisenbahn(„Odenwälder Lieschen“) gezeigt. Vorsitzender Horst Wendel berichtete
über die Grabmale in der Michaelskirche der Reichenberger Linie der Erbacher
Grafen und zitierte aus dem Grabungsbericht von 1961. Dies teilte der
Arbeitskreis mit.
Odenwälder Echo, 07.01.2011, S. 11
Wo Geschichte zum Leben erweckt wird
Jahresprogramm -
Arbeitskreis Regionalmuseum Reichelsheim bietet erstmals eine Vortragsreihe im
historischen Rathaissaal - Ausstellungen und Exkursionen
REICHELSHEIM. Der
Arbeitskreis Regionalmuseum Reichelsheim Odenwald hat eine breite Palette von
Veranstaltungen für 2011 zusammengestellt. Unter dem Thema „Leben und arbeiten
in der Region Reichelsheim - einst und jetzt“ wird erstmals eine Vortragsreihe
ins Leben gerufen. An jedem zweiten Donnerstag im Februar, Mai, August und
November um 19.30 Uhr ist der historische Rathaussaal des Museums Schauplatz
geschichtlicher und aktueller Berichte rund um das Gersprenztal.
Ein Schmuckstück
ist das Reichelsheimer
Regionalmuseum,
dessen Verantwortliche auch in
diesem Jahr wieder ein interessantes Programm anbieten.
Am 10. Februar referiert
Erika Hörr (Hassenroth) unter der Überschrift „Gehöfte in Eberbach“ über die
Geschichte Eberbachs bei Reichelsheim und seiner Bauernhöfe. „Die Gersprenz“
nennt Rektor a. D. Erich Jäger aus Schlüchtern am 12. Mai seinen Vortrag. Von
der Quelle auf der Neunkirchener Höhe bis zur Mündung in den Main bei
Stockstadt zeigt er interessante Orte, Bauwerke sowie Bilder der Landschaft
entlang der Gersprenz. Über „Mühlen im Gersprenztal“ spricht Heinz Reitz, der
Mühlenfachmann aus Reinheim, am 11. August. Zum Abschluss der Reihe nimmt am
10. November Jochen Rietdorf unter dem Motto „Bergbau im Odenwald am Beispiel
der beiden Geoparkpfade in Reichelsheim“ die Zuhörerschaft mit auf eine
Zeitreise und erläutert Besonderheiten der beiden Reichelsheimer Geoparkpfade.
Im Rathaussaal des Museums
ist vom 15. Februar bis 1. Mai die Wanderausstellung „Unesco-Welterbe Limes -
Römisches Erbe in Hessen“ des Landesamts für Denkmalpflege zu sehen, sonntags
15 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung (Telefon 06164 50826) von Schulklassen
und sonstigen Gruppen. Am Sonntag, 20. Februar, eröffnet Ronald Sattler die
Ausstellung um 15.30 Uhr mit einem Vortrag.
Gleich zweimal steht das
„Odenwälder Lieschen“, die Nebenbahn von Reinheim nach Reichelsheim, im
Mittelpunkt: Am 29. Juni erkunden Kinder bei den Ferienspielen der Gemeinde
mit dem eigenen Fahrrad unter Betreuung die ehemalige Trasse der
Reinheim-Reichelsheimer Eisenbahn. Am Wochenende des 10. und 11. September
können unter dem Motto „Wagen, Lokomotiven und Bahnpost im Gersprenztal“
Eisenbahnfreunde, Bastler und Interessenten ihre im Bau befindlichen Modelle
der ehemaligen Reinheim-Reichelsheimer Eisenbahn unter Anleitung
vervollständigen.
Die Arbeitsergebnisse werden
zusammen mit Modellbahnen anschließend der Öffentlichkeit präsentiert.
Vorträge über die Lokomotiven auf der Strecke und die Bahnpost zwischen
Reinheim und Reichelsheim sowie deren Entstehung runden die beiden Tage ab.
Unter dem Titel „Reichelsheim
früher und heute“ stellt das Museum historische Aufnahmen zum Reichelsheimer
Michelsmarkt vom 27. bis 29. August in der Reichenberghalle aus. Schwerpunkt:
Inhaber und Geschäftsführer der Reichelsheimer Geschäfte und Firmen.
Unter fachkundiger Führung
begeben sich die Teilnehmer von Erlebniswanderungen auf die Spurensuche im
Bereich der ehemaligen Bergwerke zwischen Ober-Kainsbach, Bockenrod, Rohrbach
und Ober-Ostern sowie auf den Bergbaulehrpfaden. Wanderungen ab fünf Personen
sind nach Anfrage möglich (Tel. 06164 913194).
In der Kategorie Geologie für
Kinder, treffen sich die Teilnehmer jeweils samstags um 14 Uhr an der
Vereinshalle Ober-Ostern am 14. Mai, 18. Juni, 9. Juli, 13. August, 10.
September und 8. Oktober. Unter anderem erkunden die Kinder mit Fahrradhelm
und Stirnlampe unter fachmännischer Anleitung den Stollen eines ehemaligen
Bergwerks.
Mit der Aktion Goldwaschen,
die unter 06164 913194 gebucht werden kann, besteht die Chance, zwischen April
und September das edle Metall aus den Bächen des Odenwaldes zu holen.
Zum Abschluss zeigt zum Thema
„Holz- und Wolleverarbeitung zum Mitmachen“ während des Reichelsheimer
Weihnachtsmarkts der Spinnkreis Bockenrod am 26. und 27. November die
Verarbeitung von der Rohwolle bis zum fertigen Kleidungsstück. Beim Schindler
ist die Schindelherstellung zu beobachten, sind Schindel zu bemalen und beim
Gäulchesmacher eigene Holzpferde zu basteln.
Außerdem berichten an jedem
ersten Dienstag im Monat die Arbeitskreismitglieder um 19.30 Uhr im Restaurant
Treusch über Ereignisse aus Reichelsheim und dem Odenwald „Heute vor 100
Jahren“.
Einzelheiten zum Jahresprogramm des
Reichelsheimer Regionalmuseums finden sich auch im Internet auf
www.museum-reichelsheim.eu.
Odenwälder Echo, 23.12.2010, S. 9
Museumsreife einmal anders
Abschied aus dem Amt -
Wolfgang Schwinn steht für die Kompetenz, die Reichelsheims
Regionalausstellung formte
REICHELSHEIM.
Stolze 35 Jahre war Wolfgang Schwinn Vorsitzender des Arbeitskreises
Reichelsheimer Regionalmuseum - und damit zugleich der Leiter des Museums
selbst. Der Odenwälder führt die Trägerorganisation damit fast so lange, wie
sie besteht. Denn die Gruppe hat 1965 als »Arbeitskreis Alt-Reichelsheim« ihre
Arbeit aufgenommen, deren Federführung schon knapp ein Jahr später an Schwinn
ging. Nun gibt der Kenner sein Amt ab, was Gemeinde und Gerprenztaler
Regionalforschung dieser Tage publik gemacht und zum Anlass für eine Laudatio
auf den engagierten Bürger genommen haben.
Aus
der Schule in die Schule:
Der
ehemalige Rektor
Wolfgang
Schwinn kümmert sich weiter um das Schulmuseum in Reichelsheim.
35 Jahre
lang stand er auch den anderen Abteilungen der Regionalausstellung vor; diese
Funktion gibt er nun ab.
Dieser
Würdigung zufolge funktionierte Schwinn seit seinem Aufrücken in die
Vorsitzenden-Position als Motor der Erforschung und Dokumentation
Gersprenztaler Heimatgeschichte. Unter der Leitung des Lehrers wurde zunächst
in den unteren Räumen des alten Rathauses in vielen freiwilligen
Arbeitsstunden das Reichelsheimer Museum eingerichtet, womit er Reichelsheim
gleichsam zur Museumsreife brachte. Am 21. August 1976 konnten die Sammlungen
durch den damaligen Bürgermeister
Helmut Born
eröffnet werden.
Neuausrichtung während des Umbaus
Wegen Umbau-
und Sanierungsarbeiten an dem 450 Jahre alten Gebäude ruhte von 1996 bis 1999
der Museumsbetrieb. Nach der Wiedereröffnung wurde das Museum um die Räume im
Obergeschoss und im Dachgeschoss erweitert. Der Arbeitskreis und die Gemeinde
Reichelsheim nutzten die Phase des Umbaus und der Renovierung für umfangreiche
Planungen zur Neuausrichtung des Museums. Alte Möbel und bäuerliche
Gerätschaften erhielt daher das Freilandmuseum Keilvelter-Hof. Die
Reichelsheimer Gruppe besann sich stattdessen auf die in der Reichelsheimer
Region wichtigen Themen Bergbau, regionales Handwerk sowie die
Reinheim-Reichelsheimer Eisenbahn und richtete aus den Beständen ehemaliger
Dorfschulen ein Odenwälder Schulmuseum ein. So konnte am 12. September 1999
vom folgenden Bürgermeister Gerd Lode ein neues Regionalmuseum seiner
Bestimmung übergeben werden.
Im Jahr 2007
erhielt die Bergbauabteilung ein neues, zeitgemäßes Gesicht. Der Arbeitskreis
baute Exponate zum Anfassen auf, zeigte den Weg vom Rohstoff zum Werkstoff und
stellte im Dachgeschoss einen historischen Bergwerksstollen aus dem 16.
Jahrhundert aus der Gemarkung Erzbach nach - alles nach den Erkenntnissen
modernster Museumspädagogik.
Bilderausstellung eine der
Erungenschaften
Aber auch um
die jährliche Bilderausstellung am Reichelsheimer Michelsmarkt kümmert sich
der Arbeitskreis. Gezeigt werden dort alte Bilder und Fotos aus der Zeit ab
1870 bis heute. Die Sammlung, die mittlerweile über dreitausend Exemplare
umfasst, wurde ursprünglich von
Wolfgang
Kalberlah und Wolfgang Ihrig betreut und wird seit einigen Jahren von Horst
Wendel verwaltet. Sie ist jedes Jahr nach Themen geordnet und für einheimische
und auswärtige Besucher des Michelsmarktes einer seiner Hauptanziehungspunkte.
Für all das haben die Mitglieder des Arbeitskreises ungezählte ehrenamtliche
Arbeitsstunden investiert.
Aufgezeigt
wurde all das in einer Versammlung, die von der Gemeinde und den rund 40
Mitgliedern des Arbeitskreises als Ehrung Schwinns für seinen langjährigen
Einsatz ausgelegt war. Den persönlichen Einsatz des Museumsmachers hoben dabei
Bürgermeister Stefan Lopinsky, Wolfgang Kalberlah und Jochen Rietdorf hervor.
Schwinn selbst
erklärte, er werde weiterhin für die Aufstellung des Aufsichtsplans und für
Führungen zur Verfügung stehen. Der ehemalige Lehrer und Rektor bleibt zudem
für die Abteilung Schulmuseum und damit ein Herzstück des Hauses selbst
verantwortlich. Die Leitung des Arbeitskreises übernehmen 2011 einige seiner
Mitglieder im Wechsel. Dies gilt so lange, bis ein neuer Vorsitzender gewählt
ist.
Odenwald extra,
03.11.2010, S. 3
Zahlreiche
Aktivitäten des historischen Arbeitskreises Regionalmuseum
REICHELSHEIM. Der
Arbeitskreis des Regionalmuseums Reichelsheim, dem rund vierzig Bürgerinnen
und Bürger angehören, befasst sich mit mehreren interessanten Themen. Neu in
das Programm aufgenommen wurden Berichte in den monatlichen Zusammenkünften
mit dem Titel: „Vor 100 Jahren”, die Arbeitskreismitglied Gerhard Schäfer
recherchierte.
So erfuhren die Teilnehmer
der beiden letzten Treffen die Termine der Vieh- und Krammärkte vor 100 Jahren
in Beerfelden, Fürth, Rothenberg und Reicheisheim. Im Oktober 1910 fanden zwei
Märkte in Reichelsheim statt. Außerdem wurde über eine Obstausstellung im
Gasthaus „Zum Engel" in Reichelsheim am 5. Oktober 1910 berichtet, ferner ein
Zeitungsbericht der Odenwälder Zeitung über die „rasenden Autofahrer”
verlesen, über Einzelheiten der Reichelsheimer Gemeinderatswahl am 18. Oktober
1910, über den Brand der Gaststätte an der Ruine Rodenstein und über einen
Einbruch beim Gemeinderechner von Ober-Kainsbach berichtet. Die Teilnehmer
erfuhren auch, dass im Oktober 1910 nahezu 500 Personen aus Mannheim und
Ludwigshafen zu einem Ausflug in die Reichelsheimer Gegend kamen.
Horst Wendel und Andreas
Uhrig hielten Kurzvorträge zum 120-jährigen Jubiläum der Einweihung
der Reichelsheimer Christuskirche 1890, dem Gotteshaus der Selbständig
Evangelisch-Lutherischen Gemeinde, und zum Thema: „Die Gersprenz und ihre
Nebenbäche”, von der Quelle bis zur Mündung in den Main bei Stockstadt. Das
Bildarchiv des Reichelsheimer Regionalmuseums umfasst rund 3000 historische
und aktuelle Fotografien aus der Zeit von 1870 bis heute. Horst Wendel
berichtete über die neuste technische Ausstattung. Nun können die anstehenden
Arbeiten zügig erledigt werden. Manfred Brust hat die neue Technik
installiert. Die Umgestaltung der Abteilung Eisenbahngeschichte, so Wolfgang
Kalberlah, ist abgeschlossen. Neben den Exponaten der ehemaligen
Reinheim-Reichelsheimer Eisenbahn wurde eine Ausstellung zur Geschichte der
Bahnpost in Deutschland, Europa und einigen außereuropäischen Ländern
gestaltet. Wir berichteten über die Erweiterung der Reichelsheimer Ausstellung
zur Bahngeschichte. Herbert Lorenz und Manfred Brust übernehmen die notwendige
Installation einer neuen Beleuchtung. Der Odenwälder Bergbauexperte Werner
Götzinger, Verantwortlicher der Abteilung Altbergbau um Reichelsheim, gab
einen ausführlichen Bericht über Führungen und Veranstaltungen für Kinder und
Erwachsene in diesem Jahr.
Wolfgang Schwinn,
Vorsitzender des Arbeitskreises Regionalmuseum, konnte erfreut
feststellen, dass besonders die Abteilung Schulmuseum von vielen Klassen und
auswärtigen Gruppen besucht wurde. Andreas Uhrig hat zahlreiche
Organisationsaufgaben übernommen. Er teilte mit, dass der Arbeitskreis 2011
sich mit Vortragsveranstaltungen und einer Sonderausstellung einer breiteren
Öffentlichkeit öffnen wird. Vom 14. Februar bis zum 30. April soll die
Limes-Wanderausstellung im Reichelsheimer Museum zu sehen sein.
Bei den Ferienspielen 2011
ist geplant, eine Ortsrallye für Kinder (Verantwortliche sind Birgit Kalberlah
und Andreas Uhrig) und eine Fahrradtour auf den Spuren des Odenwälder Lieschen
anzubieten (Verantwortlicher ist Frank Steckenreuter). Mit den Vorträgen von
Erika Hörr „Gehöfte in Eberbach bei Reichelsheim" am 10.Februar, „Die
Gersprenz“ (Referent H. Jäger) am 12.Mai, „Mühlen im Gersprenztal" (Referent
H. Reitz) am 11. August und „Der Bergbau im Odenwald am Beispiel der
Reichelsheimer Geopfade" (Referent Jochen Rietdorf) am 10. November, hofft man
auf einen größeren Interessentenkreis.
Odenwälder Echo, 14.09.2010, S. 14
Wie einst
die Mobilität ins Gersprenztal kam
Bahngeschichte: Entsprechend dem Motto des Tags des offenen Denkmals
folgen Radler dem Odenwälder Lieschen
REICHELSHEIM. »Noch jemand ohne
Fahrschein?« Das fragte Simone Steckenreuther und überreichte am Sonntagmorgen
allen vor dem Reichelsheimer Regionalmuseum einen knallroten, liebevoll
gedruckten und in ein Lederetui versenkten Fahrausweis mit dem Vermerk »Nur
gültig am 12. September 2010«. Damit hatten diese die Berechtigung geschenkt
bekommen, zum Tag des offenen Denkmals an einer Exkursion auf den Spuren des
Odenwälder Lieschens teilzunehmen, jener legendären Kleinbahn, die fast 80
Jahre lang die 18 Kilometer zwischen Reichelsheim und Reinheim bediente.

Eisenbahnfans auf Drahteseln:
Wolfgang Kalberlah (Mitte, mit Unterlagen in der Hand)
erläutert die Besonderheiten des früheren Bahnhofs von Brensbach.
Mobilität stand beim Tag des offenen Denkmals diesmal thematisch im
Mittelpunkt.
Foto: Kirsten Sundermann
Doch weil das Bimmelbähnchen in den
sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts rückgebaut worden war, musste
der Ausflug nun per Fahrrad stattfinden. Rund 40 Personen, darunter mehrere
Kinder, nahmen die Einladung der Eisenbahnfans an und fuhren, begleitet von
den Fachleuten vom Museum, gemeinsam die Strecke ab. An markanten Stellen gab
es immer wieder Stopps und Gelegenheit, Informationen zu erhalten oder
auszutauschen. Die Abteilung Reinheim-Reichelsheimer Eisenbahn hatte bereits
2004 und 2005 zu derartigen Ausflügen eingeladen, doch in diesem Jahr fand die
Tour erstmals zum Tag des Offenen Denkmals statt. Das Motto »Kultur in
Bewegung - Reisen, Handel und Verkehr« passe eben perfekt zum Lieschen, meinte
Abteilungsleiter Wolfgang Kalberlah.
In der Tat hätte die Entwicklung im
Gersprenztal einen anderen Verlauf genommen, wenn es das Bimmelbähnchen nicht
gegeben hätte. Manch ein Familienvater hätte sonst einen entfernter liegenden
Arbeitsplatz nicht annehmen und manch ein Schüler das Gymnasium in
Groß-Bieberau nicht besuchen können. Ganz zu schweigen von dem schnellen und
bequemen Transport von Holz, Eisenerz, Erdbeeren oder Lebkuchen.
Die Spurensuche begann zunächst im
Museum selbst, wo Kalberlah und seine Helfer über die ersten Pläne bis hin zum
Bau des Bähnchens berichteten. Diese erste Phase dauerte zwar rund 20 Jahre,
aber danach ging es Schlag auf Schlag - bereits sechs Monate nach Baubeginn im
Frühjahr 1887 konnte das Lieschen auf eigene Gleise gestellt werden und
loszuckeln. Möglich geworden war dies, weil relativ einfach und billig gebaut
wurde, und das an siebzehn verschiedenen Stellen zugleich. Die Gleise
verliefen meist direkt auf der Straße selbst oder parallel neben ihr und
führten in den Ortschaften oft gefährlich nah an den Häusern vorbei.
Nach der »planmäßigen Abfahrt« der
Radlergruppe folgte ein erster Stopp bereits dreizehn Minuten später an der
Stelle, wo Reichelsheim früher einen stattlichen Bahnhof samt Werkstätten,
Wasserturm und Lokschuppen besaß. Kalberlah erinnerte daran mittels vieler
Fotos und Anekdoten. Weiter ging's zur Haltestelle Bockenrod, wo Werner
Götzinger über die Bedeutung berichtete, die das Lieschen einst im Hinblick
auf den Weitertransport der von der Geiswiese abgeseilten Wagen voller
Manganerz-Brocken hatte.
Am Bahnhof Beerfurth erklärte Peter
Thomin, wie eng und gefährlich die Streckenführung mitten auf der Straße
seinerzeit war. Während Gerd Schwinn kurz vor Ober-Gersprenz berichtete, wie
er als Schüler durch schieren Zufall und nur, weil er an diesem 14. Juni 1950
einmal nicht seinen sonst üblichen Stammplatz im Zug eingenommen hatte, bei
einem schweren Zusammenstoß des Lieschens mit einem Triebwagen unverletzt
blieb.
Nach einer Mittagspause im Biohof
Kaffenberger ging's weiter: Friedrich Eckstein erwartete die Gruppe am alten
Bahnhof in Nieder-Kainsbach, zu dem auch die Fränkisch-Crumbacher kommen
mussten, da sie damals nicht bereit gewesen waren, 300 Goldmark für eine
eigene Anbindung zu bezahlen. Weitere Erklärungen zur Streckenführung, zu
Brücken und Bahnmeisterei gab es am Alten Bahnhof von Brensbach sowie am
Bahnhof von Groß-Bieberau. Am Ortseingang von Reinheim ging Kalberlah auf den
Tunnelbau ein, während der Reinheimer Bahnhof und das Museumsstellwerk von dem
Vorsitzenden des dortigen Vereins erklärt wurden.
