Da man damals noch keine geeigneten Räumlichkeiten zur Aufbewahrung der Gegenstände hatte, wurden diese auf dem Dachboden der Reichenberg-Schule gelagert und zu jeder Ausstellung von dort wieder geholt. Die erste Ausstellung fand 1966 in der Turnhalle der heutigen Reichenbergschule anlässlich des Michelsmarktes statt. Von Anfang an überwog die Zahl der Bilder, doch war man bemüht, durch Zusatzausstellungen auch auf das Interesse an Gegenständen hinzuweisen
1975 begannen die konkreten Vorarbeiten zur Eröffnung eines Heimatmuseums. Anlass hierfür war der Umzug der Gemeindeverwaltung vom ehemaligen Zent- und Rathaus auf dem Rathausplatz (früher Marktplatz) in das nahe gelegene leer stehende ehemalige Amtsgerichtsgebäude (Bismarckstraße 43). Da das Zent- und Rathaus nun für andere Zwecke genutzt werden konnte, rückte die Idee eines Museums in greifbare Nähe. Die „Kommission ALT REICHELSHEIM“ (der Zusammenschluss der an der Sammlung interessierten Bürger) bildete einen „Museumsausschuss“. Alle Einwohner von Reichelsheim mit den inzwischen eingemeindeten Ortsteilen wurden aufgerufen, sich an den Arbeiten zu beteiligen und Gegenstände sowie Bilder für das Museum zur Verfügung zu stellen.
Nach vielen Stunden freiwilligen Arbeitseinsatzes der Mitglieder des Arbeitskreises Heimatmuseum Reichelsheim (die Kommission hatte sich zu dieser Bezeichnung umbenannt) konnte am 21. August 1976 mit den schon vorher gesammelten Möbeln, Gegenständen und Gerätschaften das Heimatmuseum Reichelsheim durch Bürgermeister Born offiziell eröffnet werden. Seit dieser Zeit stellt der Arbeitskreis zum jährlichen Michelsmarkt nur noch seine Bilder unter dem Titel „Alt Reichelsheim“ aus.
Den zunächst nur drei Ausstellungsräumen konnten 1977 zwei weitere zugefügt werden, sodass im unteren Bereich des Zent- und Rathauses die zur Verfügung stehende Ausstellungsfläche ganz genutzt wurde. Die Räume waren dem Thema „Wohnen um 1900“ gewidmet. Der Arbeitskreis Heimatmuseum Reichelsheim hatte dazu eine Küche, ein Wohnzimmer und ein Schlafzimmer eingerichtet. In zwei weiteren Räumen wurde das Thema „Handwerk“ zugänglich gemacht. Zu sehen waren eine Schuhmacherwerkstatt, eine Sattlerei sowie das Handwerkszeug des Schlossers, Zimmermanns, Schindlers und Wagners.
Mit der Ausgestaltung des ehemaligen Sitzungssaals im Obergeschoss des Zent- und Rathauses als Museumsraum war 1979 die Möglichkeit geschaffen worden, Sonderausstellungen zu präsentieren. Diese Möglichkeit haben insbesondere Reichelsheimer Vereine zur Darstellung ihrer Vereinsgeschichte anlässlich von Jubiläen und Einzelpersonen zum Zeigen von eigenen Sammlungen genutzt. Auch konnte für Reichelsheim ein Rahmen geschaffen werden, in dem Künstler mit ihren Werken an die Öffentlichkeit treten können. Ansonsten beherbergte der Raum die Dauerausstellung „Von der Feldbestellung zur Ernte“. Es wurden Geräte und Arbeitstechniken aus der Landwirtschaft präsentiert.
Von 1996 bis Mitte September 1999 war das Heimatmuseum wegen der Sanierungsarbeiten am Zent- und Rathaus nur noch eingeschränkt nutzbar bzw. teilweise ganz geschlossen. Die Vereinsaktivitäten wurden in beschränktem Umfang fortgesetzt. Der Schwerpunkt der Arbeit lag in diesem Zeitraum auf der Planung der Neukonzeption des Museums. Um die Bevölkerung auf das neue Museum vorzubereiten, fand ab März 1999 in den Zweigstellen Reichelsheim und Beerfurth der Volksbank Gersprenztal eine Computerpräsentation unter dem Thema „Das Regionalmuseum Reichelsheim Odenwald stellt sich vor“ statt, begleitet von verschiedenen Presseartikeln.
Als 1996 mit der Sanierung des Zent- und Rathauses begonnen wurde, ahnte wohl niemand, wie das neue Gesicht des Museums aussehen würde. Anfangs stand die Sanierung des Dachgeschosses an, die sich zur Sanierung des gesamten Gebäudes ausweitete. Dieser Umstand wurde genutzt, die Ausstellungsfläche des Museums zu erweitern. Die Folge war eine völlige Überarbeitung und Neukonzeption des Museums. Gezeigt wird jetzt, was in anderen Museen der Umgebung noch nicht museal aufgearbeitet wurde. In nicht zählbaren Stunden haben die Mitglieder des Arbeitskreises Regionalmuseum Reichelsheim Odenwald (AK RRO) – so nennt sich der seitherige Arbeitskreis seit dieser Zeit – und die Gemeinde Reichelsheim unter Mithilfe anderer Institutionen das Regionalmuseum Reichelsheim Odenwald (RRO) mit seinen Abteilungen entstehen lassen. Am 12. September 1999 wurde das neue Museumskonzept zum „Tag der offenen Tür“ vorgestellt und sowohl das sanierte Zent- und Rathaus als auch das Regionalmuseum am 13. November 1999 offiziell eingeweiht. Seit dieser Zeit wird das Dachgeschoss als zusätzlicher Ausstellungsraum genutzt und die ehemaligen fünf Arrestzellen sind für Besucher zugänglich.
Unsere Schau-Abteilungen sind:
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Regionales Handwerk und Fachwerk im historischen Rathaussaal (Erdgeschoss links)
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Fahrzeuge der Bahnpost im Obergeschoss rechts
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Schulmuseum Odenwaldkreis im Obergeschoss links
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Bergbau um Reichelsheim im Dachgeschoss rechts
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Reinheim-Reichelsheimer Eisenbahn im Dachgeschoss links
Der Leseraum mit der Besucherbibliothek befindet sich im Jugendstilzimmer und den ehemaligen Arrestzellen. Der historische Rathaussaal (die frühere Markthalle) und ein kleinerer Raum im Obergeschoss werden für Sonderveranstaltungen und zugleich als Präsentationsraum genutzt. Im Anbau von 1729 stehen für die Museumsverwaltung die Abteilung Fotoarchiv „Alt Reichelsheim“ und die PC-Zentrale zur Verfügung.
