Regionalmuseum Reichelsheim Odenwald

Nees von Esenbeck

 

Ein Blick in sein Leben

Schloss Reichenberg oberhalb Reichelsheims ist der Ort der Kindheit des Christian Gottfried Daniel Nees, wo er am 14. Februar 1776 das Licht der Welt erblickte. Seine Eltern waren der hochgräfliche erbachische Rentmeister Johann Conrad Nees und dessen Ehefrau Friederike Dorothea Catharina, geborene Esenbeck aus Giebelstadt im Freyherrlich von Zobelischen Gebiet bei Würzburg.

Nees verbrachte zunächst einige Jahre auf Reichenberg, studierte im Anschluss an seine Gymnasialzeit in Darmstadt Medizin, Naturwissenschaften und Philosophie in Jena und wurde 1800 in Gießen als Arzt promoviert, bevor er in Frankfurt am Main und Erbach im Odenwald praktizierte. Von 1804 an nannte er sich Nees von Esenbeck, erhielt die Bürgerrechte der Stadt Frankfurt am Main und war mit Johann Wolfgang von Goethe bekannt, nach dem er später die Pflanzenarten Goethea semperfloris und Goethea cauliflora benannte. Aufsehen erregte er mit der Studie „Die Algen des süßen Wassers“. „Das System der Pilze und Schwämme“ und sein „Handbuch der Botanik“ folgten in den Jahren 1818 und 1820.

1817, mit 41 Jahren, wurde er als „Professor Ordinarius der Botanik und Direktor des botanischen Gartens“ nach Erlangen berufen. Bereits am 13. Oktober 1818 folgte er einem Ruf an die neu gegründete Universität in Bonn, wo er auch den botanischen Garten aufbaute. Bekannt wurde er durch sein Wirken an der „Kaiserlich Leopoldinisch-Carolinischen Akademie der Naturforscher“ in Erlangen (heute Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften, kurz auch (Academia) Leopoldina). Sie ist die älteste naturwissenschaftlich-medizinische Gelehrtengesellschaft im deutschsprachigen Raum, in die er aufgenommen wurde und deren Präsident er ab 1818 geworden war. Heute ist sie die älteste dauerhaft existierende naturforschende Akademie der Welt, hat ihren Sitz in Halle, steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten und berät die Politik, Gesellschaft und Wirtschaft zu aktuellen wissenschaftlichen und wissenschaftspolitischen Fragen.

Mitte der zwanziger Jahre des 19. Jahrhunderts hatte Nees von Esenbeck den Gipfel seiner wissenschaftlichen Erfolge erreicht und war eine Institution in der weltweiten Botanik. Tausende Pflanzenarten hatte er bestimmt und publiziert. Danach übernahm er in Breslau sowohl eine Professur als auch die Direktion des botanischen Gartens. Als Deputierter der Stadt Breslau zog er in die preußische Nationalversammlung ein. Er starb am 16. März 1858 in Breslau.

Reichelsheim ehrte seinen berühmtesten Sohn

Zum 150-jährigen Todestag von Christian Gottfried Daniel Nees von Esenbeck benannte die Gemeinde Reichelsheim die Linde auf dem Rathausplatz nach ihm und setzte gleichzeitig einen Sandstein mit einer Gedenktafel an diesem zentralen Ort.

Zu diesem Tag initiierte der Arbeitskreis Regionalmuseum Reichelsheim Odenwald Nees zu Ehren eine in der Botanik viel beachtete Veranstaltung. Prof. Dr. Wilhelm Barthlott, Geschäftsführender Direktor des Nees-Institutes in Bonn, hielt einen Vortrag über den Einfluss Nees' auf die Bonner Botanik. Frau Dr. Magdalena Mularczyk war aus Breslau/Polen angereist und zeigte Lichtbilder über die Stadt, in deren botanischem Garten Nees von 1830 bis 1858 wirkte. Frau Dr. Johanna Bohley aus Berlin hielt den Festvortrag. Sie veröffentlichte verschiedene Publikationen über Leben und Korrespondenz von Nees. Frau Dr. Monecke aus Halle bearbeitete seine amtliche Korrespondenz, worüber sie eingehend unterrichtete. Prof. Dr. Heinz Schott, Leiter des Medizinhistorischen Instituts an der Universität in Bonn berichtete über den „Magnetismus“, die Vorstufe zur Hypnose, mit der sich Nees beschäftigt hat.

Die sozialpolitischen Tätigkeiten von Nees während seiner Breslauer Zeit waren ebenfalls Gegenstand der Referate der Wissenschaftler.

Horst Wendel vom Arbeitskreis Regionalmuseum Reichelsheim Odenwald, der seit den 70er-Jahren des vorigen Jahrhunderts über Leben und Werk des berühmten Botanikers Nees von Esenbeck forscht, hält die Kontakte schon seit vielen Jahren mit den Referenten aufrecht und vertritt die Gemeinde bei Besuchen an den Arbeitsorten von Nees.