Odenwälder Echo,
09.09.2010, S. 17
Mit dem Fahrrad auf den
Spuren der Kleinbahn
Odenwälder Lieschen: Regionalmuseum lädt zu lehrreicher
Fahrt auf der Trasse ein
REICHELSHEIM. Die Ära des
Odenwälder Lieschens rückt dank des Regionalmuseums und privaten Engagements
immer wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Zum Tag des Denkmals 2010
am Sonntag (12.) bekommt diese Erinnerung an die 1964 zurückgebaute Kleinbahn
von Reinheim nach Reichelsheim dank des Leitmotivs »Kultur in Bewegung -
Reisen, Handel und Verkehr« zusätzliches Gewicht. Gepflegt wird sie mit einer
Erkundung der 18 Kilometer langen Strecke mit dem Rad, beginnend mit einem
Überblick über Funktion und Verlauf ab 10.30 Uhr im Reichelsheimer Museum,
Rathausplatz 7.
Fachkundige Erläuterungen an allen wichtigen Stellen der ehemaligen Trasse
machen die Tour aus. Gegen 13 Uhr besteht auf dem Hof Kaffenberger in
Unter-Gersprenz Gelegenheit zum Mittagessen; zudem werden historische
Aufnahmen gezeigt. Der Abschluss findet bei Kaffee und Kuchen im
Museumsstellwerk am Bahnhof Reinheim statt. Die Rückfahrt ist gegen 18.12 Uhr
mit dem Linienbus geplant. Für den Rücktransport der Räder ist gesorgt,
verspricht der Veranstalter.
Für die Teilnahme ist eine Anmeldung erforderlich. Erfolgen kann sie per Anruf
bei
Frank
Steckenreuter (Telefon 06164
55527), Wolfgang Kalberlah (06164 913793) oder per E-Mail an: denkmalschutz@akrro.de.
Eine Gebühr von 7 Euro dient der Rückfahrt im Linienbus und dem
Fahrradrücktransport.
Odenwälder Echo,
07.09.2010, S. 12 und entsprechned im Anzeigenblatt Gersprenztal, 09.09.2010
Schau: Über 800 Exponate verdeutlichen im Regionalmuseum
die Geschichte der Bahnpost
REICHELSHEIM. Das
Regionalmuseum Reichelsheim Odenwald hat einen neuen Anziehungspunkt für das
obere Gersprenztal geschaffen: Mit über 800 nationalen und internationalen
Exponaten einer Modellbahnsammlung zur Geschichte der Bahnpost ist erstmals
ein Überblick über den schienengebundenen Fahrzeugpark geschaffen worden, mit
dem zwischen 1848 und 1997 Briefe, Päckchen und Pakete befördert wurden.
Dank einer Dauerleihgabe
des Bahnpostexperten und früheren Leiters der Wagenstelle im Hauptbahnhof
Frankfurt und späteren Mitarbeiters des Posttechnischen Zentralamtes (PTZ) in
Darmstadt, Rudolf Werner (Bad König), ist diese Ausstellung möglich geworden.
Zu ihrer Einweihung begrüßte der Leiter der Eisenbahnabteilung des
Regionalmuseums Reichelsheim Odenwald, Wolfgang Kalberlah, die Gäste mit einem
Blick auf die Postbeförderung von seinen Anfängen bis heute.
Anschließend gab der
Leihgeber Rudolf Werner einen Überblick über seine Sammlung. »Die Ausstellung
gibt nicht nur die Geschichte des Bahnpostdienstes wieder, sondern zeigt auch
den Fortschritt der Herstellungstechniken von Modellbahnen«, sagte Werner. So
könne man die Entwicklung von Modellgenauigkeit und Maßstäblichkeit gut
verfolgen. Aus den Blechwagen mit bunter Bedruckung von vor 70, 80 Jahren
seien seit den 1990er Jahren realistische Modelle mit fast hundertprozentiger
Authentizität geworden. »Gelegentlich fertigten die Hersteller sogar
Bahnpostwagen, die es in dieser Art oder mit diesen Anstrichen und
Beschriftungen nie gab. Aber solche Fehlfarben oder Falsche Fuffziger bringen
etwas Würze in die Ausstellung«, so der Eigentümer.
Vor 33 Jahren begann
Werner mit der Sammlung der Bahnpostwagen-Modelle; zu der Zeit hatte er als
Beamter im Bahnpostdienst beruflich mit der »echten« Bahnpost und den
dazugehörigen Bahnpostwagen zu tun. Viele der deutschen Wagen-Typen sind ihm
aus eigener Erfahrung bekannt. So ist er 1950 noch in einem Zweiachser des
Baujahres 1898 auf der Strecke Frankfurt/Main - Weilburg/Lahn als
Bahnpostbegleiter gefahren. Zu seinen Modellen hat er daher eine besondere
Beziehung. Was vor 33 Jahren mit zwei, drei Exponaten begann, ist inzwischen
zu einem Wagenpark von über 800 Fahrzeugen angewachsen. Neben 450 Wagen und
Postlokomotiven deutscher Postverwaltungen enthält die Sammlung 124 Modelle
der US-Postverwaltung und 80 der französischen Post. Neben Modellen von
weiteren europäischen Postdiensten besitzt er chinesische und japanische
Wagen, sowie ein australisches Modell.
Öffnungszeiten
Die Schau ist zu den Öffnungszeiten des Museums, sonntags von 15 bis 17 Uhr,
oder nach Vereinbarung zu besichtigen.
Odenwälder Echo, 30.08.2010, S. 9
Die alte
Bahnpost wird neu beleuchtet
Ausstellung: Das
Regionalmuseum in Reichelsheim stellt mehr als achthundert Modelle zum Thema
aus
REICHELSHEIM.
Mehr als 800 Modelle von Bahnpostwagen, Postzügen und Postlokomotiven
deutscher und ausländischer Postverwaltungen sind in einer Dauerausstellung zu
sehen, die das Regionalmuseum Reichelsheim Odenwald am kommenden Sonntag (5.)
um 15.30 Uhr einweiht. Die Stücke stammen aus einer privaten Sammlung.
Begleitend geben textliche Erklärungen ausführliche fachliche
Hintergrundinformationen über den seit 31. Mai 1997 in Deutschland beendeten
Bahnpostdienst und seine Bahnpostwagen. Dabei werden die ehemals im Odenwald
verkehrenden Bahnposten in Einzelheiten besonders hervorgehoben.
Die in Deutschland am 1. April 1848 erstmals eingerichtete Bahnpost
entwickelte sich rasch zum Rückgrat der Postbeförderung und ist nach 149
Jahren Existenz 1997 in die Geschichte eingetreten, womit den Fahrzeugen der
früheren Bahnpost - den Bahnpostwagen - seit über 13 Jahren bereits
historischer Charakter zukommt.
Die Modelle dieser Postfahrzeuge verdienen es also, als überkommene Relikte
einer vergangenen Ära von einem Museum aufgenommen zu werden. Diese in
Deutschland einzigartige Sammlung soll durch ihre Dauerpräsentation in der
Eisenbahnabteilung des Reichelsheimer Museums dazu beitragen, dass die
hervorragende Bedeutung der einstigen Bahnpost in Deutschland und auch die der
vielen anderen ausländischen Postverwaltungen bei künftigen
Geschichtsbetrachtungen nicht unbeachtet bleibt oder gar in Vergessenheit
gerät.
Wenngleich die Bahnpostwagen in Bahnhöfen und Zügen seit jeher anzutreffen
waren,
blieben sie von der Öffentlichkeit unbeachtet. Und was in diesen Postwagen
geschah, war unbekannt und mit einer Art Aura des Geheimnisvollen umgeben. Zu
dem geringen öffentlichen Bekanntheitsgrad der ehemaligen Bahnpost haben alle
deutschen Postverwaltungen von Anfang an beigetragen, indem sie den
Bahnpostdienst nach außen hin nicht in den Blickpunkt des Postbetriebs
rückten, wohl aus Vorsorge gegen mögliche räuberische Aktionen und
dergleichen.
Mit
der Ausstellung der Bahnpostwagenmodelle im Regionalmuseum Reichelsheim
Odenwald werden die ehemalige deutsche Bahnpost und ihre Bahnpostwagen nunmehr
nachträglich in das ihnen gebührende Licht der Öffentlichkeit gestellt.
Öffnungszeiten
Die Ausstellung der Modelle von Bahnpostwagen, Postzügen und Postlokomotiven
im Regionalmuseum Reichelsheim Odenwald, Rathausplatz 7, kann nach der
Vernissage am Sonntag (5.) jeweils sonntags von 15 bis 17 Uhr besichtigt
werden.
SüdhessenWoche, 19.08.2010, Seite 14
Odenwälder Lieschen auf der Spur
Radexkursion am "Tag des offenen Denkmals"
REICHELSHEIM (SW). Nach der
guten Resonanz auf die Fahrradexkursionen in den Jahren 2004 und 2005 lädt das
Regionalmuseum Reichelsheim Odenwald auch 2010 wieder zu einer Tour „auf den
Spuren des Odenwälder Lieschens“ ein. Die diesjährige Veranstaltung findet im
Rahmen des bundesweiten „Tages des offenen Denkmals“ am 12. September statt.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erkunden den Verlauf der knapp 18 Kilometer
langen Eisenbahnstrecke von Reichelsheim nach Reinheim.
Die Veranstaltung beginnt um 10.30 Uhr im Museum von Reichelsheim am
Rathausplatz 7. Dort wird in der Eisenbahnabteilung zunächst ein Überblick
über Strecke und Funktion des „Odenwälder Lieschens“ gegeben bevor es durch
das Gersprenztal in Richtung Norden geht. An allen wichtigen Stellen der
ehemaligen Trasse ergänzen fachkundige Erläuterungen die Tour. Gegen 13 Uhr
besteht auf dem landwirtschaftlichen Hof der Familie Kaffenberger in
Unter-Gersprenz Gelegenheit, ein warmes Mittagessen zu erwerben und an Hand
von historischen Aufnahmen die Reinheim-Reichelsheimer Eisenbahn noch einmal
Revue passieren zu lassen.
Der Abschluss der Veranstaltung findet bei Kaffee und Kuchen im
Museumsstellwerk am Bahnhof Reinheim statt. Hier besteht auch die Möglichkeit
sich die alte Stellwerkstechnik durch die Mitglieder des Vereins
Museumsstellwerk Reinheim e.V. erläutern zu lassen.
Die Rückfahrt nach Reichelsheim ist gegen 18.12 Uhr mit dem Linienbus geplant.
Für den Rücktransport der Räder ist gesorgt. Eigene verkehrssichere Fahrräder
und evtl. weitere Verpflegung sind mitzubringen.
Die ebene Strecke ist für Jung und Alt geeignet. Anmeldungen sind erforderlich
bei
Frank Steckenreuter (Tel.
06164 55527) oder bei
Wolfgang Kalberlah (Tel. 06164 913793) oder per E-Mail
denkmalschutz@akrro.de
Ein Kostenbeitrag für Rückfahrt und
Fahrradrücktransport wird erhoben.
Odenwälder Echo, 14.07.2010, Seite 9
Idee: Alt-Reichelsheim im Kleinformat
Heimatgeschichte: Der Arbeitskreis
Regionalmuseum plant ein Projekt, bei dem über 400 Gebäude der Gemeinde
nachgebaut werden sollen
REICHELSHEIM. Rund die Hälfte
der über 40 ständigen Mitglieder des Arbeitskreises Regionalmuseum
Reichelsheim hat an der jüngsten Versammlung teilgenommen. Dabei zog
Vorsitzender Wolfgang Schwinn eine Bilanz der Halbjahresarbeit. Gleichzeitig
galt es, die Aktivitäten der zweiten Jahreshälfte und darüber hinaus zu
besprechen. Bürgermeister Stefan Lopinsky nutzte die Gelegenheit, die
interessante Museumsarbeit, die Tätigkeit der Abteilungen Bergbau, Handwerk,
Schul- und Eisenbahnmuseum sowie den Stand der Forschungen der Orts- und
Heimatgeschichte kennenzulernen, heißt es in der Pressemitteilung des
Vereinigung.
Aktuell gestaltete der Arbeitskreis als Beitrag zu den Reichelsheimer
Ferienspielen eine Orts- und Geschichtsrallye durch Reichelsheim, an der sich
fünf Gruppen von Kindern und Jugendlichen im Alter von zehn bis 14 Jahren
beteiligten. Die interessierten Teilnehmer konnten anhand von Bilderbogen und
Beschreibungen Wissenswertes über alte Gebäude, über bestehende und vergangene
Handwerke, alte Hausnamen, Schulunterricht früher, über die
Reinheim-Reichelsheimer Eisenbahn, über ortsgeschichtliche Ereignisse sowie
Ortsansichten früher und heute erfahren. Außerdem mussten sie sich mit dem
Sütterlinalphabet befassen, um ein Worträtsel in lateinischer und in
Sütterlinschrift zu entschlüsseln. Die Themen und die Vorbereitungen für diese
Ortsrallye hatten Birgit Kalberlah und Andreas Uhrig ausgearbeitet.
Während des Reichelsheimer Michelsmarkts vom 20. bis 23. August zeigen die
Museums- und Geschichtsfreunde in der Reichenberghalle wieder eine Ausstellung
von alten Bildern und Exponaten zur Geschichte von Reichelsheim und seinen
Ortsteilen. Rund 800 Fotos und Bilder aus 140 Jahren sind zu sehen. Gezeigt
werden auch aktuelle und frühere Ansichten aus dem Fundus der Gruppierung, der
über dreitausend alte Fotografien, Urkunden, Pläne und Bilder umfasst. Jedes
Jahr wird die Ausstellung von mehreren Tausend Personen besucht. Horst Wendel
hat dafür die Vorbereitungen und die Organisation übernommen. Zahlreiche
Mitglieder stellen sich für den Auf- und Abbau, als Aufsicht und
Ansprechpartner für die Besucher zur Verfügung.
Um den Vorsitzenden und die Abteilungsleiter zu entlasten, erarbeitete der
Arbeitskreis dreißig Aufgabenpunkte, die weitere Mitglieder übernahmen. Als
Projekt für die Zukunft haben sich die Mitglieder vorgenommen, die Gebäude der
Kerngemeinde um 1850 als Miniaturen anzufertigen mit dem Ziel, ein
Gesamtmodell von Reichelsheim zu bauen. Für diese Aufgabe sucht die
Vereinigung neue Mitglieder und Interessierte, die sich zutrauen, beim
Modellbau mitzuwirken. Sie wollen das Projekt noch in diesem Jahr planen und
besprechen. Für die Verwirklichung sind die Jahre 2011 bis 2013 vorgesehen, da
über vierhundert Modelle gebaut werden müssen.
Der Arbeitskreis trifft sich jeden ersten Dienstag im Monat um 19.30 Uhr in
den Johannsstuben, das nächste Mal am 3. August. Gäste sind willkommen.
Oftmals sind die Treffen mit Vorträgen verbunden.
e
Odenwälder Echo, 18.06.2010, Seite 11
Mit Akribie bei der
Sache: Werner Götzinger vom Reichelsheimer Regionalmuseum bearbeitet mit den
jüngeren Besuchern beim Hoffest in Unter-Ostern die Granateinschlüsse in
Odenwälder Gesteinsbrocken.
Foto: Wolfgang Koch
Odenwälder Echo, 14.06.2010, Seite 10
Helene Göttmann
setzt Reichelsheim unter Strom
Fortschritt:
Wolfgang Kalberlah berichtet, wie Pensionswirtin zur
Kraftwerksbetreiberin wurde
REICHELSHEIM. Beim
Arbeitskreis Regionalmuseum Reichelsheim referierte Wolfgang
Kalberlah über
die Geschichte der Elektrizität im Odenwald und speziell in Reichelsheim,
wo es 1875 eine Straßenbeleuchtung mit Petroleumlampen gab, die ein
Nachtwächter betreute. Seit 1897 betrieb Helene Göttmann, geborene Gieselstein,
am Gänsberg eine Pension und Heilanstalt für Lungenkranke sowie Blutarme, die
1900 modernisiert wurde. Die Wirtin wollte für die Beleuchtung ihrer
Heilstätte und für den Betrieb elektrischer Bäder ein eigenes Kraftwerk bauen.
Auch die
Gemeinde Reichelsheim plante ein Elektrizitätswerk. Besuche in bestehenden
E-Werken in Darmstadt, Dieburg, Heppenheim und Pfungstadt gingen den Planungen
der großherzoglichen Regierung und des Erbacher Kreisamtes voraus. Denn
Hausbesitzer und Gewerbe zeigten großes Interesse an der Elektrizität.
Helene Göttmann
setzte sich mit der Idee eines eigenen E-Werks durch, bot der Gemeinde und den
Mitbürgern die Versorgung an. Auch eine elektrische Straßenbeleuchtung wollte
sie aufbauen. Im Juli 1903 erzeugte in dem neuen E-Werk am Flutgraben eine
Kolbendampfmaschine den Strom. Kohle und Koks für die Befeuerung brachte die
Eisenbahn. An Holzmasten und an schmiedeeisernen Dachständern führten die
Stromleitungen vom Flutgraben zur Darmstädter Straße und durch die
Bismarckstraße. Weitere Leitungen erreichten den Gänsberg und den Westen
Reichelsheims.
Zunächst galt
es, 300 Glühlampen und mehrere Maschinen zu versorgen. Helene Göttmann
verpflichtete sich zur Abgabe elektrischer Energie an sämtliche Einwohner der
Gemeinde an allen erschlossenen Straßen sowie zur Beleuchtung der
Straßenlampen mit 110 Volt Gleichstrom. 1905 ersetzte sie die Dampfmaschine
des E-Werkes durch einen Saug-Gas-Motor als Antrieb für eine zweite
Dynamomaschine, 1907 kam ein zweiter Saug-Gas-Motor hinzu.
Der
Stromliefervertrag zwischen der Unternehmerin und der Gemeinde vom 5. März
1909 sah einen Tarif von 30 Pfennig für die Kilowattstunde vor, nach heutigen
Maßstäben und damaliger Kaufkraft ein stattlicher Preis. Private Nutzer
zahlten für den Lichtbetrieb 50 Pfennig, später 40 Pfennig und für den
Kraftbetrieb 25 Pfennig je Kilowattstunde.
Die Metzgerei
Nicklas war die erste, die ab 1921 ihre Kühlanlage mit Strom betrieb. Nach dem
Tod von
Helene Göttmann
im Jahr 1912 verkaufte ihr Sohn Karl
August das Elektrizitätswerk am 3. März 1913 einschließlich des
Konzessionsvertrages vom 22. September 1903, der für die Dauer von 50 Jahren
verlängert worden war, an die Heag in Darmstadt - die Hessische
Eisenbahngesellschaft AG nannte sich ab 1912 Hessische Eisenbahn- und
Elektrizitäts-Gesellschaft.
Nach Frohnhofen und Bockenrod kam der Strom 1919, nach Gumpen
und Klein-Gumpen, Beerfurth und Laudenau 1921. Ober-Ostern, Erzbach und
Unter-Ostern folgten 1922, Rohrbach und Gersprenz 1924, Eberbach und
Ober-Kainsbach 1925. Das E-Werk bestand mehrere Jahrzehnte, war dann
Bezirksstelle der Heag, bis 1967 an der Sudetenstraße eine neue Bezirksstelle
gebaut wurde.
Historische
Treffen
Der Arbeitskreis Regionalmuseum Reichelsheim
trifft sich an jedem ersten Dienstag im Monat um 19.30 Uhr im ,,Schwanen".
Odenwald Extra, 19. Mai 2010, Seite 5 und
in gekürzter Fassung im Odenwälder Echo, 21. Mai 2010, Seite 12
unter der Überschrift "Wie das Manganerz von der Höhe zur Bahn kam"
Forscher des Museums auf den Spuren der
Drahtseilbahn bei Bockenrod
REICHELSHEIM. Manganerz abzubauen ist die eine
Herausforderung, es an seinen Bestimmungsort zu transportieren die andere.
Nachdem Georg Steiger, ein Lattenschnitter aus Bockenrod, 1880 im Kohlwald
seines Heimatortes ein reichhaltiges Erzlager entdeckt hatte und die Firma de
Wendel aus Fohrbach in Lothringen ab 1883 den Abbau mit 200 Bergleuten in Tag-
und Nachtschichten betrieb, musste das metallhaltige Gestein in Richtung
Frankreich befördert werden. Zunächst war es von dem in knapp 400 Metern Höhe
liegenden Bergwerk in das Tal der Gersprenz zu bringen, um von dort seinem
Ziel zugeführt werden zu können.
