Regionalmuseum Reichelsheim Odenwald

 

Dort befindet sich auch ein Diorama mit dem Trassenverlauf der Gleise durch das Gersprenztal. Gäste finden die einzelnen Bahnhöfe und Haltepunkte angegeben und ein Schienenbus fährt unentwegt zwischen den beiden Endbahnhöfen hin und her. Wenn dieses Fahrzeug auch nicht der Triebwagen mit seinem Anhänger aus den guten alten Eisenbahnzeiten des „Lieschens“ ist, so mag sich der Betrachter doch vorstellen, wie früher Touristen den Odenwald besuchen konnten. Die Automatik dieser Dioramastrecke im Museum war nach über 25-jähriger Nutzung defekt geworden und musste einer Sanierung unterzogen werden.

Lieschen DioramaUnter Federführung von Günter Friedrich aus Klein-Gumpen erwiesen sich die Arbeiten komplizierter als zunächst angenommen: Waren doch die Elektroverbindungen so stark gealtert und überholungsbedürftig, dass sie ausgetauscht werden mussten. Zusammen mit Reinhold Lannert aus Laudenau gelang es schließlich, das Bähnchen wieder flott zu bekommen. Auch eine Stütze der in dem Landschaftsmodell wiedergegebenen Drahtseilbahn, die einst das Bergwerk bei den Vierstöck mit dem Ladebahnhof in Bockenrod verband und unter der das „Lieschen“ hindurchfuhr, war zu ersetzen. Nun pendelt das kleine Fahrzeug in der Spurgröße N wieder unaufhaltsam zwischen Reinheim und Reichelsheim hin und her, sobald sich ein Besucher der Anlage nähert und erinnert an vergangene Eisenbahnzeiten im Gersprenztal.

Die damalige Originalstrecke zwischen den beiden Gersprenztalorten wurde im Jahr 1887 eröffnet. Hatten die Planungsarbeiten an der Strecke knapp zwanzig Jahre von der ersten öffentlichen Idee bis zur Baugenehmigung gedauert, so war der anschließende Bau innerhalb einer dreiviertel Jahres vollendet, samt Bahnkörper und der Bahnhofsanlagen. Am 10. Oktober fand dann die erste Fahrt statt. Der zugehörige Fahrplan wies für die knapp 18 Kilometer lange Strecke eine ungefähr einstündige Fahrzeit aus. So dampfte die Bahn Jahr für Jahr durchs Gersprenztal, erfreute sich immer größerer Beliebtheit, insbesondere in der Nachkriegszeit in Verbindung mit den Hamsterfahrten. Doch bereits in den 1950er-Jahren verlor sie an Attraktivität und wurde schließlich 1963 und 1964 stillgelegt.

Die im Reichelsheimer Museum wach gehaltene Erinnerung an die Gersprenztalbahn zeigt zahlreiche Dokumente jener Zeit. Ein Gang entlang der Bahnhofstafeln verleiht einen Eindruck von den aus Odenwälder hellem Sandstein errichteten Gebäuden. Bilder der Lokomotiven und Waggons zeigen das rollende Material auf der Strecke, die über einen langen Zeitraum Teil der Süddeutschen Eisenbahn-Gesellschaft war. Die Werkstatt in Reichelsheim und die Weichenherstellung in Groß-Bieberau versorgten sämtliche Strecken dieser Gesellschaft im süddeutschen Raum. Die Ausstellung im Regionalmuseum, die zu den regelmäßigen Öffnungszeiten am zweiten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung besichtigt werden kann, gibt auch Einblicke in die Themen Bahnpersonal, Güter- und Personentransport sowie die Gleispläne aller Bahnhöfe. Im kommenden Jahr feiern dann alle Museen des Gersprenztals die 140-jährige Wiederkehr der Eröffnungsfahrt, zu der bereits jetzt intensive Vorbereitungen angelaufen sind.