Fahrzeuge der Bahnpost
im Dachgeschoss, rechts,

Abteilungsleitung
Wolfgang Kalberlah
Telefon 06164 913793
E-Mail: 
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Von der Postkutsche zum Postzug

Die Eisenbahn in Deutschland wurde von Anfang an auch zur Beförderung von Postsendungen genutzt. Bereits der Eröffnungszug am 7.12.1835 von Nürnberg nach Fürth nahm ein „Briefpaket" mit auf die Fahrt. Bald stand die Eisenbahn in Konkurrenz zur Postkutsche. Man erkannte, dass es zwischen Bahn und Post zu einer Symbiose in der Art kommen musste, die Beförderung der Postsendungen nunmehr unter Nutzung der Bahn durchzuführen. Zunächst stellte man die Postkutschen samt Passagieren und Kutscher (ohne Pferdebespannung) auf einen Plateauwagen. Diese wackelige Angelegenheit hatte allerdings ebenso wenig Zukunft wie die Postbeförderung in Zugabteilen und Packwagen. So konstruierte man eigens Bahnpostwagen als rollende Postämter. In ihnen wurden unter dem Begriff Bahnposten die Postsendungen transportiert und bearbeitet. Daraus entwickelten sich komplette Postzüge.


Die Fahrzeuge in den Ausstellungsvitrinen

Die rollenden Postämter, Bahnposten genannt, passten sich dem technischen Fortschritt und der zunehmenden Fahrgeschwindigkeit an. Über 800 Exponate in den Nenngrößen 0, 1, H0, N und Z zahlreicher Modellbaufirmen dokumentieren in 13 Vitrinen diese in- und ausländischen Entwicklungen:

Vitrine 1: Deutsche und internationale Postzüge (am Aufgang zum Dachgeschoss)

Vitrine 2: Deutsche Bahnpostwagen

Vitrine 3: Deutsche Bahnpostwagen und Postabteile in Eisenbahnwagen

Vitrine 4: Ausländische Bahnpostwagen und Postabteile in Eisenbahnwagen

Vitrine 5: US-amerikanische Bahnpostwagen und Postabteile in Eisenbahnwagen

Vitrine 6: Bahnpostwagen der Deutschen Post der DDR und Postabteile in Eisenbahnpackwagen der DR

Vitrine 7: Internationale Bahnpostwagen

Vitrine 8: Deutsche Bahnpostwagen, Postabteile in Eisenbahnwagen, Wagen mit Versuchsanstrichen, nicht authentische Wagen, Deutsche Reisezug- und Packwagen mit Postabteil

Vitrine 9: Deutsche Post-Transportwagen, Deutsche Post-Rangierloks und Rangiergruppen

Vitrine 10: Französische Bahnpostwagen inkl. Fernost und Australien

Vitrine 11: Bahnpostwagen europäischer Postverwaltungen und aus Südafrika

Vitrine 12: Bahnpostwagen europäischer Postverwaltungen

Vitrine 13: Deutsche und internationale Bahnpostwagen sowie Eisenbahnwagen mit Postabteil

 

Postbeförderung auf Eisenbahnen

- Entwicklung in Deutschland -

1828 Erste Überlegungen in Bayern, die Postgüter auf dem Schienenweg zu befördern

1829 Stellungnahme von Friedrich List in Preußen zum Verhältnis Post - Eisenbahn

1833 Skizze von Friedrich List von einem Plateauwagen (= Eisenbahnflachwagen), auf dem eine Postkutsche mit  Passagieren steht

7.12.1835 Erste überlieferte Mitnahme eines „Briefpaketes" auf der ersten deutschen Eisenbahnstrecke Nürnberg - Fürth

18.11.1837 Beförderungsvertrag für Postgüter zwischen der Postverwaltung und der Ludwigsbahn (Nürnberg - Fürth)

1844 Zwei für Postzwecke eingerichtete Eisenbahn-Gepäckwagen in Bayern in Betrieb

1.3.1845 - 1848 Transport von (Straßen-) Postpackwagen auf Flachwagen der Bahn

12.1847 Erster Eisenbahn-Postwagen in Hannover in Betrieb genommen

1.4.1848 Erste Bahnpost mit Umarbeitung (Heidelberg - Karlsruhe - Schliengen); Begriffe: Eisenbahnpostbureau, fahrende Postämter, später: Bahnpost

1854 - 1910 Abwurf von Briefpaketen und -beuteln während der Stationsdurchfahrt

1860 Übergang von der Holzbauweise für den gesamten Wagen auf Stahluntergestell; Wagenkasten weiterhin aus Holz

1897 Verkehr von Postzügen

1905 Einführung vierachsiger Bahnpostwagen

1912 Erste posteigene Rangierlokomotiven in den Postbahnhöfen Berlin (E-Lok) und Köln-Deutz (Dampfspeicherlok) im Einsatz

1922 Einführung der Ganzstahlbauweise (genietet, ab 1936 geschweißt) bei Bahnpostwagen

1927 Post-Kühlwagen in Betrieb genommen

31.5.1997 Beendigung des Bahnpostverkehrs in Deutschland

 

Bahnpost im Gersprenztal

Auch die Reinheim-Reichelsheimer Eisenbahn wurde in das Bahnpostnetz einbezogen. Sie verfügte über Gepäckwagen mit eingebautem Postabteil. Dort erfolgte eine Sortierung der aus den Bahnposten Darmstadt - Eberbach und zurück in Reinheim übernommenen Sendungen durch einen Mitarbeiter der Post. Er entwertete die am Wagenbriefkasten eingeworfenen Briefe und Postkarten mit einem Streckenstempel. Die Zugnummern sowie die Angaben von Tag, Monat und Jahr wurden in dem Stempel durch Einsatztypen aus Stahl gewechselt.

An den Stationen des Gersprenztals übergab er die Sendungen an die bereits mit ihren Eisen bereiften Postkarren wartenden Bediensteten der Postämter. Der Bahnpostdienst unterstand zunächst dem Postamt Reichelsheim und ging nach dem Ersten Weltkrieg an das Postamt Reinheim über (siehe auch die Vitrine vor dem Eingang).

Dreimal verkehrte die Bahnpost werktäglich in beide Richtungen. An Sonntagen gab es nur eine Verbindung. Bis 30. November 1953 wurden die für die Postämter zwischen Reinheim und Reichelsheim eingehenden Postsendungen hauptsächlich mit dem „Odenwälder Lieschen" befördert. Danach übernahmen Landkraftpostwagen diese Aufgabe.


Dauerleihgabe im Regionalmuseum
Die Exponate wurden von Herrn Rudolf Werner, Bad Mergentheim, dem Museum dankenswerterweise als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Herr Werner hat sich aus beruflicher und privater Sicht zu einem Fachmann für Bahnpostwagen entwickelt und seine Sammlung 1977 begonnen.