Wie dies geschah ist historisch nicht
ausreichend belegt. Daher beschäftigt sich das Regionalmuseum Reichelsheim
Odenwald mit dieser Thematik. Dessen Mitglied und Leiter der Abteilung
Bergbau, Werner Götzinger, referierte aus diesem Anlass in der monatlichen,
öffentlichen Arbeitskreissitzung über die Drahtseilbahn, die einstmals das
Manganerzbergwerk auf der Geiswiese mit der Bahnstation Bockenrod der
Reinheim-Reichelsheimer Eisenbahn verband. Götzinger führte aus, dass der Bau
der Seilbahn 1885 durch die Firma Adolf Bleichert u. Co. aus Leipzig-Gohlis
begonnen und der Betrieb im April 1886 aufgenommen wurde. Die Bahn erstreckte
sich über eine Länge von 2200 Metern. Bei einem Höhenunterschied von 180
Metern besaß sie eine Leistungsfähigkeit von 25 Eisenbahnwaggons pro Tag.
Leider existiert über diese damalige Sehenswürdigkeit für den Odenwald nur ein
Foto; eine viel zu geringe Menge für weitere Forschungsarbeiten. Deshalb
führte der Referent eine aktuelle Panoramaaufnahme der Seilbahntrasse vor, auf
der er mit einer Arbeitsgruppe die in 50 Meter Abstand aufgestellten hölzernen
Ständer der Seilbahn fototechnisch einmontiert hat. Die Ständer waren
lediglich tief in das Erdreich getrieben worden; eine Fundamentierung fehlte
offensichtlich. Über die Ständer waren zwei Drahtseile gespannt, an denen die
kleinen Wagen mit ihren Rollen hingen. Werner Götzinger hatte zu seinem
Vortrag den Rest eines solchen Metallseiles mit Teer getränktem Hanfkern
mitgebracht, um dessen Funktion zu erläutern.
Die Konstruktion dieser Drahtseilbahn
ermöglichte es, die Distanz von der Berg- zur Talstation zu überwinden und
dabei ein dazwischen liegendes Tal zu überqueren. An manchen Stellen, so
wusste einer der Zuhörer aus der Erzählung seiner Großmutter zu berichten,
hing das Seil bei beladenen Wagen so tief, dass man mit einem vollgeladenen
Heuwagen nicht darunter hindurch fahren konnte. Die Wagen selbst waren mit
einer Schnur untereinander verbunden. Dadurch erreichten die Konstrukteure der
Firma Bleichert, dass die beladenen Wagen durch ihr eigenes Gewicht an dem
Trageseil ins Tal hinab glitten und nach der Entleerung in Bockenrod auf der
anderen Seite der Ständer wieder zum Bergwerk hinaufgezogen wurden. Auf diese
Weise sparte man einen Motorauftrieb ein.
Götzinger ging auch auf die Geschichte und rege
Firmentätigkeit der heute nicht mehr existierenden Erbauer Bleichert u. Co
ein, die von 1875 bis 1934 fast 4000 Seilbahnen in aller Welt geschaffen haben
und deren verbliebenes reichhaltiges Dokumentationsmaterial Grundlage des
Vortrages in Reichelsheim bildete. Dazu gehörten die Beschreibungen eines
Projektes zur Erschließung der nordargentinischen Kordilleren, aber auch die
gut dokumentierten Anlagen aus der Partnergemeinde im Mansfelder Revier, sowie
Bilder und Zeichnungen des Wald-Michelbacher Museums, denn die Bockenroder
Anlage wurde nach ihrem Rückbau im Jahre 1900 im dortigen Bergwerk eingesetzt.
Mit großem Interesse nahmen die Zuhörer zur
Kenntnis, dass zum Zeitpunkt der Fertigstellung der Seilbahn im Jahre 1886 die
Reinheim-Reichelsheimer Eisenbahn, die den Weitertransport des Manganerzes
übernehmen sollte, noch nicht einmal im Bau war. Die Betreiber des Bergwerkes
mussten noch 18 Monate auf deren Inbetriebnahme warten. Lohnfuhrleute, die so
genannten Hauderer, übernahmen in der Zwischenzeit den Transport zur
Bahnstation in Reinheim.
Da die Seilbahn sowohl die Staatsstraße als
auch später die Eisenbahnlinie überquerte, lief sie über eine Schutzbrücke, um
Fahrzeuge vor herab fallenden Gesteinsbrocken zu bewahren. Über diese
Konstruktion wusste einer der beim Vortrag anwesenden Gäste zu berichten. Er
legte weiterhin dar, wie die Verladung in die Eisenbahnwaggons vermutlich
erfolgt sein könnte und wies darauf hin, dass Bockenrod in der damaligen Zeit
ein viergleisiger größerer Bahnhof war. Anschließend bot sich für alle
Anwesenden reichlich Gelegenheit über die technische Bauleistung zwischen der
Geiswiese und Bockenrod insbesondere die Art und Weise der Verladung des
Manganerzes und die täglich abtransportierten Mengen zu diskutieren, um
Ansatzpunkte für die weitere Erforschung dieser Materialseilbahn zu gewinnen.

Auf der Geiswiese oberhalb
von Bockenrod wurde bis 1900 Manganerz abgebaut. Den Transport in das Tal
besorgte eine Drahtseilbahn, deren Bergstation im rechten Teil des Bildes zu
sehen ist. Ein Referat im Regionalmuseum Reichelsheim Odenwald beleuchtete die
Geschichte dieser Bahn.
Reproduktion: Wolfgang Kalberlah
Das Regionalmuseum Reichelsheim Odenwald setzt
seine Vortragsreihe an jedem ersten Dienstag im Monat gegen 20 Uhr in den
Johannsstuben des Restaurants Zum Schwanen fort. Im Juni steht das Thema
"Elektrizität in Reichelsheim" auf der Tagesordnung und im Juli ein Bericht
über "Denkmale in Reichelsheim".
e/wak
Odenwälder Echo, 10. Mai 2010, Seite 11
Heldenepos und Harfenklang: Knud Seckel bei seinem
Vortrag am Samstagabend in Reichelsheim.
Foto: Kirsten Sundermann
"Wunderbares
von Freuden und Klagen"
Nibelungenzug - Knud Seckel, Minnesänger
des Jahres, trägt in Reichelsheim Strophen des mittelalterlichen Epos vor
REICHELSHEIM.
,,Von freuden, hôchgezîten, von weinen und von klagen, von küener recken
strîten muget ir nû wunder hoeren sagen." So sangen die Troubadoure des
Mittelalters, und übersetzt heißt das: ,,Von Freuden, Festen, von Weinen und
von Klagen, von den Kämpfen kühner Helden, könnt ihr nun Wunderbares erzählen
hören." So sang am Samstagabend auch Minnesänger Knud Seckel (Alsbach) im
Festsaal des Alten Rathauses zu Reichelsheim, das mit seinem Fachwerk und dem
Original-Steinfußboden von 1554 so recht zu diesem Auftritt in
höfisch-historischem Gewand passte.
Zahlreiche
Besucher hörten dem studierten Fachmann für Musik und Mediävistik
(Mittelalter-Forschung) zu. Thema des Abends war das Nibelungenlied, dieses
mittelalterliche Epos, das in etwa 2400 Strophen und 39 âventiuren (Abenteuer)
untergliedert ist. Davon gab es an diesem Abend jedoch nur Auszüge. Seckel,
der im Oktober zum zweiten Mal den Sängerwettstreit auf der Burg Trifels
gewonnen hat und sich daher erneut ,,Minnesänger des Jahres" nennen darf, ließ
in seinem Vortrag die Brautwerbung Siegfrieds, den Wettkampf Gunthers gegen
Brunhild, die Doppelhochzeit, den Zwist der Königinnen, den Tod Siegfrieds
durch Hagen und die Versenkung des Nibelungenschatzes im Rhein lebendig
werden. Wobei er, aus Rücksicht auf die nicht durchgängig vorhandenen
Sprachkenntnisse seiner Zuhörer, seine Lieder mal in klangvollem
Mittelhochdeutsch, mal im besser verständlichen Hochdeutsch vortrug. Auch bei
den altertümlichen Instrumenten, mit denen Knud Seckel seinen Vortrag
begleitete, sorgte er für Abwechslung: Harfe, Langhalslaute, Drehleier,
Tamburin wechselten einander ab.
Veranstaltet wurde
das Spektakel, das für die Besucher kostenlos zu genießen war und als Beitrag
zur
,,Reichelsheimer
Nachtschwärmerei" galt, vom Regionalmuseum und dem örtlichen Gewerbeverein.
Aufnahme von Horst Wendel während der Veranstaltung:
Odenwälder Echo, 28. April 2010, Seite 14
Wie es
einmal war in Reichelsheim, als noch an jeder Ecke eine Wirtschaft ihr
Publikum fand, demonstrierten Lokalhistoriker des Regionalmuseums bei einem
Rundgang zum Jubiläum der Reichelsheimer Wählergemeinschaft (RWG). Besonders
groß war die Freude dort, wo sich alte Gasthäuser gehalten haben und weiter
erfolgreich geführt werden, wie das beim „Stern“ (Foto) und beim „Schwanen“
der Fall ist.
Foto: Kirsten Sundermann
Reminiszenz an Ära der Wirtschaftskraft
Lokalkolorit:
Kenner des Regionalmuseums stellen für Jubiläum der RWG die
örtliche Gaststätten-Geschichte vor
REICHELSHEIM. Zu einer
Sonderführung durch Alt-Reichelsheim hat Einwohnern und Gästen das Jubiläum
einer politischen Gruppierung verholfen. Denn weil die Reichelsheimer
Wählergemeinschaft (RWG) 50 Jahre alt wird, hat ihr das Regionalmuseum Reichelsheim als
besonders originelles Geburtstagsgeschenk einen historischen Rundgang
zugedacht. RWG hieß das Thema des Spazierwegs, den
Wolfgang
Schwinn, Wolfgang Kalberlah und Horst Wendel gestalteten. Nur stand diese Abkürzung dieses Mal für
,,Reichelsheimer Wirtschafts-Geschichten" und war um einen Untertitel ergänzt
,,Frisch eingeschenkt".
Mit dem RWG-Vorsitzenden
Walter Kriegbaum gingen
rund 60 Gäste dem Motto auf den Grund. Allesamt wollten sie mitlaufen, um sich
an alte Zeiten und alte Gastwirtschaften zu erinnern, von denen es früher -
bis in die siebziger und achtziger Jahre hinein - eine ganze Menge gab in
Reichelsheim.
,,Man ging damals des
Abends gern noch einmal in die Wirtschaft, um einen Schoppen zu trinken und
Neuigkeiten auszutauschen", erklärte Wolfgang Schwinn. Schließlich gab es
lange nur wenige Fernsehgeräte und noch gar keine Computer. Gegessen wurde
auswärts allerdings nur selten, weshalb die Gastwirte von ihren Einnahmen
nicht leben konnten, sondern den Ausschank in der Regel lediglich als
Nebenerwerb betrieben.
Von mehr als zwanzig
ehemaligen Wirtschaften wussten die Fachleute vom Regionalmuseum zu berichten.
Vielen der Mitwanderer waren zumindest einige von diesen noch bestens
vertraut, und die Kenner konnten die offiziellen Ausführungen durch selbst
erlebte Anekdoten bereichern. Das ging gleich beim ehemaligen Gasthaus ,,Zum
Adler", dem heutigen Haus der Vereine. Das wurde 1710 erstmals erwähnt, wusste
Schwinn, und erst im Jahr 2000 geschlossen.
Gleich gegenüber befand sich - neben dem heutigen Café Weimar
- das Café ,,Bückdich". So genannt, weil man durch den Keller laufen musste,
um in den Gastraum zu kommen, und die Türen dort wohl nicht allzu hoch
angelegt waren. Wieder ein paar Häuser weiter die Bismarckstraße hinauf,
begrüßte das Lokal ,,Zum Güldenen Löwen" seine Gäste. Das erscheint bereits
1692 in den Annalen und dem Gewerbs-Tagebuch und war bis 1923 in Betrieb.
Neben der Wirtschaft gab es dort auch eine Bäckerei und einen Tanzsaal.
Und so ging es weiter: An
fast jeder Ecke muss damals eine Wirtschaft gestanden haben. Eine ganze Serie
davon rund um Rathaus und Kirche, den wichtigsten Stätten sozialer
Zusammenkünfte. Mit dabei natürlich das Gasthaus ,,Zum Schwan", das bereits im
Jahre 1450 urkundlich erwähnt wird und damit rund hundert Jahre mehr an
Tradition aufweisen kann als das historische Fachwerk-Rathaus selbst.
Der Schwan konnte sich
übrigens, zusammen mit dem Gasthaus ,,Zum Stern" in der Laudenauer Straße, dem
allgemeinen Zusammenbruch der Wirtshauskultur entziehen. Beide Gaststätten
sind noch heute gern besuchte Lokale.
Wer die Führung verpasst
hat, versprach Schwinn, kann sich das Ganze in virtueller Form beim
Michelsmarkt anschauen. Dann wird dort eine entsprechende Diashow mit
Erklärungen laufen. Und wer der RWG zum Geburtstag gratulieren will, hat im
Lauf des Jahres ebenfalls noch Gelegenheit dazu. Im Juli will die
Wählergemeinschaft, zusammen mit der CDU, ein Sommerfest ausrichten, und im
September eine Vier-Tages-Fahrt nach Berlin unternehmen.
Ein großes Fest im
Dezember soll dann Höhepunkt und Abschluss der Jubiläumsveranstaltungen sein.
sun
Odenwälder Echo, 26. April 2010, Seite 9
Den
Luftkrieg im Odenwald arbeitete Regionalforscher Horst
Rapp nun
im Reichelsheimer Heimatmuseum fürs Gersprenztaler Publikum auf. Seine
Ausführungen stießen auf großes Interesse – und lohnten das Kommen.
Foto: Horst Kamke
Kriegs-Dramatik aus der Luft
Geschichtliche
Aufarbeitung: Horst
Rapp schildert Flugzeug-Abschüsse über der Region und
Schicksale der Besatzungsmitglieder
REICHELSHEIM.
Der Luftkampf spielte sich am hellen Tag ab und begann genau um 12.54 Uhr.
Innerhalb von drei Minuten war alles vorüber: Am 13. April 1944 schossen
Focke-Wolf- und Messerschmitt-Piloten der Jagdgeschwader 1 und 53 der
deutschen Luftwaffe sieben B-17-Bomber der 384. Bombergruppe der 1.
US-amerikanischen Luftdivision über dem Odenwald ab.
Minutiös ließ der Wersauer
Horst Rapp bei seinem Vortrag im Reichelsheimer Regionalmuseum vor mehr als
hundert Zuhörern die Geschehnisse von damals Revue passieren, schilderte
Taktik und Strategie der Kontrahenten, erläuterte die Flugzeugtechnik, bettete
diese Episode in einen kriegsgeschichtlichen Zusammenhang ein und machte den
damaligen Zeitgeist nachvollziehbar: ,,Jeder Soldat war davon überzeugt, auf
der richtigen Seite zu kämpfen." Die Fliegende Festung von Pilot Clarence
Stearns stürzte, nachdem einer ihrer vier Motoren und der Tank getroffen war,
am Klößbuckel bei Reichelsheim in den Wald. Josef Bezole aus seiner Besatzung
trug keinen Fallschirm und schlug nach freiem Fall tödlich auf dem Waldboden
auf. Sein Leichnam wurde auf dem Friedhof bei Unter-Ostern bestattet,
inzwischen exhumiert und in die USA überführt.
Der Kapitän selbst war
rechtzeitig mit dem Fallschirm abgesprungen. Am Boden angelangt, marschierte
er nach Fränkisch-Crumbach, versteckte dort seine viel zu großen Schuhe in
einem Misthaufen, machte sich barfuß auf in Richtung Frankreich, wurde aber
bereits in Fürth von Polizisten aufgegriffen. Aus dem Polizeigewahrsam musste
er in ein Mannheimer Gefängnis und wurde von dort aus in ein Gefangenenlager
an der Ostsee eingeliefert. Von der Fliegerei hat er indes nie abgelassen: Der
heute Neunzigjährige hat sich inzwischen einen Lebenstraum erfüllt und
eigenhändig ein Flugzeug gebaut.
Eine zweite angeschossene
B-17 ging laut Rapps Recherchen im Bereich Vielbrunn zu Boden. Die
Überlebenden wurden vom Landsturm festgenommen, der Reichelsheimer Polizei
übergeben (wobei dem Navigator die Nase blutig geschlagen wurde) und danach
vom Griesheimer Flugplatzkommando abgeholt. Maschine Nummer drei rauschte bei
Elmshausen in den Wald, Bomber vier war in der Luft explodiert. Die fünfte
B-17 war im Funkraum und Flügeltank getroffen und schlug am Steinernen Weg bei
Messbach auf. Der Absturz der sechsten Maschine am Salzplatz von Bad König
wurde vom Landschaftsmaler Georg Vetter in seinem Tagebuch festgehalten, wobei
der sich allerdings mehr Sorgen um das Überleben des seltenen Auerhahns als um
das der Bomberbesatzung machte.
Die siebte Maschine hatte
getroffen abgedreht und schaffte es mit nur zwei Motoren noch bis nach Metz.
Dort geriet sie unter Flakbeschuss, brachte aber noch eine Bruchlandung
zustande. Sechs unverletzte Besatzungsmitglieder tauchten unter. Ihnen gelang
es, wieder nach England zurückzukommen.
Weniger glücklich endete
am 18. März 1945 das Schicksal von Leutnant
Robert van
Horn.
Seine Mustang-Maschine hatte einen Triebwerksschaden und musste deshalb bei
Frohnhofen unweit von Reichelsheim notlanden. Mit Gewalt wurde der Pilot aus
seiner Maschine geholt und dabei ziemlich ruppig behandelt. Nach einer
Übernachtung im Reichelsheimer Gefängnis sollte er nach Lindenfels überstellt
werden. Bei seiner Übergabe wurde er im Wald bei Winterkasten erschossen.
Nur zehn Tage später rückten amerikanische Truppen in Ober-Ramstadt ein. Für
Horst Rapp war es nicht immer leicht, diese Geschehnisse zu dokumentieren.
Öffneten ihm die Amerikaner bereitwillig ihre Archive, zeigten sich deutsche
Stellen eher unergiebig, andere gar zugeknöpft. Besonders abweisend, so klagte
der Referent, seien diverse
Pfarrämter gewesen, ,,wo Sekretärinnen selbstherrlich über Einblicke in
Dokumente entscheiden".
Horst Kamke
Odenwälder Echo, 17. April 2010, Seite 12
Luftkämpfe über dem Odenwald
Reichelsheim. Mit einem Vortragsabend am Donnerstag (22.) erinnert das
Regionalmuseum Reichelsheim um 19.30 Uhr im historischen Rathaussaal am
Rathausplatz 7 an die Luftkämpfe des Zweiten Weltkriegs über dem Odenwald.
Einige der großen und kleinen Maschinen der Alliierten und Deutschen stürzten
dabei ab. Über ihre Schicksale und das ihrer Besatzungen, insbesondere nach
den Abstürzen des Bombers B-17 Fortress am Klößbuckel bei Reichelsheim und des
Jagdflugzeuges P-51 Mustang bei Frohnhofen, berichtet Horst Rapp aus Wersau in
seinem Vortrag. Er ist ein Kenner des Luftkrieges über dem Odenwald und der
dabei eingesetzten Flugzeuge.
Daher geht er in seinen Darstellungen, bei denen er mit Bilddokumenten seine
Aussagen vertieft, auch auf die Strategie und Taktik der Luftwaffe und der US
Air Force ein. Er schildert die Kriegs- und Luftkriegssituation im April 1944
sowie März 1945 und beschreibt die Gefangennahme der Flugzeugbesatzungen,
sofern sie den Absturz überlebt
hatten.
wak
Legendärer Neunzylinder: Das Triebwerk der im April 1944 am Klößbuckel bei
Reichelsheim niedergegangenen Boeing 17 Fortress, der Sternmotor Wright R-1820
Cyclone des amerikanischen Herstellers Curtiss-Wright, ist eines der
Bilddokumente, auf die Horst
Rapp bei
seinem Vortrag im Regionalmuseum Reichelsheim
Odenwald eingehen wird.
Reproduktion: Wolfgang Kalberlah
Odenwälder Echo, 27. März 2010, Seite 14
Siebzig
Jahre und kein bisschen ruhiger
Runder Geburtstag:
Wolfgang Schwinn feiert am Sonntag in Reichelsheim
und blickt auf ein Leben voll Aktivität
REICHELSHEIM. Am Sonntag
(28.) wird
Wolfgang Schwinn in Reichelsheim
70 Jahre alt. Feiern möchte er diesen Tag mit seiner Frau Waltraud, seinen
zwei Kindern und vier Enkeln. 1940 in Beerfurth geboren, besuchte Schwinn die
Volksschule im Ortsteil Pfaffen-Beerfurth und danach die Gymnasien in
Groß-Bieberau und Rimbach; derweil zog die Familie 1956 ins benachbarte
Reichelsheim um.
Wolfgang Schwinn vollendet am Sonntag in
Reichelsheim sein 70. Lebensjahr
Foto: Franz Hoffmann
An der Universität in
Frankfurt nahm der Odenwälder 1961 sein Lehramtsstudium für Grund-, Haupt- und
Realschulen auf, und schon im Mai 1964 begann er, in der einklassigen
Grundschule in Nieder-Kainsbach zu arbeiten. Weitere Stationen seiner
Lehrertätigkeit waren die Grundschule in Fränkisch-Crumbach und die Reichen
bergschule in Reichelsheim, wo er von 1988 bis 1992 Konrektor war. 1991 folgte
er dem Ruf nach Beerfurth und blieb bis zu seiner Pensionierung 2005
Schulleiter der Grundschule. Hinzu kam seine Tätigkeit im Personalrat und als
Personalratsvorsitzender an der Reichenbergschule in Reichelsheim bis 1991.
Weil der Jubilar noch eine
Reihe von Ehrenämtern bekleidet, wurde er bereits 2002 mit der Bronzenen
Verdienstmedaille der Gemeinde Reichelsheim honoriert. Das wohl herausragende
Engagement des Geehrten bezieht sich auf die Leitung des Regionalmuseums in
Reichelsheim, ,,wo ich die Hälfte meines Lebens schon der Leiter bin", so
Schwinn. Dafür opfert er einen Großteil seiner Freizeit: Führungen, die
Organisation von Veranstaltungen und der Umgang mit Exponaten und
Ausstellungen sind sein Metier.
Schwinn konnte beim Aufbau
der Einrichtung bis hin zur Umgestaltung zum Regionalmuseum in den Jahren 1995
bis 1998 mitwirken. Eine besondere Freude bereitet ihm immer noch der Besuch
von Schulklassen, die im historischen Schulsaal eine Unterrichtsstunde von
ihm, in historische Gewänder gekleidet, erleben. Auch das gemeindliche Archiv
steht seit 2006 unter seiner Leitung. Aktuell ist er mit der Katalogisierung
der Reichelsheimer Denkmäler beschäftigt. Daneben kommen immer wieder Anfragen
von Auswanderern nach ihrer Abstammung, die Schwinn soweit wie möglich
beantwortet. Auch während der Öffnungszeiten montags und donnerstags jeweils
von 9 bis 12 Uhr steht er mit seinem Wissen um die Reichelsheimer Geschichte
den Besuchern zur Verfügung.
Seit 1954 ist Schwinn
außerdem aktives Mitglied der örtlichen Trachtengruppe und Chormitglied, wovon
er fünf Jahre auch Jugendgruppenleiter war. Bei den Konfirmandenpraktika der
Kirchengemeinde ist er stets kompetenter Helfer und Organisator. Die Zeit, um
weitere Bestandteile seines Lebens zu pflegen, muss er sich irgendwie
zusammenklauben - etwa am Montagabend, wenn Schwinn tanzt. Hier ist er mit
seiner
Frau seit über zehn Jahren aktiv. Weiteren Sport treibt er
bei Nordic-Walking-Runden im Rodensteiner Wald.
,,Ich bin zwar seit 2005
in Pension, aber keineswegs im Ruhestand", erklärt er. Für die Zukunft erhofft
weiterhin gute Gesundheit für sich und seine Familie und die Zeit, seinen
vielen ehrenamtlichen Tätigkeiten nachkommen zu können.
hwe
Echo Online, 16. März 2010 und Odenwälder Echo,
18. März 2010, S. 15:
Das
Odenwälder Lieschen für Modellbauer
Heimatgeschichte: Vortrag und Workshops locken Eisenbahn-Freunde aus Nah und
Fern ins Regionalmuseum
Basteln für Eisenbahn-Fans war übers vergangene Wochenende im
Regionalmuseum Reichelsheim angesagt. Bei der Veranstaltung rund um das
Thema Odenwälder Lieschen stand Wolfgang Kalberlah (rechts) als
Lieschen-Spezialist den Teilnehmern Rede und Antwort. Ebenso gab er Tipps zum
möglichst originalgetreuen Modell-Nachbau der einstigen Regionalbahn.
Foto: Franz Hoffmann
REICHELSHEIM. Ein Wochenende, ganz nach dem Geschmack von Eisenbahnfreunden,
Bastlern und Interessenten der Gersprenztalbahn: Am Samstag drehte es sich im
Regionalmuseum Reichelsheim vor allem ums Odenwälder Lieschen, wie die
einstige Reinheim-Reichelsheimer Eisenbahn (RRE) im Volksmund hieß.
Als
Initiator der Veranstaltung informierte Wolfgang Kalberlah (Reichelsheim), der
Leiter der Abteilung RRE im Regionalmuseum, die rund 20 Gäste über die
Geschichte dieser Bahn. Der Spatenstich für deren Bau erfolgte im Frühjahr
1887 zeitgleich an 17 Orten, so dass die Fertigstellung der Strecke von
Reinheim bis Reichelsheim nicht lang auf sich warten ließ. Die Bahn nahm noch
im gleichen Jahr ihren Betrieb auf, der bis 1964 aufrecht erhalten wurde.
Danach begann der Rückbau der Trasse von Reichelsheim bis Groß-Bieberau.
Inzwischen wird auch die restliche Strecke bis Reinheim nur noch sporadisch
befahren - etwa zu Festlichkeiten, Jubiläen oder Veranstaltungen.
Nach dem
Vortrag öffnete die Bastelstube des Regionalmuseums für den Workshop
,,Wagenbau" ihre Türen. An die 15 technisch mehr oder weniger versierte
Bahnfreunde fertigten aus Leichtmetallbausätzen originalgetreue und
maßstabsgerechte Nachbauten der Triebfahrzeuge und Waggons des Odenwälder
Lieschens sowie der Gebäude und Gleistrassen. Unterbrochen wurde die
Betriebsamkeit allein durch ein kurzes Mittagessen und einen Vortrag von
Rainer Humbach. Der sprach über teils unbekannte Wagen und Fahrzeuge jener
Regionalbahn. Die theoretischen Unterweisungen wurden von besonders
Bastelwütigen bis morgens um 2 Uhr umgesetzt, bevor dann der Letzte im
Werkraum des Regionalmuseums das Licht ausknipste.
Am
Sonntag trafen sich die Eisenbahn-Fans bereits um 9.30 Uhr zur Besichtigung
des ehemaligen RRE-Betriebsgeländes auf dem Areal der heutigen
Firma
Freudenberg.
Dabei fand der ehemalige Lokschuppen, der später als Betriebswerkstatt
fungierte, die besondere Aufmerksamkeit der Exkursionsteilnehmer. Später war
es Ziel eines weiteren Workshops, ein funktionsfähiges Modell fertig
zustellen. Fertige Bausätze in Leichtmetallform auf HO-Basis der Firma Krüger
(Dauphtetal) lieferten die Grundlage, und am Ende der zweitägigen
Veranstaltung konnten sich die Ergebnisse durchaus sehen lassen. Wolfgang
Kalberlah zeigte sich rundum zufrieden mit der Veranstaltung, die sogar
Eisenbahn-Freunde aus Fulda angelockt hatte.
Wie
teilweise berichtet, sollen in diesem Jahr noch weitere Veranstaltungen zum
Thema Lieschen folgen. So ist zum Tag des offenen Denkmals am 12. September
unter dem Motto ,,Kultur in Bewegung - Reisen, Handel und Verkehr" eine
Fahrradexkursion für Jung und Alt entlang der ursprünglichen RRE-Trasse
geplant. Informationen gibt es auch im Internet unter den Adressen
www.museum-reichelsheim.de oder www.reichelsheim-museum.com. Die Ausstellung
im Regionalmuseum Reichelsheim ist sonntags von 15 bis 17 Uhr geöffnet.
Text:
Franz Hoffmann
Odenwälder Echo, 10. März 2010, Seite 15
Lieschen
und Bergbau locken immer
Historisches: Der Arbeitskreis des Regionalmuseums Reichelsheim legt sein
Jahresprogramm vor
REICHELSHEIM. Von 1887 bis
1964 schnaufte das ,,Odenwälder Lieschen" durchs Gersprenztal, wo es Reinheim
mit Reichelsheim verband. So mancher Eisenbahnfreund gerät heute ins
Schwärmen, wenn er Informationen der Gersprenztalbahn erhalten kann. Ein
besonderes Angebot hat sich der Arbeitskreis des Regionalmuseums Reichelsheim
für sein Jahresprogramm 2010 ausgedacht: Ein Wagenbauwochenende am 13. und 14.
März, wobei der Maßstab H 0 für die vom Lieschen gezogenen Waggons eingehalten
wird.
Erst ein Vortrag, dann dürfen die Bastler ran
Bevor die Bastler unter
Anleitung mit ihrer Arbeit beginnen, ist am Samstag (13.) ab 9.30 Uhr ein
Vortrag über die Geschichte der Reinheim-Reichelsheimer Eisenbahn (RRE) zu
hören. Ab 16 Uhr bietet auch für Nichtbastler der Archivar des am Kaiserstuhl
verkehrenden Rebenbummlers, Rainer Humbach, einen Vortrag über ,,Unbekannte
Wagen und Fahrzeuge des Odenwälder Lieschens und des SEG-Konzerns". Bevor dann
am Sonntag (14.) weitergebaut wird, führt Wolfgang Kalberlah alle am Lieschen
interessierten Gäste ab 9.30 Uhr über das ehemalige Betriebsgelände. Weitere
Informationen hierzu stehen im Internet unter www.museum-reichelsheim.eu. Für
den Wagenbau ist eine Anmeldung (wagenbauwochenende@akrro.de) nötig.
Am Donnerstag, 22. April,
wird unter dem Thema ,,Luftkrieg über Reichelsheim" der Ereignisse während des
Zweiten Weltkrieges gedacht. Horst Rapp (Wersau) referiert ab 19.30 Uhr im
historischen Rathaussaal des Museums über die Luftkämpfe bei Reichelsheim und
das Schicksal der Flugzeugbesatzungen.
Im Mai gibt es wieder
etwas für die Kinder
Ab Mai heißt es wieder
,,Geologie für Kinder". Die jungen Teilnehmer erkunden jeweils samstags ab 14
Uhr unter fachmännischer Anleitung den Stollen eines ehemaligen Bergwerks. Die
Veranstaltung wird für 15. Mai, 12. Juni, 10. Juli, 14. August, 11. September
und 9. Oktober jeweils ab 14 Uhr ab der Vereinshalle Ober-Ostern angeboten.
Gutes Schuhwerk, Fahrradhelm und Stirnlampe sind erforderlich.
Mit der Aktion ,,Gold
waschen", die individuell unter Telefon 06164 913194 gebucht werden kann,
haben alle Schürfer die Chance, das edle Metall aus den Bächen des Odenwaldes
herauszuholen. Unter dem Motto ,,Auf den Spuren des Bergbaus", das ebenfalls
unter der oben genannten Telefonnummer gebucht werden kann, begeben sich die
Gäste auf Spurensuche bei den ehemaligen Bergwerken zwischen Ober-Kainsbach,
Bockenrod, Rohrbach und Ober-Ostern. Abschließend besteht die Möglichkeit zur
Einkehr und Vertiefung des Erlebten. Wanderungen ab fünf Personen sind auf
Anfrage möglich.
Auf dem Drahtesel das
Gersprenztal runter
Am Sonntag, 12. September,
geht es von 11 bis 18 Uhr auf dem Drahtesel 20 Kilometer das Gersprenztal
hinunter - auf der Strecke des Lieschens mit Mittagessen auf einem
Biobauernhof. Der Rücktransport ist gewährleistet.
Das Museum stellt wieder Aufnahmen aus seiner Schatzkiste unter dem
Motto ,,Reichelsheim früher und heute" zum Michelsmarkt vom 28. bis 30. August in
der Reichenberghalle aus.
Im Jahr 2007 haben bereits mehrere Veranstaltungen an die 120. Wiederkehr der
Eröffnung der Reinheim-Reichelsheimer Eisenbahn erinnert. Was Zeitzeugen
damals erzählt haben, wurde aufgezeichnet und wird derzeit als Broschüre
aufbereitet. Diese soll am Sonntag, 7. November, ab 16 Uhr vorgestellt und
auch erstmals verkauft werden.
Der Spinnkreis Bockenrod
verdeutlicht zum Reichelsheimer Weihnachtsmarkt 2010 am Sonntag, 28. November,
von 14 bis 18 Uhr den Arbeitsprozess der Wollverarbeitung angefangen von der
Rohwolle bis zum fertigen Kleidungsstück.
Sämtliche Termine können
im Faltblatt ,,Veranstaltungskalender 2010" nachgelesen werden. Dieses
Faltblatt ist dann sonntags im Museum während der regulären Öffnungszeiten von
15 bis 17 Uhr, in der Gemeindeverwaltung, in Reichelsheimer Geschäften, über
Telefon 06164 2369 oder 50826 und natürlich via Internet unter
www.museum-reichelsheim.eu zu beziehen.
wak/e
Immer wieder interessant: Das Odenwälder Lieschen ist auch im
aktuellen Jahresprogramm des Regionalmuseums Reichelsheim
ein Thema bei Vorträgen, Exkursionen und einem Modellbauwochenende.
Foto: archiv
Am 20.09.2008 berichtete
„Echo
Online"
Auf dem Berg und unter der
Erde
Denkmalbewusstsein:
Reichelsheim demonstriert die Vielfalt geschichtlicher Zeugnisse im
Gemeindegebiet
REICHELSHEIM. Gleich an sechs Orten griff die Gemeinde Reichelsheim den
Tag des Offenen Denkmals auf und bestätigte damit ihre besondere
Sensibilität für den Wert örtlicher Zeugnisse der Bau- und
Regionalgeschichte. Als ein Beispiel für die Vielzahl und Bedeutung
historischer Anlagen nahm sie dabei Schloss Reichenberg, wo Hermann Klenk
neben der wechselvollen Geschichte der Burganlage auch aktuelles über die
Grabungsarbeiten am Krummen Bau mit seinem Küchenanbau berichtete, dem
ältesten Teil der Burg.
Hier hatte die Abteilung Archäologie vom Landesamt für Denkmalpflege
ihre Dokumentationen aufgebaut und gab Einblicke in die Welt der
Bestandskartierung. Vor wenigen Wochen wurde an dieser Stelle die innere
Zwingmauer samt einer Einfahrt in den oberen Hof freigelegt. Im Hof selbst
konnten die Besucher Erich Schneider zusehen, wie er als Steinmetzmeister
die zum Teil stark beschädigten Sandsteine des Ziehbrunnens bearbeitete
und neue Teilstücke passgenau einsetzte. Im Rittersaal im Innern des
Krummen Baus ist die Restaurierung aufwendiger Holzarbeiten an der Decke
fertiggestellt; die Fenster sind nach Vorgabe der Denkmalpflege
fachgerecht eingebaut.
Als Attraktion erwies sich auch der Alte Stollen der Grube Georg im
Ortsteil Rohrbach. Hier baute die Firma Gebrüder Stumm aus Neunkirchen an
der Saar zwischen 1890 und 1905 Manganerz ab, bevor sie den Betrieb in den
etwas westlich gelegenen „Neuen Stollen“ verlegte. Nach dem Ende des
Bergbaus wurde der Stollen abgemauert und zur Wassergewinnung genutzt. Bei
der Verwirklichung des Geoparkpfades „Bergbaulandschaft Reichelsheim“
legte die Arbeitsgemeinschaft Altbergbau in Zusammenarbeit mit der
Gemeinde Reichelsheim den Eingangsbereich wieder frei und entdeckte dabei
die historische „Wasserseige“, einen gemauerten Kanal, der das Wasser aus
der Grube unter der Gleistrasse der Feldbahn zum Bach führte.
Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft führten die Besucher fachkundig
durch die ersten 80 Meter des Stollens. Diplom-Geologe Jochen Babist
erläuterte anhand eines Schwellenholzes, wie man aus den verbliebenen
Überresten das technische Inventar der Stollenanlage rekonstruieren kann.
Die Grubenhunte (Förderwagen) liefen auf Schmalspurgleisen und wurden von
Pferden nach draußen gezogen. Die Besucher erhielten einen Einblick in
einen längst aufgelassenen Bergbaubetrieb, und mancher ließ es sich nicht
nehmen, trotz vergessener Gummistiefel den ständig von Wasser
durchlaufenen Stollen zu begehen. Große Aufmerksamkeit wurde auch dem
Stollen „Am Ranzenberg“ in Ober-Ostern zuteil, an dem Werner Götzinger
Führungen anbot. Der Versuchsstollen auf Schwerspat entstand in den Jahren
von 1923 bis 1925, war jedoch nicht sehr ergiebig und wurde bald wieder
aufgegeben.
Die evangelisch-lutherische Kirche am Krautweg beeindruckt durch ihren
Baustilmix von der Gotik bis zum Barock. Sie wurde erst 1890 aus jenem
hellen Sandstein gebaut, der in Ober-Kainsbach gewonnen wurde und stellt
damit eine Verbindung zu einer Station des neu eröffneten
Geopark-Lehrpfades „Baustein, Erz und schwerer Spat“ her. Mit diesen
hellen Sandsteinen wurden auch der Reichelsheimer Bahnhof sowie die
Bahnhöfe in Michelstadt und Erbach und andere große Bauwerke errichtet.
Das Regionalmuseum hatte ebenfalls seine Pforten geöffnet und
präsentierte die vor kurzem eingeweihte und neu gestaltete Abteilung
„Bergbau um Reichelsheim“, die jetzt passend zu den Geopark-Lehrpfaden
lagerstättenkundlich eingerichtet wurde.
Besonders das Diorama im Dachgeschoss, ein Nachbau mit Originalteilen
des historischen Eisensteinstollens aus dem 17. Jahrhundert, beeindruckte
die Besucher. Anhand einer Bildpräsentation können die Gäste die
Forschungsarbeiten nachvollziehen, die sehr aufwendig dokumentiert wurden.
In der Abteilung darunter befinden sich hauptsächlich Mineralien und
Steine zum Anfassen. Ganz bewusst wurde die Ausstellung an dieser Stelle
so gestaltet, dass jeder die Exponate selbstständig herausnehmen,
betrachten und sogar mikroskopieren kann. Kartendarstellungen stellen den
Bezug zum Gelände und zu den beiden örtlichen Geopark-Pfaden her.
Mit ihren Führungen und einem sagenhaften Konzert des „Jungen
Kammerchors Baden-Württemberg“ rundete die evangelische Michaelskirche zum
Ausklang des Tag des offenen Denkmals 2008 das Angebot ab.
kof
20.9.2008
Am 02.09.2008 berichtete
„Echo
Online"
„Wie ein Sechser im
Lotto“
Ausstellung: Roland
Hoffmann sei Dank: Im Regionalmuseum Reichelsheim steht neuerdings eine
Vitrine, die ans „Reichelsheimer Heil’s Bräu“ erinnert
REICHELSHEIM. Er habe einmal gehört, dass es in Reichelsheim eine Brauerei
gegeben hätte. „Und dann schlag ich den Katalog auf, und da ist das Schild
der Reichelsheimer Heil’s Bräu drin!“ Die Ersteigerung sei wie ein
„Sechser im Lotto“ für ihn gewesen, so Roland Hoffmann. Denn das im
„Zuckerguss-Email“ gestaltete, gewölbte Brauereischild mit weißem, schwarz
gerändertem Schriftzug auf leuchtend rotem Untergrund entstand um 1920 und
ist in einem erstaunlich guten Zustand erhalten.
Er informierte
Bürgermeister Gerd Lode über seine Errungenschaft; dieser übermittelte die
Nachricht an Wolfgang Kalberlah vom Regionalmuseum in Reichelsheim – und
schon war die Idee der Ausstellungsvitrine „Reichelsheimer Heil’s Bräu“ in
der Bilderausstellung anlässlich des jüngsten Michelsmarktes geboren.
Wilfried Biedenkapp
übernahm die Ausgestaltung und fügte der Hoffmann'schen Leihgabe eine
Brauerei-Rechnung mit dem imposanten Briefkopf sowie eine Original-Heil’s
Brauerei-Flasche aus der Hand des Bürgermeisters hinzu. Ergänzt wurde der
Vitrineninhalt durch ein Abbild des Firmenstempels, ein Foto von Heinrich
Heil, dem Sohn des Gründers Jacob Heil, aus dem Jahr 1939 und der
Ablichtung eines „Damenkaffeekränzchens“ vor der Villa Heil aus dem Jahr
1902.
Seit über 20 Jahren
frönt der in Airlenbach wohnende Roland Hoffmann seinem Hobby: Der
Geschichte von Brauereien in und um den Odenwald nebst dem Sammeln von
Email-Werbeschildern, alten Bierkrügen und -gläsern, Spiegeln, Postkarten
und Bildern von Brauereiansichten, Fassdeckeln und Bierdeckeln von
ehemaligen und existierenden Brauereien. Der 39 Jahre alte,
leidenschaftliche Sammler – er stammt selbst aus einer Gastwirtsfamilie –
ist von Beruf Werkzeugmacher Formbau.
„Email-Schilder sind
stoßempfindlich wie Glas und besonders anfällig beim Anschrauben. Wenn sie
nicht beschädigt werden, sind sie jedoch witterungsbeständig und halten
ewig“, so der stolze Besitzer. Weiter erzählt er, die meisten dieser
Email-Wirtshausschilder wurden nach dem Krieg zerstört, weil sie
Amerikanern und Russen auch als Zielscheiben dienten. Viele wurden auch
abgenommen, um das Dach zu flicken; andere dienten als Schlitten zum
Rodeln. Selbst zum Einschalen fanden sie Verwendung, weil der Beton an
ihnen nicht haftete.
Das Heilsbräu-Schild
wurde von der Firma Torpedo Email Frankfurter Emallierwerke Neu-Isenburg
produziert; die Nummer (in diesem Fall die 53) und der „gezielte“
Farbklecks auf der Rückseite stammen vom Meister des Emaillierwerks.
Sabine Koch
2.9.2008
Die Brauerei der Gebrüder Heil
REICHELSHEIM. Wolfgang Kalberlah berichtet, dass Jacob Heil im Jahr 1868
in der Bismarckstraße 26 das Gasthaus „Zum Adler“ erwarb. Um 1890 begann
er dort sein „Reichelsheimer Heil’s Bräu“ zu brauen, das er in einem
Nebengebäude – der heutigen Polizeistation – seinen Gästen ausschenkte.
Gleichzeitig errichtete er in der Heidelberger Straße 74 einen Eis- und
Bierkeller mit einer Fass- und Holzhalle samt Maschinenhaus und das im
Volksmund als „Villa Heil“ bekannte Wohnhaus.
Dort betrieb er ab
1893 sein Gewerbe als „Bierbrauer, Gastwirt, Branntweinbrenner,
Kunsthefefabrikant und Küfer“. Ein Emailschild an etlichen Gaststätten vor
Ort wies darauf hin, dass hier „Heil’s Bräu“ getrunken wurde.
Im Jahr 1898
übernahmen die Brüder Jacob II. und Heinrich Heil die Brauerei, deren
Haupthaus wegen eines Brandes 1906 saniert und baulich verändert wurde. Ab
1925 führte Heinrich Heil alleine den Betrieb weiter. Zu Beginn des
Zweiten Weltkriegs verkaufte er Gebäude und Villa an Wilhelm Lenz, dessen
„Märkische Rohrwalzerei“ Stahlwaren produzierte.
In den kühlen
Kellergewölben, in denen vormals das Bier auf Eis lagerte, versteckten
sich die Reichelsheimer 1945 vor den amerikanischen Soldaten. Nach dem
Krieg produzierte Wilhelm Lenz Garderobenzubehör und Campingtische; sein
Sohn Willi führte die Firma weiter bis zu ihrem Niedergang 1960.
Damals erwarb die
Frankfurter Firma Wilhelm Schleenbecker das Anwesen und stellte bis 1980
Heizölzusätze her. Danach stand das Domizil leer und drohte zu verfallen.
Inzwischen gibt es einen neuen Besitzer, der die ehemalige Brauerei aus
ihrem „Dornröschenschlaf“ erweckt.
kof
2.9.2008
Am 05.08.2008 berichtete das "Darmstädter Echo"
Spuren früher Bergleute
Geschichte: Reichelsheimer
Museum zeigt einen mittelalterlichen Bergwerksstollen
REICHELSHEIM. Am
Sonntagnachmittag eröffnete die Bergbauabteilung des Regionalmuseums
Reichelsheim Odenwald und präsentiert sich nun in ganz neuer Aufmachung.
Das Museum wurde auch als Informationszentrum im Geo-Naturpark Bergstraße
Odenwald eingeweiht.
Neben den beiden Geo-Naturpark-Lehrpfaden und den geführten
Themenwanderungen zum Bergbau um Reichelsheim lieferte in den vergangenen
beiden Jahren die Bergbauforschung vollkommen neue Einblicke in die
Kulturgeschichte des Odenwälder Bergbaus. So kam unter anderem beim Ausbau
des Ranzenberg-Besucherstollens eine Haspel (Förderwinde) zu Tage, die nun
rekonstruiert in die Ausstellung integriert wurde.
Stück für Stück und in mühsamer Kleinarbeit wurden in der
montanarchäologischen Grabung der Arbeitsgemeinschaft Altbergbau die
Spuren einer einstmals bedeutenden Eisenindustrie ans Tageslicht
befördert. Die Arbeiten bei Reichelsheim lieferten bedeutende Holzfunde
aus einem mittelalterlichen Bergwerksstollen, die nun im neu ausgebauten
Dachbereich über dem bisherigen Ausstellungsraum zur Geltung kommen.
Der Besucher erhält einen Einblick in den nachgebildeten
Bergwerksstollen, der im Original aus Sicherheitsgründen der
Öffentlichkeit nicht zugänglich ist und nur durch einen Glasabschluss
besichtigt werden kann. Während in diesem Ausstellungsteil jeweils auch
die neuesten Forschungsergebnisse präsentiert werden, wird die
Dauerausstellung durch interaktive Elemente neu belebt und eignet sich vor
allem für Kinder, Familien und Schulklassen.
Neben Informationen zu den um Reichelsheim abgebauten Lagerstättentypen bildet
auch die einzigartige Mineraliensammlung des Museums mit Funden aus der
Bergbauzeit wieder einen echten Blickfang.
f
Am 14.05.2008 berichtete das "Anzeigenblatt
Gersprenztal"
Menschen, so lebendig
Werner Götzinger – Bockenrod
Die Rubrik „Menschen“
stellt Menschen aus der Region – von Zeilhard bis Lindenfels und von
Ober-Ramstadt bis Otzberg – mit einem kurzen Porträt sowie drei immer gleich
bleibenden Fragen vor. Die Rubrik soll interessante Menschen zeigen, die so
lebendig wie das Anzeigenblatt, das Gersprenztal und seine Bewohner sind.
Der Geopraktiker Werner
Götzinger ist über die Grenzen von Bockenrod hinaus bekannt – vor allem durch
seine Kinderprojekte und die Gesteinswanderungen, die er regelmäßig anbietet.
Werner Götzinger wurde im Mai 1967 in Erbach geboren und wuchs in Bockenrod
auf. Seine Eltern führten einen landwirtschaftlichen Betrieb oberhalb des
Dorfes. Daher kam der heutige Geopraktiker schon als Kind in engen Kontakt mit
der Natur und den Steinen. „Mit drei Jahren hab ich meinen ersten Stein
gefunden“, erinnert sich Werner Götzinger, der auf dem Feld Steine verlas. Von
klein auf faszinierten ihn die verschiedenen Gesteine und er beschäftigte sich
intensiv damit. Dennoch wollte Werner Götzinger nie sein Hobby zum Beruf
machen. Nach der Schule entschied er sich für eine Ausbildung zum Schreiner.
Der Handwerker arbeitete noch eine Zeit lang in der Region, bevor er in
Amerika Auslandserfahrung sammelte: Werner Götzinger grub dort Fossilien,
insbesondere Dinosaurier, aus. Wieder zurück in der Heimat, lernte er beim
Besuch des Bensheimer Winzerfestes seine Frau Birgit kennen, die er im Oktober
1995 heiratete. Das Paar bekam zwei Kinder, Daniel (12) und Katharina (8), die
heute die größten Fans und Kritiker Werner Götzingers sind, wenn es um neue
Kinderprojekte geht. Bereits 1986 hatte der Natur-Interessierte für das
Reichelsheimer Museum eine Mineralien-Ausstellung organisiert und verschiedene
Bergwerksführungen und Gesteinswanderungen angeboten. 1998 sprach das
Museumsteam ihn an und fragte, ob er nicht wieder Seminare anbieten wolle. Das
tat der Gersprenztaler, der voller Ideen steckt, nur zu gerne. Seine
Hauptzielgruppe sind Kinder. Für sie hat Werner Götzinger Goldsuchen und
Rennofen-Projekte ausgearbeitet, die er erklärt und mit den Teilnehmern
Experimente durchführt. Der in Brensbach arbeitende Schreiner hat zudem
gemeinsam mit seiner Frau die „Spinnstubb“ ins Leben gerufen und für die
Gruppe Spinnräder gebaut. Diese Zusammenkünfte möchte Werner Götzinger noch
ein wenig voran bringen und in naher Zukunft auch ein Färberbeet anlegen, um
die eigene Wolle auch selbst färben zu können. Zudem versorgt er die zum Haus
und Hof gehörenden Schafe, Hühner und Gänse. „Wir halten diese Tiere, damit
unsere Kinder den Bezug zur Natur nicht verlieren“, erklärt der 41-Jährige,
der Mitglied bei der Apfelwein- und Obstwiesenroute ist. Da er selbst über 70
Apfelbäume mit alten Sorten verfügt, setzt sich Werner Götzinger für die
Erhaltung der Kulturlandschaft ein und keltert für den Hausgebrauch. Künftig
möchte er sich noch etwas intensiver mit dem Apfelbaumbestand beschäftigen und
in die Sortenkunde tiefer eintauchen. Aktuell ist der Bockenroder mit der
Vorbereitung der Bergwerkseröffnung Ober-Ostern und der Neugestaltung der
Gesteinsabteilung im Reichelsheimer Museum beschäftigt. Auch hält er gerne für
verschiedene Zielgruppen Vorträge zum Thema „Mineralien des Ranzenberges“.
Bleibt dann noch etwas Zeit, so läuft und wandert er viel oder setzt Projekte
um, die ihm in den Kopf kommen. „Was ich nicht kaufen kann, versuche ich
selbst zu machen.“, erklärt der handwerklich geschickte Familienvater
schmunzelnd. So kommt es, dass er Dinge und Themenprojekte entwickelt, die dem
Zeitgeist entsprechen und sie auf dem Markt testet. Sie kommen zwar gut an,
machen ihn jedoch nicht reich. Doch das ist auch nicht Werner Götzingers Ziel:
„Ein Kinderlachen ist für mich mehr wert als ein voller Geldbeutel.“, erklärt
der Bockenroder bescheiden.
Für das Anzeigenblatt
Gersprenztal stand Werner Götzinger Rede und Antwort:
Wenn Sie König von
Deutschland wären, was wäre Ihre erste Tat?
Götzinger: Ich denke, ich würde die Bevölkerung auf die bevorstehende
Verarmung hinweisen. Kinder sind wichtig und unsere Zukunft.
Sie haben drei
Wünsche frei. Nennen Sie uns diese bitte.Götzinger: Ich wünsche mir,
dass mit der Familie alles weiterhin so läuft wie bisher. Mein zweiter Wunsch
ist, dass Kinder die Möglichkeiten ergreifen, die ihnen gegeben werden. Zu
guter Letzt wünsche ich mir, dass es keine Naturkatastrophen mehr gibt.
Welcher Mensch in
Ihrem Leben hat den größten Eindruck auf Sie gemacht?
Götzinger: Das ist für mich Armin Maiwald, der „Macher“ von der Sendung mit
der Maus. Die Sendung habe ich früher gerne geschaut, mir Anregungen geholt
und viel gelernt. Daneben möchte ich gerne Ernst Waldemar Bauer nennen, der
eine besondere Art und Weise hat, Naturprozesse darzustellen. Heute wandele
ich auf den Spuren der Beiden: Ich versuche Themen wie Bauer aufzubereiten und
wie Maiwald umzusetzen.
Am 19. März 2008 berichtete das "Odenwälder Echo" auf Seite
11
Zum Gedenken an den Botaniker, Schriftsteller und Arzt
Christian Gottfried Daniel Nees von Esenbeck hat die Gemeinde Reichelsheim zu
dessen 150. Todestag an der neu gepflanzten Friedenslinde vor dem
Regionalmuseum einen Gedenkstein platziert. Am Sonntag wurde dieser Stein bei
einer Gedenkfeier enthüllt. Nees von Esenbeck wurde am 14. Februar 1776 auf
Schloss Reichenberg geboren, dort erlebte er auch seine Kindheit und Jugend.
Später erlangte dieser Mann als Botaniker, Schriftsteller wie auch als Arzt
weit über seine Heimat hinaus Bedeutung; zudem war er ein Freund und
Weggefährte Johann Wolfgang von Goethes. Das Wirken des prominenten
Odenwälders wurde im Anschluss an die Gedenkstein-Enthüllung bei einer Feier
im Regionalmuseum der Gemeinde gewürdigt.
f
Am 14. November 2007 berichtete das "Odenwälder
Echo" auf
Seite 9
Zusammenarbeit mit
Modellcharakter
Altbergbau:
Ranzenberg-Stollen wird so hergerichtet, dass Besucher und Fledermäuse zu
ihrem Recht kommen
OBER-OSTERN. Es regnete in
Strömen, doch die Mitarbeiter des Regionalmuseums Reichelsheim, die
Fledermausschützer und deren Kollegen vom Arbeitskreis Altbergbau ließen sich
durch das schlechte Wetter nicht von ihrem Vorhaben abbringen. Sie hatten sich
am Ranzenberg-Stollen bei Ober-Ostern eingefunden, um durch einen
Arbeitseinsatz ihrem gemeinsamen Ziel näher zu kommen: Aus dem ehemaligen
Schwerspat-Versuchsstollen soll in absehbarer Zeit ein Besucherbergwerk
werden, das interessante Informationen über den früher in der Region
betriebenen Bergbau vermittelt und allen bergmännischen Auflagen samt
Betriebserlaubnis genügt.
Gleichzeitig soll der
Stollen den bisherigen Bewohnern auch weiterhin eine Bleibe für die Winterzeit
bieten. Gemeint sind die Fledermäuse, die ab November in dem alten Bergwerk
zum Winterschlaf „einhängen“. Deshalb wurde der Schulterschluss mit den
regionalen Fledermausschützern gesucht und es wurden Überlegungen angestellt,
wie beider Interessen zu vereinbaren sind.
„Aus jedem Einschnitt in
die Natur – und dieses Bergwerk ist einer – wird irgendwann ein Biotop“,
betonte Werner Götzinger vom Regionalmuseum Reichelsheim. Der hauptberufliche
Schreiner versteht sich bei seinem Hobby als „Landschafts- und Naturpädagoge“.
Zusammen mit dem Geologen Jochen Babist ist er maßgeblich an der Herrichtung
des alten Stollens beteiligt.
Eigentlich liegt die
Aufgabe des Naturschutzes in der Verantwortung des Besitzers der Abbaurechte
in diesem Stollen. Die Firma Deutsche Baryt Industrie (DBI) hat erst im Jahre
1998 ihre Rechte auf die Förderung von Schwerspat (Baryt) in Ober-Ostern
erneuert. Doch eine wirtschaftliche Förderung von Baryt wird in Ober-Ostern
nicht möglich sein, so dass die DBI ihre Förderrechte wohl kaum ausüben wird,
zumal die Auflagen im Naturschutzgebiet Odenwald-Bergstraße eine industrielle
Nutzung eher erschweren, wie Werner Götzinger weiß. Im gegenseitigen Interesse
hat man sich darauf geeinigt, dass die Arbeitsgemeinschaft die
Naturschutzaufgaben übernimmt und die Firma DBI die Nutzung des Stollens als
Besucherbergwerk genehmigt, „ohne, dass dabei Geld geflossen ist“, so Werner
Götzinger.
Und nun geht es darum, die
bisher schon sehr erfolgreichen, aber nur „geduldeten“ Führungen durch den
Stollen und die Veranstaltungen „Geologie für Kinder“ als feste Bestandteile
des Kulturprogramms der Gemeinde Reichelsheim und des Geoparks
Odenwald-Bergstraße zu etablieren. Dazu ist eine Betriebserlaubnis notwendig,
außerdem müssen Auflagen bezüglich Sicherheit, Versicherungen und Naturschutz
erfüllt werden.
Die jetzt erfolgte
Ausmauerung des Stollenmundes dient dem Schutz der künftigen Besucher.
Gleichzeitig wird das Portal so hergerichtet, dass Fledermäuse ihr
Winterquartier im Hohlraum zwischen der Ausmauerung und dem natürlichen
Gewölbe des Stolleneingangs finden können.
Der Eingang zum Stollen
wird später durch einen Holzvorbau mit einer stabilen Tür ausgestattet, die
von November bis etwa April/ Mai bis auf eine kleine Öffnung verschlossen
wird. Somit wird den Fledermäusen die gebührende Winterruhe garantiert. Eine
Vertiefung im Boden des Portals ermöglicht auch Amphibien den Zugang zum
Stollen. In den Frühjahrs- bis Herbstmonaten mögen Fledermäuse die feuchte
Atmosphäre des Stollens nicht und quartieren sich deshalb außerhalb ein. Somit
gibt es keinen Konflikt zwischen Naturschutz und Besucherbergwerk.
Tatkräftige Unterstützung
finden die Aktiven des Arbeitskreises Altbergbau bei dem Eigentümer des
Grundstücks, auf dem sich das zukünftige Besucherbergwerk befindet. Artur
Bardohl betont, dass er bereits vor 15 Jahren Besucher aus Offenbach und
Darmstadt durch den Stollen geführt habe. Später seien Studenten hinzu
gekommen.

Dieter Heilmann von den
Fledermausschützern begrüßt die intensive Zusammenarbeit zwischen den
Interessengruppen bei der zukünftigen Nutzung des Baryt-Stollens. Der
ehemalige Telekom-Techniker hat sich schon seit langem dem Naturschutz und vor
allem dem Schutz der Fledermäuse verschrieben. Er sitzt im Stiftungsbeirat des
Naturschutzzentrums Raitz in Kimbach und freut sich, dass beim Ausbau des
Besucherbergwerks Ober-Ostern eine überörtliche Zusammenarbeit der
Interessengruppen zustande gekommen ist. Auch Wilhelm Hoffarth, der
Ortsvorsteher des Reichelsheimer Ortsteils Ober-Ostern, gehört der
Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz an. Er hat sich unter anderem bereits
intensiv für den Erhalt der Grube Georg in Rohrbach engagiert.
Sabine Koch
Im September 2007 widmet sich die 5.
Echo-Sonderausgabe "Typisch Odenwald; Die Apfelwein- und Obstwiesenroute" auf
Seite 20 dem Goldschürfen mit Werner Götzinger
Gesicherte Goldvorkommen im Gersprenztal
Hat was auf der Pfanne
Werner Götzinger aus Bockenrod vermittelt Kids das Klondike-Feeling
Fette Nuggets, wie sie die
Pioniere am Ende des 19. Jahrhunderts bei ihrer Suche am Klondike-River
gefunden und in Dawson City in harte Dollars umgesetzt haben, findet man in
den Bächen des Odenwaldes eher nicht. Doch dass beinahe jedes Fließgewässer in
Deutschland kleine Spuren des begehrten Metalls mit sich führt, ist eine
unbestreitbare Tatsache. So auch in den Bächen des Gersprenztales, weiß Werner
Götzinger aus dem Reichelsheimer Ortsteil Bockenrod: „Kleine Blättchen,
sogenannte ,Flitter' sind es, die unsere geübten kleinen Schürfer hier aus dem
Wasser waschen. Die Funde waren zuvor im Gestein gebunden und wurden durch
Verwitterungsprozesse freigesetzt.” Sie tauchen vermischt mit Mineralien wie
Hämatit oder Monazit in den Fließgewässern auf und sind mitunter nur im
strahlenden Sonnenlicht als das begehrte gelbe Metall auszumachen. „Deshalb
füllen wir den ausgewaschenen Flusssand als Konzentrat in mitgebrachte
Plastikampullen, die im richtigen Licht gelegentlich ihren beeindruckenden
Inhalt preisgeben. Man sollte aber nicht vergessen, dass auch die
Begleitmineralien von erdgeschichtlichem Interesse sind und viel über die
Entstehung einer Landschaft und deren Geologie erzählen können”, informiert
der versierte Hobby-Mineraloge. „Gold findet man vorwiegend auf der linken
Gersprenztalseite, die wir als ,Böllsteiner Komplex' bezeichnen." Doch was
reizt den Mann, der schon in den USA auf den Spuren der Dinos unterwegs war
und in der Nähe seines idyllischen Anwesens oberhalb des Dorfes ein
Schaubergwerk ausgebaut hat, an der Suche nach dem Edelmetall?
„Es ist nicht der schnöde Mammon,
von den hiesigen Goldvorkommen wird keiner reich”, lacht
Götzinger. „Die Kinder sind es, die hier
abseits von Computer und Internet
einen ganz anderen Zugang
zu sich selbst finden können”, sagt
der erfahrene Vater. Die verwendeten Küchenschüsseln müssen nur eine bestimmte
Rundung aufweisen, und schon erfüllen sie die Funktion einer professionellen
Waschpfanne. Das Suchen steht im Vordergrund, und wenn Götzinger merkt, dass
seine Aktionen - er baut z. B. mit Kindern auch
funktionstüchtige Lehmöfen - die
Sinne der jugendlichen Teilnehmer
schärfen, dann freut er sich riesig und schürft doppelt so gerne. Ein
Erlebnispädagoge? Vielleicht ja, aber das merkt man ihm nicht an, auch mag er
dieses Wort nicht besonders. Denn Werner Götzinger erzählt, er doziert nicht.
Wenn er etwas nicht weiß, dann ist
es auch gut: „Kinder sind unsere
Zukunft, und dies jenseits jeglicher Ideologie. Alles, was wir ihnen
beibringen, bekommen wir auf anderem Wege zurück!” Ausschlaggebend für die
eiligen Waschungen - manch Junge oder Mädchen kann die Spannung des Spektakels
kaum aushalten - waren Götzingers Steckenpferde: der Bergbau
und die Geologie des Odenwaldes.
Hierfür sind seine Sachkenntnis und
das profunde Wissen rund um
allerlei Gestein bis weit über die Region hinaus gefragt. Ach so, benutzen
die emsigen Schürfer außer ihrem
Handwerkszeug auch andere Hilfsmittel?
Am 12. Juli 2007 berichtete das "Odenwälder
Echo" auf Seite 13:
Vor Millionen Jahren unruhiges Gebiet
Geologische Wanderung: Dass
Odenwald aus Bruchstücken verschiedener Kontinente besteht, belegt Jochen
Babist
OBER-KAINSBACH.
Bei der zweiten geologischen Wanderung des Regionalmuseums Reichelsheim führte
Diplom-Geologe Jochen Babist die Teilnehmer um Ober-Kainsbach. Er zeigte
ihnen, wie aus einzelnen Puzzleteilen die Geschichte der Kontinente
rekonstruiert werden kann. „Kontinente in Bewegung“ lautete auch das Thema
dieser Wanderung. Die Erde stehe auch heute nicht still, so der Fachmann bei
seiner Begrüßung. Gewaltige Wärmeströmungen im Erdinneren sorgten dafür, dass
die einzelnen Platten der äußeren, festen Gesteinshülle sich langsam aber
stetig verschieben. Zwar nur Zentimeter pro Jahr, was jedoch nach
erdgeschichtlichen Zeitmaßstäben die Oberfläche der Erde ständig wandelt. Neue
Kontinente seien so entstanden, Ozeane wurden gebildet und verschwanden
wieder.
Die Wanderung begann an der
Vierstöck und führte zunächst in einen unscheinbaren, verwachsenen Steinbruch,
in dem einst hoch interessante Gesteine abgebaut wurden. Die Gesteinsform
Metagabbros, entstanden aus basaltischer Schmelze, wurden im Laufe ihrer
Geschichte in rund 70 Kilometer Tiefe versenkt. Welche Kräfte haben hier
gewirkt, und warum findet man das Gestein heute wieder an der Oberfläche? Das
nächste Puzzleteilen erwartete die Gruppe an der imposanten Felsgruppe Hoher
Stein auf der gegenüberliegenden Talseite oberhalb von Ober-Kainsbach. Sie
besteht aus Granodiorit-Gneis, der auffällig in Platten ausgelegt ist.
Feldspat, Quarz und Eisenglimmer, aus denen dieses Gestein besteht, sind
flächig zusammengefügt. Diese Schieferung kann nach den Worten von Jochen
Babist nur entstanden sein, als die Bestandteile des Gesteins noch in großer
Tiefe bei 300 bis 500 Grad Celsius wie weiches Kerzenwachs plastisch
reagierten.
Unterhalb des Hohen Steins hatte
die Gruppe die Möglichkeit, auf den Halden nach Glimmer zu suchen, der von
einer Beerfelder Firma zwischen 1946 und 1948 als Rohstoff für Isolatoren in
der Elektroindustrie abgebaut wurde.
Die einzigartigen Strukturen im
schwer zugänglichen Fels am Lattersberg sollen im nächsten Jahr mit einem
neuen Lehrpfad erschlossen werden. Zwischen Moos und Laub finden sich
faszinierende Faltenstrukturen: „Obwohl dies in einer Tiefe von über zehn
Kilometern geschah, hat das Gestein an dieser Stelle sein Gedächtnis
behalten“, erläuterte Jochen Babist. Auf dem weiteren Weg durch das
Wünschbachtal waren im neu ausgehobenen Wassergraben ebenfalls
Faltenstrukturen zu erkennen, an denen sicher viele Teilnehmer ohne ihr jetzt
schon geschultes Auge vorbeigewandert wären. Am Schnellerts erklärte Babist,
wie die Kräfte zustande kommen, die in Gesteinen Schieferungen und Faltung
hervorrufen. Dort, wo Kontinente miteinander kollidieren, entstehen auch heute
noch Hochgebirge. Dort könnten auch durch das Abtauchen einer Platte (Subduktion)
Gesteine in über 70 Kilometer Tiefe gelangen.
„Natürlich ganz langsam“, so Jochen
Babist, „entstand vor 380 bis 330 Millionen Jahren der Unterbau des heutigen
Mitteleuropa aus einzelnen Kontinent-Bruchstücken. Wenn man heute aus dem
Odenwald in den Taunus fährt, überschreitet man die Grenze zweier einstmals
durch einen über 1000 Kilometer breiten Ozean getrennten Kontinente.“ Und beim
Abstieg vom Schnellerts fiel sogar der Blick auf den Taunus am Horizont: Fast
unglaublich kam den Teilnehmern die Sichtweise der Geologen vor, die den
Granit- und Gneisodenwald als Unterbau eines uralten Hochgebirges betrachten
und in ihm die Nahtstelle zweier Kontinente sehen.
Der Bergsträßer Odenwald mit der
Neunkircher Höhe sei rund 70 Millionen Jahre jünger als der Böllsteiner
Odenwald, durch dessen Gneise die Exkursion führte. An der
Otzberg-Störungszone haben damals Bewegungen stattgefunden, die zwei
eigentlich gar nicht zusammen passende Teile nebeneinander setzten. Der Gneis
um Böllstein und Ober-Kainsbach ist ein Exot, dessen Ausgangsgesteine
vermutlich vor über 405 Millionen Jahren auf einer Hochseeinsel ähnlich den
Philippinen entstanden sind. Als die Kontinente miteinander kollidierten,
seien ihre Gesteine in das Gebirge eingeschoben worden.
Das letzte Puzzleteil erwartete die
Gruppe an einem Felsen am Kitzestein. Dort sind einerseits plastische
Bewegungsspuren im Gestein konserviert, andererseits schnitten jüngere
Bruchflächen mit Striemen diese Strukturen ab. So konnten die Teilnehmer nicht
nur die Bewegungsrichtung an der Otzberg-Störungszone bestimmen, sondern auch
die Hebung des Gesteins in flachere und kühlere Krustenbereiche
nachvollziehen. Dort verformt sich das Gestein nicht mehr plastisch, sondern
durch Bruch. Nach der fünfstündigen Wanderung entschlossen sich einige
Teilnehmer spontan zu einem Besuch des Regionalmuseums Reichelsheim, um sich
der dort ausgestellten Mineraliensammlung zu widmen.
f
Am 19. April 2007 berichtete das "Odenwälder
Echo" auf den Seiten 12 und 19:
Dokumentarische Sonderschau
Die Sonderausstellung "80 Jahre
Posaunenchorarbeit in Reichelsheim" ist bis Sonntag, 27. Mai, im
Regionalmuseum Reichelsheim zu besichtigen. Dabei dokumentieren ausführliches
Bild- und Textmaterial, antiquarische Notenzeugnisse und Instrumente aus dem
Besitz des Posaunenchors die Entwicklung einer aktiven Vereinsarbeit in der
evangelischen Michaelsgemeinde. Die Schau ist sonntags von 15 bis 17 Uhr
geöffnet.
FOTO: GUIDO SCHIEK
Blick in Geheimnisse der Erdgeschichte
Geologie: Arbeitskreis des Regionalmuseums lässt sich über Gesteinsarten
und ihre Entstehungsgeschichte informieren
REICHELSHEIM. Gabbro, Schwerspat,
Granit, Buntsandstein – die Gegend um Reichelsheim ist reich an
unterschiedlichen Gesteinsarten. Diese zu erkunden, hatte sich der
Arbeitskreis des Regionalmuseums Reichelsheim vorgenommen und im Zuge einer
Fortbildung seine Mitglieder zur Exkursion eingeladen.
Unter Führung des Diplom-Geologen
Jochen Babist begab sich die Gruppe zunächst in die nähe von Laudenau, wo vor
allem Gabbro zu finden ist – ein dunkelgraues, fast schwarzes, äußerst hartes
Material mit glänzenden kristallinen Bestandteilen. Dieses Tiefengestein
bildete sich vor etwa 340 Millionen Jahren tief unter der Oberfläche eines
Hochgebirges am Rand eines ehemals eigenständigen Kontinents. Eindrucksvoll
schilderte der Fachmann die Bildung des vorderen und hinteren Odenwaldes mit
seinen typischen Oberflächenstrukturen, von denen sich die Teilnehmer beim
Blick über das obere Gersprenztal hinüber Richtung Mümlingtal überzeugen
konnten.
Die Tongrube Vierstöck war einer der Orte, an
denen sich die Mitglieder im Arbeitskreis des Regionalmuseums Reichelsheim
während einer Exkursion über die Besonderheiten der Gesteinsformationen im
Odenwald informierten.
FOTO: WOLFGANG KALBERLAH
Beeindruckend für die Mitglieder waren auch die Erläuterungen über die
verhältnismäßig dünne Erdkruste, die auf dem plastischen Erdinnern schwimmt
und noch heute für die vertikalen Bewegungen des Odenwaldes sorgt. Kaum
vorstellbare zeitliche Dimensionen von Jahrmillionen sind dabei
ausschlaggebend. Diese gewaltigen Zeitspannen setzte Babist mit einem Bandmaß
gleich, auf dem ein Millimeter 10 000 Jahre darstellt, „eine Zeit in die
gewaltig viele menschliche Generationen hineinpassen“ wie der Referent
bemerkte.
Geht man auf diesem Längenmaß 34 Meter zurück, so wird jenes erdgeschichtliche
Ereignis erreicht, das die Gesteine bei Laudenau entstehen ließ. Seit der
Entstehung des Gabbros brachten ihn Hebung, Verwitterung und Erosion des
darüber liegenden Materials bis an die Erdoberfläche.
Weniger als einen Kilometer Luftlinie entfernt begutachteten die Teilnehmer
dann einen Granit mit seinen typischen Bestandteilen Kaliumfeldspat,
Calciumfeldspat, Quarz und Glimmer. Bearbeitungsspuren an den Steinen zeigen,
dass die Natur den Odenwaldbewohnern nicht nur Felsen vor die Haustür gelegt
hatte, sondern ihnen schon früh Gelegenheiten zum Broterwerb in kleinen und
kleinsten Steinbrüchen bot. Das dort gewonnene Material wurde zum Hausbau,
Straßenbau und für Grabdenkmäler genutzt.
Mit einem Zwischenaufenthalt am Friedhof von Ober-Kainsbach mit seinen Gneisen
führten Jochen Babist und Arbeitskreismitglied Werner Götzinger die Gruppe an
die Schwelle zum hinteren Odenwald. Dort in der Tongrube „Vierstöck“ bot sich
ein völlig verändertes Bild: Das harte Gestein ist dem weicheren und
geologisch jüngeren Buntsandstein gewichen, statt der bis dahin
vorherrschenden schwarzen, grauen und braunen Färbung ist hier das typischen
Rot zu beobachten.
Für die meisten Häuser des Odenwaldes wurde dieses gut zu bearbeitende
Material verwendet, das der Gegend ihr charakteristisches Gepräge gibt und sie
in Verbindung mit dem Fachwerk zu einer reizvollen Kulturlandschaft gemacht
hat.
wak
Am 28. März 2007 berichtete das "Odenwälder
Echo" auf Seite 12:
Zeitreise durch die
Bläserliteratur
Kirchenmusik: Ausstellung des Regionalmuseums über 80 Jahre
Posaunenchor Reichelsheim wird mit Konzert eröffnet
REICHELSHEIM. Die strahlende Märzensonne schien durch die Sprossenfenster des
Regionalmuseums auf die 40 Bläser aller Altersgruppen. Auch viele Zuhörer
waren der Einladung des Evangelischen Posaunenchors Reichelsheim gefolgt, der
unter dem Motto „80 Jahre und kein bisschen leise“ bei einem Frühlingskonzert
sein achtzigjähriges Bestehen feierte. Eine musikalische Zeitreise machte die
Entwicklung der Posaunenchöre akustisch nachvollziehbar und stimmte die
Besucher im Festsaal mit einer barocken Intrade ein, deren kraftvolle Töne
zwischen Fachwerk und Steinfußboden mächtig widerhallten.
Wolfgang Spengler, Pfarrer im Ruhestand, führte
mit erläuternden Texten durch das Programm. So waren
– beispielhaft für das Choralspiel, die „gesangliche“ Musik der Bläser –
Kompositionen von Joseph Haydn und Johann Sebastian Bach in der Bearbeitung
von Johannes Kuhlo zu hören, die Matthias Ernst dirigierte. Ursprünglich war
die Aufgabe der Posaunenchöre als „weitgehendes Spielen und Begleiten des
erweckten Liedes und Führung des Gemeindegesangs“ definiert. Kuhlo war der
integrierende Repräsentant der Posaunenchorbewegung, seinem „Urbläserbuch“,
das 1881 erschien, folgten bis 1928 drei weitere Bände.

Regionalmuseum als
Konzertsaal: Der Posaunenchor der evangelischen Michaelsgemeinde Reichelsheim
besteht seit 80 Jahren. Seine Entwicklung dokumentiert eine Ausstellung, die
das Ensemble selbst musikalisch eröffnete.
Foto: Guido Schiek
Die
Ensembles waren fest in männlicher Hand – und es waren ausschließlich Männer,
die den Reichelsheimer Posaunenchor gründeten. Nach dem zweiten Weltkrieg kam
es zu einem “Literaturaufbruch“ – wegweisend war das Erscheinen des
„Posaunenchoralbuchs“ zum Evangelischen Kirchengesangbuch. Dabei wirkte
Friedrich Ehmann, Gründer der westfälischen
Landesmusikschule Herford,
als Wegbereiter. Der Posaunenchor intonierte in der Sparte „Instrumentale
Musik“ das bekannte „Ein feste Burg ist unser Gott“, gefolgt von zwei
anspruchsvollen Stücken der Komponisten Heinrich Schütz und Henry Purcell, die
das Trompetenensemble unter Leitung von Bernhard Frassine vortrug. Etwa 1959
fanden dann Volkslieder Einzug in das Repertoire. Zum Mitsingen lud das frohe
„Der Winter ist vergangen“ ein, und bei „Auf du junger Wandersmann“ gaben die
Bässe das Wandertempo vor. Die jüngsten Musiker aus der Bläserwerkstatt
Reichenbergschule gaben ein sauberes Debüt mit zwei Kinderliedern; ihr
Lehrmeister ist Helmut Borger.
Nach der Wiederentdeckung alter Spielmusik in den sechziger Jahren – eine
beeindruckende Partita zu vier Stimmen war zu hören – lebte „das gemeinsame
Spiel mit anderen Instrumentengruppen“ auf; die Chöre wurden zum
„unmittelbaren Musizieren und künstlerischem Gestalten“ angeregt. Zudem
gesellte sich 1964 erstmals eine Frau zu den Reichelsheimer Bläsern.
Das mittlerweile große Angebot in der Posauneliteratur wurde um
Kompositionsaufträge erweitert; Chorleiter Ernst brachte mit seinen Bläsern
Vorspiel und Choral des Paul Gerhardt-Texts „Du meine Seele singe“ und die
Komposition „Jauchzet alle Lande“ zu Gehör. Stellvertretend für
zeitgenössische Werke spielte das Trompetenensemble einen Kanon aus England,
den die Gäste mit rhythmischem Fingerschnippen begleiteten. Danach erklangen
Fanfarenstöße aus Frankreich.
„Querblech ein – geselliges Bläserbuch“ eröffnete 1970 einen weiteren Aspekt
fröhlichen Musizierens bei „Festen, Lagerleben und Begegnungen mit in- und
ausländischen Gruppen“. Aus dieser Auswahl stammten das eingängige Trio aus
„Pomp & Circumstance“ von Edward Elgar und die Freizeit-Intrade von Dietrich
Wimmer, mit der Helmut Borger und sein GAZ-Bläsertreff Big-Band-Sound
erzeugten. Das als Eurovisionsmelodie bekannt gewordene Te Deum von Marie
Antoine Charpentier und ein temperamentvoller Csárdás aus Ungarn, präsentiert
vom Jugendposaunenchor unter Klaus-Jörg Borger, rundeten den Abstecher ab.
Unter dem Einfluss von Jazz, Rock und Pop entwickelte sich der Sacro-Pop, der
im Posaunenwerk Starkenburg erst Mitte der neunziger Jahre richtig Fuß fasste.
„One moment in Time“ mit Schlagzeugunterlegung repräsentierte neben „Gott ist
der Grund unserer Freude“ diese Facette, bevor das swingende „Be bell reader
dry egg“ (Anspielung auf Biebelrieder Dreieck) von Landesposaunenwart Frank
Vogel und der Irische Segenswunsch das Konzert beendeten. Reichlich Applaus
dankte für das umfassende Posaunenchor-Portrait. Dank erfolgreicher
Jugendarbeit werden die Bläser auch in kommenden Jahren mit lautem Wohlklang
zu hören sein.
Im Anschluss eröffnete Helmut Borger die Sonderausstellung „80 Jahre
Posaunenchorarbeit in Reichelsheim“, die bis 27. Mai im Regionalmuseum zu
besichtigen ist. Ausführliches Bild- und Textmaterial, antiquarische
Notenzeugnisse und die Vorstellung alter Instrumente aus dem Besitz des
Posaunenchors demonstrieren die Entwicklung einer aktiven Vereinsarbeit, die
aus dem Gemeindeleben nicht mehr wegzudenken ist.
Sabine Koch
28.3.2007
Am 22. Juni 2006 berichtete das "Odenwälder
Journal" auf
Seite 12:
Reichelsheimer Workshop
zur Montanarchäologie
Zum Abschluss der „European Geoparks Week“ im
Erlebnisbereich Bergbaulandschaft Reichelsheim
veranstalteten die Arbeitsgemeinschaft Altbergbau Odenwald, der Arbeitskreis
Regionalmuseum Reichelsheim und die Grubenarchäologische Gesellschaft
Deutschland ein Facharbeitstreffen zur Montanarchäologie des Mittelalters in
Reichelsheim. Am Freitagabend begrüßte Jochen Rietdorf als Ansprechpartner der
Gemeinde im Organisationsteam die 22 Teilnehmer.
In einem offenen Programm mit reichlich Zeit zur Diskussion wurden
die Forschungsprojekte aus Freiberg, aus Maastricht in den Niederlanden, aus
Nals in Südtirol und aus dem Odenwald vorgestellt. Im Mittelpunkt standen
dabei nicht nur der jeweilige montangeschichtliche Hintergrund, sondern auch
Probleme, Methoden und Herangehensweisen bei den teilweise ungewöhnlichen
Grabungen unter Tage. Nur die optimale Kombination von Archivarbeit und der
sorgfältigen Dokumentation der Geländearbeit könne diesen hoch interessanten
Zweig der kulturgeschichtlichen Forschung weiter voranbringen, waren sich alle
Teilnehmer der kleinen Tagung einig.
Udo Seliger vom Dezernat Bergaufsicht im
Regierungspräsidium Darmstadt stellte das aktuelle
Bundesberggesetz vor, referierte über die gesetzlichen Grundlagen von
Forschungsgrabungen und die aus Behördensicht wünschenswerte Vorgehensweise.
Die folgende Diskussion zeigte, dass die funktionierende Zusammenarbeit der
Behörden (Bergaufsicht, Denkmalamt, Naturschutzbehörde) im hessischen Odenwald
Vorbildcharakter besitzt und leider durchaus keine Selbstverständlichkeit ist.
So sind im Erlebnisbereich Bergbaulandschaft Reichelsheim im UNESCO Geopark
Bergstraße Odenwald in Zukunft noch spannende Beiträge zur aktuellen Forschung
zu erwarten.
Im Nachmittagsprogramm des Workshops stand dann auch die „Praxis“ im
Vordergrund: Einem Besuch der aktuellen Grabungsstelle der Arbeitsgemeinschaft
Altbergbau Odenwald folgte am Sonntag eine vierstündige Untertage-Tour durch
Darmstadts „Katakomben“: Ein Stollensystem aus dem 17. Jahrhundert wurde hier
durch Bierkeller inzwischen längst verschwundener Brauereien aus dem 19. und
20. Jahrhundert überprägt.
Zum „Rahmenprogramm“ des Workshops gehörte selbstverständlich auch
eine Führung durch das Regionalmuseum Reichelsheim. Hier wusste
Wolfgang Kalberlah viel über die wechselvolle Baugeschichte
des 1554 erbauten Zent- und Rathauses zu berichten. Beim gemeinsamen
Grillabend auf dem Hof Götzinger stieß als
Überraschungsgast auch Bürgermeister Gerd Lode zur Gruppe.
Die Teilnehmer des Workshops waren sich
einig: Ein Arbeitstreffen in dieser lockeren und doch effektiven Form müsse
unbedingt wiederholt werden. Die Gruppe möchte zukünftig ein Netzwerk von
aktiven Forschungsgruppen in Europa aufbauen, bei dem ein Standbein auch der
Erlebnisbereich Bergbaulandschaft Reichelsheim mit seinem
Geopark-Informationszentrum im Regionalmuseum sein wird. Regelmäßige Tagungen
sind bereits geplant; die nächste kleine Tagung wird vom 20. bis 22. April
2007 in Freiberg im Erzgebirge stattfinden. Darüber hinaus wird es
Projekttreffen in den unterschiedlichen Regionen geben, bei denen eine Woche
lang in gut vorbereiteten Grabungsprojekten gemeinsam Hand angelegt wird,
damit der Erfahrungsaustausch auch in der Praxis gewährleistet ist.
Gegenseitige Hilfe beispielsweise bei der Entzifferung schwer lesbarer
Handschriften und der Austausch neuester Fachliteratur sollen dazu beitragen,
dass der „Arbeitskreis zur Montanarchäologie des Mittelalters“, der in
Reichelsheim aus der Taufe gehoben wurde, erfolgreich arbeiten kann.

Ein Facharbeitstreffen zur Montanarchäologie des Mittelalters führte Geologen
und Interessenten des Altbergbaus nach Reichelsheim. Unter Leitung von Dipl.
Geologe Jochen Babist und Werner Götzinger fanden
Fachvorträge und Exkursionen rund um Reichelsheim statt. Die Aufnahme zeigt
einige der Teilnehmer beim gemütlichen Ausklang.
Ein ähnlicher Artikel erschien am 20. Juni 2006 im
"Odenwälder Echo" auf Seite 19
Am 20. Mai 2006 berichtete das "Odenwälder Echo" auf
Seite 11:
Harte Maloche im
feuchten Stollen
Exkursion
-
Geologischer
Arbeitskreis des Regionalmuseums Reichelsheim lässt Kinder den Bergbau
hautnah erleben
VON KIRSTEN SUNDERMANN
OBER-OSTERN. Die Arbeitsbedingungen im
Stollen sind schlichtweg katastrophal: Es ist stockdunkel in dem schmalen
Gang, der in den Berg führt, der Boden ist schmierig und uneben, von den
Wänden und der niedrigen Decke tropft das Wasser. Erwachsene können sich
hier nur gebückt vorwärts bewegen. Deshalb stehen an diesem
Samstagnachmittag auch die Kinder an vorderster Front. Die hacken mit Hammer
und Schlegel ins Gestein, sammeln die gelösten Brocken und schleppen sie in
einem Eimer nach draußen. Die armen Kleinen...Es besteht jedoch kein Grund,
nun den Kinderschutzbund zu alarmieren. Denn die Nachwuchs-Bergleute sind
gut ausgerüstet, tragen Schutzhelm mit Grubenlampe, Schutzbrille,
Schutzhandschuhe und derbe Schuhe. Vor allem aber: Sie sind freiwillig
gekommen, haben leuchtende Augen, vom Kluftlehm rot beschmierte Nasen und
können gar nicht genug kriegen von der Buddelei. Sie sind auch nicht einsam
und verlassen hier, mitten im Wald am Ober-Osterner
Ranzenberg. Zwei Väter schuften gleichfalls mit. Und dann gibt es noch
Werner Götzinger aus Bockenrod, Mineralienforscher aus Leidenschaft, der
das seit Jahren erfolgreiche Projekt „Geologie für Kinder“ des
Regionalmuseums Reichelsheim leitet.
Ab und zu besucht er
seine Schützlinge im Stollen, schaut nach dem Rechten oder mit ihnen nach
den Feuersalamandern. Denn auch diese fühlen sich wohl in der feuchten
Umgebung. Allerdings tummeln sie sich eine Etage tiefer, in einem so
genannten Gesenk, und sind dann durch ein darüber liegendes Eisengitter
geschützt.
Die erhämmerten
Gesteinsbrocken werden draußen gemeinsam begutachtet, zerkleinert und nach
eingeschlossenen Mineralien durchsucht. Sie enthalten alle zumindest Spuren
von Baryt (Schwerspat), das früher zur Herstellung von weißer Tüncherfarbe
benötigt wurde. Auch heute wird Baryt noch verwendet, bei technischen
Bohrungen etwa, oder in der Medizin.
Allerdings lohnt sich der gewerbliche
Abbau im Odenwald nicht. Zwischen 1924 und 1928 hatten
die Landwirte der Umgebung jedoch versucht, sich durch den Verkauf dieses
Minerals ein Zubrot zu verdienen. Der „Versuchsstollen“ auf dem Ranzenberg
galt als „bergfrei“, das heißt, es durfte dort ohne besondere Genehmigung
gegraben werden. Weit kamen die Männer damals allerdings nicht: Vom
Stollenportal aus gerade mal zehn Meter nach links und acht Meter nach
rechts. Heute befindet sich das Gelände in Privatbesitz, aber der Eigentümer
hat dem Geologischen Arbeitskreis freundlicherweise erlaubt, gelegentlich in
den Stollen einzudringen. Der Eingang ist offen. Ein Schild weist darauf
hin, dass Besucher zwischen November und März die Winterruhe der Fledermäuse
respektieren sollen.
Als nach etwa
zwei Stunden dann doch die Arme müde werden, zieht das Trüppchen weiter zur
nächsten Station. Knapp einen Kilometer entfernt kennt Götzinger einen
weiteren Schacht, der von 1860 bis 1900 in Betrieb war und heute verschüttet
ist. Früher führte er rund 30 Meter tief senkrecht in den Berg, und der
Abraum wurde rundherum ausgeworfen. Darin dürfen die Kinder nun mehr oder
weniger systematisch nach Kristallen wühlen. Gelegentlich finden sie dabei
auch ausgesprochen seltene Stücke. Wie vor drei Jahren, als ein jugendlicher
Exkursionsteilnehmer eine steinzeitliche Speerspitze entdeckte.
Hinweis:
Der Geologische Arbeitskreis im
Regionalmuseum Reichelsheim bietet während der Sommermonate an jedem zweiten
Samstag im Monat „Geologie für Kinder“ an. Die nächste Führung findet also
am 10. Juni statt. Treffpunkt ist jeweils um 14 Uhr am Dorfgemeinschaftshaus
in Ober-Ostern. Die Kinder sollten einen Fahrradhelm mitbringen und eine
Taschen- und/oder Stirnlampe. Gummistiefel und robuste Kleidung sind
sinnvoll. Weitere Infos unter Telefon 06164 913194.

Kumpels: Werner Götzinger (rechts)
ist zufrieden, denn das hat die Johanna gut gemacht. Der von ihr in einem
Stollen bei Ober-Ostern losgeschlagene Gesteinsbrocken enthält ganz viel
Baryt. Jeden zweiten Samstag im Monat bietet der Geologische Arbeitskreis
des Regionalmuseums Reichelsheim eine geführte Exkursion unter dem Motto
"Geologie für Kinder" an.
FOTO: KIRSTEN SUNDERMANN
Am 25. März 2006 berichtete das "Odenwälder Echo" auf Seite
19:
Museum wird zum Talentschuppen
Frühlingskonzert -
Schüler und Lehrer der
Georg-August-Zinn-Schule begeistern mit großer musikalischer Bandbreite
REICHELSHEIM. Seit sechs Jahren gibt der
Arbeitskreis Regionalmuseum Chören und Musikgruppen aus Reichelsheim
Gelegenheit, ihr Können einem breiten Publikum vorzustellen. In diesem Jahr
waren Schüler und Lehrer der Georg-August-Zinn-Schule (GAZ) der Einladung
gefolgt und boten einen Ausschnitt aus ihrem Repertoire.
Eröffnet wurde das Konzert im
überfüllten historischen Rathaussaal des Regionalmuseums von Claudia
Moll-Andermann mit den Stücken „Laredo" und dem Reigentanz „Hava Nagila" mit
Musikanten aus den Klassen 5f und 6e. Die Blechbläserbesetzung mit Trompeten,
Posaunen und Tenorhorn spielte unter Leitung von Helmut Borger einige kurze
Stücke. Schülerinnen und Schüler der Klasse 5e trugen zum Frühlingsanfang
passende Lieder vor, die das Wetter zum Thema hatten. Abgeschlossen wurde der
erste Konzertteil durch das Instrumentalstück „Sas" unter Beteiligung der
Flötistinnen Carolyn und Claudia Moll-Andermann sowie Jessica Neumann am
Piano.
Der Lehrerchor mit Dirigent
Konrad Dudszus bot mit „Bei mir bist Du schön" eine schmissige Einlage im Stil
der Schlager der Zwanziger-Jahre, bevor der Konzertteil mit klassischer Musik
begann. Kurze Querflötenduette leiteten diesen ein und umrahmten die weiteren
Beiträge.
Eine Bourrée von Hasse und ein
Menuett von J. S. Bach präsentierten Christian Barleben (9. Klasse) und
Johannes Teuber (11. Klasse) als Solisten auf der Violine mit
Klavierbegleitung durch Jessica Neumann (8. Klasse). Sie spielt für ihr Alter
hervorragend Klavier und hat bereits eigene Stücke komponiert. Die Zuschauer
wurden dazu aufgefordert, einer noch namenlosen Komposition von Jessica
Neumann einen Titel zu geben.
Die Blechbläser leiteten
thematisch den letzten Teil des Konzerts ein mit Stücken wie „Wiegenlied" oder
„Der Mond ist aufgegangen". Das Barbershop-Projekt von Konrad Dudszus - ein
nur aus Männern bestehender Projektchor mit Lehrkräften der GAZ und
Mitgliedern des Rimbacher Gospelchors - führte das Publikum in die Umgebung
eines singenden und swingenden Friseursalons. Als Solisten traten dabei Frank
Klohr sowie die Lehrer Adam Bachmann und Horst Kirchhöfer auf. Interpretiert
wurden Songs wie „Caravan of love" oder „Homeless". Getreu dem Motto ihres
letzten Liedes „So schön wie heut" ging das gelungene Konzert mit dem
zeitgenössischen Performance-Sprechstück „Still“ unter Leitung eines Schülers
zu Ende. Eine Fortsetzung im nächsten Jahr in ähnlicher Form – so die
Reaktionen des Publikums und der Mitwirkenden – könnte eine neue Tradition von
Schulkonzerten an der GAZ ins Leben rufen. koe
Am 14. Februar 2006 berichtete das
"Odenwälder Echo" auf Seite 14:
Eisenbahngeschichte –
Zuhörer erfahren in Reichelsheimer Museum nicht viel Neues über Odenwälder Projekte und warum sie gescheitert sind
VON REINHARD KÖTHE
REICHELSHEIM. Da hätte wohl so mancher Zuhörer im Saal mehr zum Thema beitragen können als der Referent: „Erdacht, geplant und nicht gebaut - Eisenbahnprojekte im Odenwald” war der Vortrag angekündigt, zu dem am Samstag weit mehr Interessierte ins Regionalmuseum Reichelsheim kamen als dort offensichtlich erwartet wurden. Denn stapelweise mussten noch Stühle herbeigeschafft werden.
Doch wer etwa Erhellendes und Hintergründiges, vielleicht sogar die eine oder andere Anekdote über die Bahngeschichte des Odenwaldes erwartet hatte, musste erst einmal eine Stunde lang zuhören, bis der Referent über die Eisenbahn-Anfänge in England und auf der Strecke Nürnberg-Fürth, verschiedene Spurweiten, die Taunusbahn und die Strecke vom Main an den Neckar erstmals zum angekündigten Punkt kam. Peter Breitenmeier, Geschäftsführer des Eisenbahnmuseums Darmstadt-Kranichstein, erschlug seine Zuhörer bis dahin mit Daten und Fakten. Aber zum eigentlichen Thema, der einstigen Spekulationsblase Eisenbahn mit all ihren kapitalistischen Ausprägungen erfuhren sie nicht viel Neues.
Und eigentlich konnte der Referent nur von der Strecke Bensheim-Lindenfels berichten, die über Jahrzehnte bis zur Zeit des Ersten Weltkriegs angedacht war, aber dann doch fallen gelassen wurde. Woran ist das Projekt letztlich gescheitert, was hätte es zu seiner Zeit gekostet, wer wollte es haben? Fehlanzeige.
Darmstadt habe darauf bestanden, dass die Odenwaldbahn vom Woog ausgehen müsse - doch das ist hinreichend bekannt. Aber dass die Strecke von den Investoren anfangs offensichtlich als Konkurrenz zur Main-Neckar-Bahn sogar zweigleisig geplant war, worauf der dafür dimensionierte Frau-Nauses-Tunnel schließen lässt, darauf ging Breitmeier nicht weiter ein. Auch die ehemalige Verbindung von Höchst nach Aschaffenburg, von Bayern als Staatsbahn gebaut, die private Stichbahn Schellekattel von Hetzbach nach Beerfelden und das vorrangig zum Transport des bei Bockenrod geförderten Manganerzes gebrauchte Odenwälder Lieschen von Reinheim nach Reichelsheim, wegen der Eile beim Bau teilweise auf der Landstraße trassiert, streifte der Referent lediglich oberflächlich. Und nur kurz erwähnte er die fast vergessene Verbindung von Neckarsteinach nach Schönau sowie die Schmalspurbahn von Mosbach nach Mudau, deren aufgegebene Trasse heute ein Radweg ist.
Dafür entschädigte Peter Breitmeier zum Schluss mit einer Diaserie über Dampflokfahrten auf der Odenwaldstrecke - und er vergaß nicht, reichlich Werbung für sein Museum zu machen.
Am 2. Januar 2006
berichtete das „Odenwälder Echo“ auf Seite 12 über das Jahresprogramm
Museumsarbeit zum Mitmachen
Jahresprogramm Regionalmuseum
- Odenwälder
Goldwäsche, Vorträge und informative Wanderungen
REICHELSHEIM.
Der Arbeitskreis Regionalmuseum Reichelsheim hat für das Jubiläumsjahr 2006
sein Programm vorgelegt. Seit 40 Jahren gibt es das Bildarchiv
Alt-Reichelsheim, und 30 Jahre wird unterhalb des Reichenberges Museumsarbeit
geleistet. Die Ausstellung „Als wäre Leben im Ton” mit handmodellierten
Weihnachtskrippen, ausdrucksstarken Kindergesichtern und Tierfiguren von
Margarete Hoffmann (Klein-Gumpen) ist noch bis 29. Januar sonntags im Museum zu sehen. Die Tonfiguren können
käuflich erworben werden.
Im historischen
Rathaussaal des Museums stehen einige Veranstaltungen auf dem Programm.
Dazu gehört der Vortrag „Erdacht,
geplant und nicht gebaut”: Peter Breitmeier, Geschäftsführer des
Eisenbahnmuseums Kranichstein, referiert am Samstag (11. Februar, 16.30 Uhr)
über die Eisenbahn-Euphorie im Odenwald und die damit verbundenen Projekte gegen
Ende des 19. Jahrhunderts. Das Frühlingskonzert mit der Georg-August-Zinn-Schule
bietet am Sonntag (19. März) um 17 Uhr einen
Einblick in die musikalische Arbeit an der Schule.
Das Jubiläum „40
Jahre Bildarchiv Alt-Reichelsheim”, der Keimzelle des Regionalmuseums, soll eine
Zeitreise werden. Die Ausstellung beginnt zum Michelsmarkt am Samstag (26.
August) um 14.30 Uhr in der Reichenberghalle
und ist danach bis 8. Oktober im Museum zu besichtigen.
„Heute back' ich,
morgen brau' ich” lautet das Motto der 11.
Reichelsheimer Märchen- und Sagentage am letzten Oktober-Wochenende. Die
Ausstellung „Odenwälder Holz in Beruf und
Freizeit” läuft vom 10. Dezember bis 29. Januar 2007. Bei den
Aktionstagen zum Reichelsheimer Weihnachtsmarkt besteht die Möglichkeit, die
Herstellung von Holzschindeln kennen zu lernen. Kinder basteln mit dem
Beerfurther Gäulchesmacher Holzpferde. Historische Aufnahmen aus der Schatzkiste
des Archivs sind wieder zum Michelsmarkt vom 26.
bis 28. August in der Reichenberghalle
zu sehen.
Die Wanderungen
des Museumsarbeitskreises bekommen immer mehr Zuspruch. Auf den ersten Teil des
Geopark-Lehrpfad geht es am 30. April, Teil zwei
folgt am
1. Oktober. Weitere Führungen können
unter Telefon 06164 50838 oder 913194 vereinbart werden. Bergbauwanderungen, die
um 14 Uhr beginnen, stehen am 7. Mai (Rund um die
Drahtseilbahn ab Bockenrod), 13. August
(Uraltbergbau und Schwerspat ab Ober-Ostern), 10. September (Geologische
Vielfalt um Ober-Kainsbach), 8. Oktober
(Zwischen Granit und Sandstein ab Rohrbach) im Plan. In der Kategorie Geologie
für Kinder, jeweils samstags um 14 Uhr ab Vereinshalle Ober-Ostern, stehen die Termine 13. Mai, 17. Juni, 15.
Juli, 12. August, 9. September und 7. Oktober
fest. Dabei suchen die Kinder im Stollen eines ehemaligen Bergwerks und
auf alten Abraumhalden nach Gesteinen.
Zwei Leckerbissen
bietet das Museum auf Nachfrage an: Goldwaschen in Odenwälder Bächen
ist unter Telefon 06164 913194 zu
buchen. Ein Tonmodellierkurs unter
Leitung der Künstlerin Margarete Hoffmann knüpft an die laufende Ausstellung
„Als wäre Leben im Ton” an (Telefon 06164 2369 oder 913647).
Auch am
Jahresausflug (10. Juni) kann jedermann teilnehmen. Dabei geht es mit dem
Datterich-Express durch Darmstadt
und zum Eisenbahnmuseum Kranichstein.
Alle Termine
stehen im Faltblatt „Jahresprogramm 2006”. Es ist sonntags im Museum während der
Öffnungszeiten von 15 bis 17 Uhr, in der Gemeindeverwaltung, in Reichelsheimer
Geschäften oder im Internet unter
www.museum-reichelsheim.de zu erhalten. e
Am 22. Dezember 2005 berichtete die „Südhessen
Woche“ auf der Titelseite:

40 Jahre Bildarchiv
„Alt-Reichelsheim“ - 30 Jahre Museumsarbeit in Reichelsheim
2006 ein besonderes Veranstaltungsjahr
REICHELSHEIM
(SW). Während der letzten
Zusammenkunft des Arbeitskreises Regionalmuseum Reichelsheim Odenwald wurde
von Museumsleiter Wolfgang Schwinn nicht nur ein Rückblick auf die Aktivitäten
des zu Ende gehenden Jahres gegeben sondern auch auf das Jubiläumsjahr 2006
verwiesen. 40 Jahre Bildarchiv „Alt-Reichelsheim“ und 30 Jahre Museumsarbeit
in Reichelsheim haben die Mitglieder des Arbeitskreises veranlasst, wieder
eine breite Palette abwechslungsreicher Veranstaltungen für nächstes Jahr zu
präsentieren.
So wird zunächst die kürzlich begonnene Ausstellung „Als wäre
Leben im Ton“ mit handmodellierten Weihnachtskrippen, ausdrucksstarken
Kindergesichtern und lebensnahen Tierfiguren von Margarete Hoffmann,
Klein-Gumpen, bis einschließlich 29. Januar fortgesetzt.
Im historischen Rathaussaal des Museums stehen danach weitere
Sonderveranstaltungen auf dem Programm. Dazu gehört der Vortrag „erdacht,
geplant und nicht gebaut“, bei dem Peter Breitmeier, Geschäftsführer des
Eisenbahnmuseums Darmstadt-Kranichstein, anhand von Bild- und Kartenmaterial
über die Eisenbahn-Euphorie im Odenwald und die damit verbundenen
Eisenbahnprojekte gegen Ende des 19. Jahrhunderts referiert. Die Veranstaltung
findet am Samstag, dem 11. Februar 2006 um 16.30 Uhr statt.
Beim Frühlingskonzert mit der
Georg-August-Zinn-Schule, Reichelsheim, das am Sonntag, dem 19. März von 17:00
bis 18:00 Uhr aufgeführt wird, bilden die musikalischen Beiträge der Lehrer und
Schüler ein buntes Frühlingsprogramm und geben einen Einblick in die Arbeit an
der Schule.
Das Jubiläum „40 Jahre Bildarchiv
,Alt-Reichelsheim' - Keimzelle des Regionalmuseums -“ stellt eine Zeitreise dar,
während der der Arbeitskreis des Regionalmuseums typische Gegenstände und
Reichelsheimer Bilder der letzten 40 Jahre präsentiert. Die Ausstellung beginnt
zum Michelsmarkt am Samstag, dem 26. August, um 14.30 Uhr in der
Reichenberghalle und ist danach bis 8. Oktober zu sehen.
„Heute back' ich, morgen brau' ich“ lautet das Motto der 11.
Reichelsheimer Märchen- und Sagentage 2006. Am 27. Oktober wird das sagenhafte
Wochenende im geschichtsträchtigen Rathaussaal mit anschließender
Wochenendausstellung eröffnet.
Die Ausstellung „Odenwälder Holz in Beruf und Freizeit“ findet
vom 10. Dezember 2006 bis 29. Januar 2007 statt. Bei den zugehörigen
Aktionstagen zum Reichelsheimer Weihnachtsmarkt besteht die Möglichkeit die
Arbeitsgänge bei der Herstellung von Holzschindeln kennen zu lernen.
Gleichzeitig können die Kinder mit dem Beerfurther Gäulchesmacher Holzpferde
basteln und alle Besucher haben die Gelegenheit Bastelarbeiten der
Reichelsheimer Landfrauen zu erwerben.
Neben diesen Sonderveranstaltungen stellt das Museum wieder gern
gesehene historische Aufnahmen aus der Schatzkiste seines Archivs unter dem
Motto „Reichelsheim früher und heute“ zum 58. Reichelsheimer Michelsmarkt vom
26. bis 28. August in der Reichenberghalle aus.
Wieder zahlreiche Wanderungen
REICHELSHEIM (SW). Die
beliebten Wanderungen des Museumsarbeitskreises werden ebenfalls wieder
zahlreich angeboten. Die unter fachkundiger Führung geleiteten Wanderungen auf
dem Geopark-Lehrpfad sind für Sonntag, den 30. April, Teil 1 (Beginn: 14 Uhr,
Parkplatz Geopark, Vierstöck) und Sonntag, den 1. Oktober 2006, Teil 2 (Beginn:
14 Uhr, Feuerwehrhaus Rohrbach) terminiert. Weitere Führungen können unter
Telefon 06164 50838 oder 06164 913194 vereinbart werden.
Folgende Bergbauwanderungen, die alle um 14 Uhr beginnen, stehen auf dem
Jahresprogramm 2006: Sonntag, 7. Mai: Wanderung „Rund um die Drahtseilbahn“ (Treffepunkt:
Ortsmitte Bockenrod), Sonntag, 13. August: Wanderung „Uraltbergbau und
Schwerspat“ (Vereinshalle Ober-Ostern), Sonntag, 10. September: Wanderung
„Geologische Vielfalt um Ober-Kainsbach“ (Parkplatz Geopark, Vierstöck) und
Sonntag, 8. Oktober: Wanderung „Zwischen Granit und Sandstein“ (Feuerwehrhaus
Rohrbach).
In der Kategorie Geologie für Kinder, wozu sich die Teilnehmer
jeweils samstags um 14 Uhr an der Vereinshalle Ober-Ostern treffen, werden
folgende Termine angeboten: 13. Mai, 17. Juni, 15. Juli, 12. August, 9.
September und 7. Oktober. Bei diesen Veranstaltungen suchen die Kinder im
Stollen eines ehemaligen Bergwerks und auf alten Abraumhalden unter
fachmännischer Anleitung nach Gesteinen. Geschichten rund um den Bergbau machen
die Veranstaltung zu einem unvergesslichen Erlebnis. Fahrradhelm, Taschenlampe,
Eimer und Hammer sollten nicht vergessen werden.
Zwei besondere Leckerbissen bietet das
Museum auf Nachfrage an: Mit der Aktion Goldwaschen, die unter Telefon 06164
913194 gebucht werden kann, haben alle modernen Goldwäscher die Chance, das edle
Metall aus den Bächen des Odenwaldes herauszuholen. Ein Tonmodellierkurs knüpft
an die Veranstaltung „Als wäre Leben im Ton“ an und bietet die Möglichkeit,
unter fachlicher Anleitung der Künstlerin Margarete Hoffmann eigene Figuren aus
Ton entstehen zu lassen. Voranmeldungen werden unter Telefon 06164 2369 oder
913647 erbeten.
Wolfgang Schwinn wies
bei der Vorstellung des Programms darauf hin, dass alle Veranstaltungen für die
Öffentlichkeit konzipiert sind. Dazu zählt auch der Jahresausflug am 10. Juni.
Faltblatt
nennt Termine
REICHELSHEIM (SW). Die Veranstaltungen
des Regionalmuseum können im Faltblatt „Jahresprogramm 2006“ nachgelesen werden.
Es ist sonntags im Museum während der Öffnungszeiten von 15 bis 17 Uhr, in der
Gemeindeverwaltung, in Reichelsheimer Geschäften, unter Telefon 06164 2369 oder
50826 und im Internet unter
www.museum-reichelsheim.de zu erhalten.
Am 6. Dezember 2005 berichtete das „Odenwälder Echo“ auf Seite 12:
Ein Klumpen weckt die Leidenschaft
Adventsausstellung
-
Im Regionalmuseum sind Werke von
Margarete Hoffmann mit anderen Motiven aus Ton zu sehen
VON
SABINE KOCH
REICHELSHEIM. Ein Klumpen Ton war es, den die Tochter von der
Schule mit nach Hause brachte und der Mutter auf den Tisch legte. „Igitt, was
ist das?" war deren erste Reaktion. Doch sie befolgte schließlich die
Aufforderung des Kindes „Komm, lass uns etwas daraus machen!", und formte mit
geschickten Händen einen kleinen Pudel aus dem Naturmaterial. So wurde eine
Leidenschaft geweckt, von der die mittlerweile siebzigjährige Margarete Hoffmann
bis heute nicht los kommt.
„Als wäre Leben im Ton" - das spürten auch die Besucher der vorweihnachtlichen
Sonderausstellung im Regionalmuseum bei der Eröffnung am zweiten Adventssonntag.
Neben den lebensnahen Tierfiguren, auf Bänken entlang den weißgetünchten Wänden
ausgestellt, beeindruckten die Ruhe und Frieden ausstrahlenden Engel und
handmodellierten, ansprechenden Krippenfiguren in unterschiedlichen Größen in
den Glasvitrinen. Vor allem aber fesselten den Betrachter die Kindergestalten
mit ihren ausdrucksvollen und fein modellierten Gesichtern, aus denen
gleichermaßen die Liebe zum „Objekt" und zum Detail sprach.
Birgit Kalberlah, verantwortlich für Vorbereitung und Präsentation der
Ausstellung, berichtete von den unzähligen Tonbewohnern im Hause Hoffmann in
Klein-Gumpen und von der „Qual der Wahl" bei den Exponaten. In einem kurzen
Abriss schilderte sie den Lebenslauf der 1935 in Griesheim bei Darmstadt
geborenen Gestalterin, die künstlerisch durch den Vater, einen Maler von
Landschaften und Portraits in Aquarell und Öl, vorbelastet ist.
Ihre Heirat führte Margarete Hoffmann 1954 nach Gelsenkirchen, wo sie nach der
ersten Begegnung mit dem Werkstoff Ton in Kursen die Technik des Töpferns von
Gebrauchsgegenständen erlernte. Doch ihre Begabung lag im erschaffenden und
figürlichen Arbeiten. Von der Bottroper Künstlerin Julia Limpke (Mitarbeiterin
der Firma Göbel, Hersteller der Hummel-Figuren) übernahm sie eine spezielle
Aufbautechnik für das Modellieren der Tonfiguren, die sie bis heute beibehalten
hat.
Von den eigenen Kindern und ihrem Beruf als Erzieherin angeregt, fand sie
alsbald ihren ganz persönlichen Stil und ihre liebsten Modelle: Die Kinder
(inzwischen auch die Enkel) . Es sind insbesondere die Gesichter, deren
Faszination sie nicht losgelassen hat. Angespornt von ihrem Ehrgeiz und großer
Schaffensfreude entstanden immer mehr Arbeiten, die sie im Ruhrgebiet und nach
dem Umzug in ihre Wahlheimat 1998 auch in der Region in zahlreichen
Ausstellungen präsentierte.
Die rührige, selbstkritische Künstlerin arbeitet mit hellem und dunklem Ton
(„Farben übertünchen die Gesichtszüge") durchaus schon einmal 16 Stunden an
einer Figur. Gerade diese Schlichtheit und Ursprünglichkeit des Materials in der
prägnanten Ausgestaltung verleihen ihren Geschöpfen eine so lebendige
Ausstrahlung und Authentizität.
Am nächsten Sonntag (11.) von 14 bis 18 Uhr gibt Margarete Hoffmann allen
Interessierten einen Einblick in die Kunst des Handmodellierens in der
Ausstellung. Diese ist bis zum 29. Januar 2006 jeweils sonntags von 15 bis 17
Uhr zu besichtigen. Während der gesamten Dauer der Schau können die Exponate
auch käuflich erworben werden.
Über die Fahrradexkursion berichtete das
„Odenwälder Echo“ am 6. Oktober 2005 auf Seite 14:
Ein Pfeifen klingt nach
Odenwälder
Lieschen
-
25 Radler unternehmen Exkursion auf der ehemaligen Trasse des legendären
Dampfzuges im Gersprenztal
REICHELSHEIM. Zum
zweiten Mal fuhren am Sonntag auf den Spuren des „Odenwälder Lieschens”
25 Radler entlang der ehemaligen Trasse der
Reinheim-Reichelsheimer Eisenbahn (RRE), der Oktoberfrische samt gelegentlichem
Nieselregen trotzend. „In den Waggons des Lieschens wäre es zwar trockener, aber
nicht wärmer gewesen!”, so der Kommentar eines Teilnehmers, der als Lehrling mit
der einstigen Regionalbahn gefahren war.
Von Neugier getrieben
die einen, sich erinnernd und rückblickend die anderen - gemeinsam nahmen sie
unter der sachkundigen Führung von Wolfgang A. W. Kalberlah, Abteilungsleiter
für den Eisenbahnbereich im Reichelsheimer Regionalmuseum, an der nostalgischen
Reise in die Vergangenheit teil; ehemalige „Lieschen-Fahrer” zeichneten mit
unterhaltsamen Anekdötchen und Geschichten ein lebendiges Bild der „Maschinen,
die nach feuchtem Dampf, verbrannter Kohle und heißem Öl rochen, deren
Lokomotivglocken durchdringend läuteten und deren Pfeifsignale durch die Berge
hallten”.
Nach einem Abstecher
ins Regionalmuseum wurde der ehemalige Reichelsheimer Bahnhof an
der Volksbank angesteuert; er war
einst der größte an der Strecke und ist als einziger gänzlich verschwunden. Der
nächste Halt erfolgte in Bockenrod.
Dort wurde das in
Bergwerken zwischen Ostern und Bockenrod gewonnene Manganerz mit einer Seilbahn
bis zum Ladegleis transportiert und anschließend zur Verhüttung in das Saarland
und nach Lothringen gefahren. In Beerfurth wurde der Ton aus der Grube in
Vierstöck verladen. Nieder-Kainsbach und Fränkisch-Crumbach hatten einen
gemeinsamen Bahnhof an der heutigen Bundesstraße 38; von dieser Stelle wurde
beispielsweise neben Trockengemüse für die Marine auch Baryt (Schwerspat)
befördert.
Der Brensbacher
Bahnhof befindet sich heute in Privatbesitz; an den Hauswänden befinden sich
noch die Originalbeschläge sowie der alte Wasserstein. Groß-Bieberaus
Bahnstation besaß eine Schotterverladeanlage; der Buchstabe P auf dem den
Verkehr regelnden Trapezschild bedeutete nicht etwa Parken, sondern erinnerte
den Lokführer ans Pfeifen.
Das Lieschen fuhr von
1887 bis 1963. Die größte Gütermenge,
64 444
Tonnen, wurde 1910/11 transportiert.
Die meisten Personen hingegen wurden
1957 befördert,
758 800 an der Zahl. In ihrer
Blütezeit beschäftigte die RRE bis zu 80 Personen. Das Bähnchen verwandelte sich
in den Fünfzigerjahren gar in einen Vergnügungszug
gemäß dem Motto: „Caramba
- im Lieschen tanzt man Samba”: Ein leerer Güterwaggon war für die Tänzer
reserviert, die Reichelsheimer „Melodia-Kapelle” spielte, und ein Personenwagen
wurde zur Bar umfunktioniert. Flankiert von Radfahrern, die keine
Eintrittskarten mehr bekommen hatten, traf der „Samba-Express” in Reinheim ein -
längst war das Getränkedepot geleert und musste für die Rückfahrt neu aufgefüllt
werden.
Lange Efeustränge
ranken heute in den Reinheimer Tunnel herab,
bei dessen Bau ein Teil des
Friedhofsgeländes abgetragen und später wieder aufgeschüttet wurde. Wohl
wissend, dass kein Zug kommt, konnten die Exkursionsteilnehmer eine
Tunnelbegehung vornehmen, bevor
sie nach knapp sechs Stunden
abwechslungsreicher und aufschlussreicher Spurensuche inklusive Mittagsrast an
der Endstation Bahnhof Reinheim
eintrafen.
Das „Lieschen”, dem
Gleis zehn vorbehalten war, hat zu seiner Zeit für diese Strecke vierzig Minuten
gebraucht. kof
Am 21. September 2005 stellte das „Odenwälder Echo“
auf Seite 13 vor:
Eine sagenhafte Erfolgsgeschichte
Sonderausstellung –
Wildweibchenpreisträger aus zehn Jahren begleiten Geschichte der Märchentage im
Regionalmuseum
VON
SABINE KOCH
REICHELSHEIM.
Im alten Sandsteingemäuer des Regionalmuseums geben sich jetzt zehn
Berühmtheiten der Reichelsheimer Märchentage ein Stelldichein - freilich nicht
persönlich. Doch Fotos und Texte vermitteln einen lebendigen Eindruck der
unterschiedlichen Charaktere, die eines gemeinsam haben: Sie sind alle Träger
des Wildweibchenpreises. Dieser Literaturpreis wird seit 1996 jährlich von der
Odenwaldgemeinde verliehen und ist mit 1500 Euro dotiert.
Neben den Vitrinen, in denen die Werke der Autoren ausgestellt
sind, zeigen diverse Stellwände in Wort und Bild sehr detailliert die jeweiligen
Höhepunkte der Märchen- und Sagentage vergangener Jahre.
Und so trat Cheforganisator Jochen Rietdorf im prächtigen
mittelalterlichen Gewand bei der Ausstellungseröffnung als Chronist auf, der die
Geschichte der Märchen- und Sagentage Revue passieren ließ: Im Jahr 1995
entstand die Idee, die zahlreichen Sagen und Geschichten im Odenwald und aus dem
Rodensteiner Land im Rahmen einer Veranstaltung zu präsentieren: Die
„Reichelsheimer Märchen- und Sagentagen” waren geboren und wurden erstmals unter
dem Motto „Siegfried und der sagenhafte Odenwald“ im Juli 1996 ausgerichtet.
Es gab Lesungen, Filmvorführungen, einen Märchen- und Sagenmarkt
sowie die Festveranstaltung zur Verleihung des Wildweibchenpreises. Erster
Preisträger war dann Willi Fährmann. Seit dem hat die Veranstaltung ihren festen
Platz im jährlichen Veranstaltungskalender der
Gemeinde.
Preisträger 1997 war Hans Christian Kirsch alias Frederik Hetman. Das Motto
damals: „Märchen erzählen – Märchen verstehen.
Nach und nach wurde das Festprogramm erweitert: Theater- und
Musicalaufführungen des Kinder- und Jugendchors der evangelischen
Michaelsgemeinde kamen hinzu; Verkaufsstände Reichelsheimer
Gewerbetreibender ergänzten den Märchenmarkt, ortsansässige Vereine beteiligten
sich außerdem an der Gestaltung des Festaktes.
Im Jahr 1998 überraschten die Veranstalter mit einem Hexen-Fackelzug. Das Thema dementsprechend:
„Engel, Hexen, Hochzeitsgeister”, Preisträger war Otfried Preußler. Ihm folgte
1999 der „Räuberspezialist” Michail Krausnick mit „Rittern, Räubern und
Abenteuern”.
Inzwischen lockte auch ein
mittelalterlicher Markt, und Landrat Horst Schnur sprach gar vom
„rasanten Aufstieg der Märchen- und Sagentage, die im Odenwald
Akzente gesetzt und die Aufmerksamkeit auf
diese Region gerichtet haben”.
Unter dem Motto „Mythen, Magier Fabelwesen” erhielt Cornelia Funcke
dann im Jahr 2000 den märchenhaften Preis. Gastgruppen aus Dol de Bretagne und Jablonka beteiligten sich am
Programm.
Preisträger ein Jahr später war Paul Maar - das Thema hieß
„Götter, Geister, Spukgeschichten”. Ergebnis erfolgreicher Öffentlichkeitsarbeit
war ein Film in der HR-Reihe „Hessen unterwegs”. Der Märchenfestzug
erwies sich als Publikumsmagnet. Doch selbst „Zwerge, Riesen und
Fantasiegestalten” waren machtlos gegenüber einer Orkan- und Sturmwarnung. Die
verantwortungsbewussten Veranstalter ließen damals aus Sicherheitsgründen am
Festsonntag 2002
alle Veranstaltungen absagen bis auf die überwältigende „Anatevka“-Aufführung
des Jugendchors in der Reichelsheimer Reichenberghalle. Ein Novum auch: die
erfolgreiche Einführung der „Langen Nacht der Märchen” nur für Erwachsene, die
Preisträgerin hieß damals Christine Nöstlinger.
Ein mittelalterliches
Konzert erweiterte das Programm im Folgejahr, Sonderausstellungen regionaler
Künstler wurden mit einbezogen. Losungsspruch 2003 war „Masken, Mächte, alte
Bräuche”. Die mittlerweile siebzigjährige
Preisträgerin des Jahres 2003, Sigrid Früh, war mit ihrem Ehemann zur
Ausstellungseröffnung am Sonntag gekommen und erfreute mit ihrer
unvergleichlichen Kunst des Märchenerzählens aufs Neue.
Da stand die quirlige
Schwäbin mit dem anheimelnden Dialekt - sie ist eine leibhaftige Nachfahrin des
Arztes und Dichters Justinus Kerner - im eleganten Kostüm und den roten Haaren
auf der Steintreppe. Die Märchen- und Sagenforscherin, die Landesgeschichte,
Germanistik und Volkskunde in Tübingen und Zürich studiert hat, entführte ins
ferne Russland mit dem Märchen „Zarewna Frosch”, erzählte vom „Ritt auf den
Glasberg” und „Das Märchen von Frau Holles Apfelgarten”.
Ihrer Mimik und ihrer
Gestik mit ausdrucksvoll fließenden Handbewegungen und der Wandelbarkeit ihrer
Stimme, da schmeichelnd und lockend, dort fordernd und drohend, konnte sich
niemand entziehen. Lächelnde Gesichter und lauter Beifall dankten für diesen
Ausflug in die Märchenwelt, wo Gerechtigkeit herrscht und das Gute fast immer
siegt.
Im vergangenen Jahr
beteiligten sich die Kindergärten mit Bilderausstellungen zum Thema „Sagen,
Träume, Schlossgespenster”, Heinrich Pleticha wurde als Preisträger benannt. Im
Jubiläumsjahr 2005 geht die Würdigung an Erhard Dietl. „Otto der kleine Pirat”
steht für das Jubiläumsmotto „Piraten, Händler, ferne Länder”.
Zum Schluss verriet Jochen
Rietdorf, dass sich sechs Wildweibchenpreisträger für eine Signierstunde während
der kommenden Märchen- und Sagentage (28. bis 30. Oktober) angesagt hätten.
Über eine Bergbauwanderung berichtete
die „Odenwälder Heimatzeitung“ am 12. August 2005 auf Seite 11:


Über die Aktion „Eisengewinnung“ im Rennofen schrieb die Südhessen Woche am 28. Juli 2005 auf
Seite 1:
